Wie jetzt Wijn?

Klimawandel hin – Klimawandel her: aus dem einen oder anderen Nachteil kann schnell ein Vorteil werden. Bestes Beispiel: die klimatische Süd-Nord Verschiebung und Wein (Niederländisch: Wijn) aus der Provinz Limburg.

Als wir vor ein paar Jahren die ersten Weine aus den Niederlanden im Sternerestaurant Bolenius / Amsterdam probierten, hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Auch wenn Weinbau hier im Nordwesten Europas durchaus "Tradition" hat, sind die finalen Produkte in der Vergangenheit eher wenig auffällig gewesen. Da der Umfang der Produktion auch recht bescheiden ausfiel, war an Export dabei schon gar nicht zu denken. Doch sowohl die Qualität als auch die zukünftige Quantität dürfte den einen oder anderen Weinliebhaber auf niederländische Wijn-Spuren führen. Und das durchaus mit gutem Grund.

170 Weinbauern in den Niederlanden

Im Gespräch mit Weinfachmann Maurice Warnier erläuterten wir spannende Themen, erlangten ungewöhnliche und unbekannte Fakten über das Weinmachen in den Niederlanden: "Mittlerweile haben wir alleine hier in der Provinz Limburg etwa 50 Weinbauern, in den gesamten Niederlanden dürften es sogar um die 170 sein", erzählt er uns im Gespräch am Weinberg von Luc Creusen. "Allerdings muss man auch sagen, dass nur ein Teil dieser Betriebe hauptberuflich geführt werden kann. Die Anbauflächen sind zum Teil schon recht gering, so wie zum Beispiel auch bei mir: ich habe gerade angefangen etwa ein halbes Hektar zu bepflanzen – mit drei verschiedenen Rebsorten", so Warnier weiter.

Luc Creusen vor seinem Weinberg.
Luc Creusen vor seinem Weinberg.

 

Mittlerweile sind es gut 250 Hektar, die insgesamt in den Niederlanden zum Weinbau genutzt werden. Nicht viel für die Größe des Landes und die recht "neue" Form der Landnutzung, dennoch beachtlich. Und, wie oben beschrieben, ist das Weinmachen in der Provinz Limburg auch schon recht alt. Denn mit dem Unternehmen Apostelhoeve, durch die Familie Hulst 1969 gegründet, feiert die älteste Winery der Provinz mittlerweile 50jähriges Jubiläum. Müller-Thurgau, Auxerrois, Riesling und Pinot Gris stehen bei Apostehoeve im Anbau-Fokus, aus denen reinsortige Weine, Cuvées und Schaumweine entstehen. Durchaus ein beachtlicher Anteil entsteht so für die etwa eine Million Flaschen Jahresabfüllung des Landes.

Winery St. Martinus

So ungewöhnlich Weinbau in den Niederlanden auch ist, noch erstaunlicher dürfte bei genauerer Betrachtung der Weinproduzent St. Martinus erscheinen. Hier präsentiert sich ein sehr professionell geführtes Unternehmen nahe der Stadt Maastricht. Durch die geografischen (und ehemals klimatischen) Bedingungen dürfte es einleuchtend erscheinen, dass es sich bei den angepflanzten Rebsorten in der Provinz Limburg zunächst um Reben für die Produktion von Weißweinen handeln sollte.

Weingut St. Martinus im Süden von Limburg.
Weingut St. Martinus im Süden von Limburg.

 

Der größte Anteil entfällt logischerweise auch auf eben jene Trauben, allerdings pflanzt St. Martinus mit etwa 35 Prozent eben auch für Rotweine an. Das ist schon etwas erstaunlich, allerdings gibt zumindest die Größe der gesamten Rebfläche dieses sicherlich her. Gut 19 Hektar gehörten zuletzt zum Weingut, aufgeteilt auf verschiedene Parzellen. Und jüngst kamen noch einige Hektar dazu, so dass das Unternehmen nunmehr auf etwa 26 Hektar Gesamtfläche kommt, wie uns Betriebsleiterin Wiebke Neddermann im Gespräch berichtet.

Und: Neueste Rebsorten, die im eigenen Versuchsgarten gepflanzt werden (wie z.B. einige Sorten aus Freiburg), sollen dafür sorgen, dass letztlich keine Pestizide mehr benötigt werden. Damit geht das Weingut interessante Wege, die auch zukünftig richtungsweisend für den Weinanbau in den Niederlanden werden können.

Für ihre eigenen Weine nutzt St. Martinus eine recht breite Palette an Rebsorten: Cabernet Cantor, Cabernet Cortis, Johanniter, Solaris, Muscaris, Dornfelder, Cabernet Franc, Monarch, Regent, Pinot Noir, Souvignier Gris, Pinot Gris und Pinotin (eine Kreuzung zwischen Blauem Spätburgunder und Resistenzpartnern). Interessant sind gerade die Rotweine des Unternehmens, lassen sie sich doch – als recht gefälliger Wein – vielfältig einsetzen. Bekannt ist St. Martinus in der Region auch dadurch, dass sie für viele anliefernde Weinbauern produzieren. Das verwundert wenig, ist es doch so, dass gerade kleinere Weinbauern kaum über die notwendige Hardware verfügen dürften.

Wiebke Needermann, Betriebsleiterin St. Martinus.
Wiebke Needermann, Betriebsleiterin St. Martinus.

 

Steenberg – gleich nebenan

Dieses dürfte auch für einen anderen kleinen Weinbauern gelten, den einen Steinwurf entfernten Weinberg der "Domein Steenberg" von Luc Creusen. 2006 hat der Unternehmer als Hobby den Weinanbau begonnen, fing 2012 sogar an einen Riesling zu setzen. Mittlerweile liegt sein Gesamtertrag bei etwa 4000 Litern, also etwa 6000 Flaschen. Bei dieser geringen Produktionsmenge wird auch deutlich, dass es sich nur um ein Zusatzgeschäft handeln kann. Die Haupteinnahmen der Familie werden durch das angrenzende Hotel Creusen generiert.

Dennoch lässt sich festhalten, dass gerade der Riesling von Steenberg eine überraschend hohe Qualität aufweist. Allerdings dürfte auch hier gelten: die Weine sind vorzugsweise – wenn nicht einzig – nur im Hotel zu beziehen. Die Produktionsmenge ist für mehr einfach nicht ausgelegt.

Strukturwandel?

Es ist sicherlich nicht so, dass die Region in naher Zukunft einen strukturellen landwirtschaftlichen Wandel erfahren wird; denn bekannt ist die Provinz zunächst durch den Anbau von Früchten wie zum Beispiel Blaubeeren oder auch Äpfeln. Der größte Anteil der Arbeitsplätze wird nach wie vor durch den Tourismus und die Gastronomie gesichert. Dennoch: die jüngsten Erfolge der Weinproduzenten lassen mehr als aufhorchen. Und wer weiß, wie sich das Klima zukünftig entwickelt...

 

Impressionen:


Fotos: Michael Schabacker

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Zuletzt bearbeitet am 22/10/2019

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