¡Qué rico! (Teil 2: Von Pisco und Schokolade)

Während in Cusco lebende Ex-Pats bei der Erwähnung der bis dato vorgestellten Nobel-Restaurants immer mal wieder das Gesicht verzogen, legten sie uns unisono das Cicciolina ans Herz. Als wir dort eintrafen, sahen wir jedoch fast ausschließlich Touristen, ja ganze Tour-Gruppen, die die legerere Tapas-Bar und das gediegenere Restaurant fast restlos okkupierten...

Der Blick in die Karte war vielversprechend: endlich einmal mehr Nikkei – das Cicciolina ist eines der wenigen Restaurants in Cusco, das eine größere Auswahl an Fisch und Meeresfürchten serviert. Die Jakobsmuscheln waren in der Tat zart, schwammen jedoch in einem Meer aus Sojasauce. Hervorragend mundete dagegen das Filet vom Paiche, und auch andere Fischgerichte an den Nachbartischen sahen vielversprechend aus. So richtig gute Stimmung wollte trotzdem nicht aufkommen. Der Service ist professionell freundlich, aber keineswegs herzlich. Ein "Hat’s geschmeckt?" kam niemand über die Lippen. Und die Mousse? Die entpuppte sich leider als klebrige Schoko-Pampe.

Entsprechend vorgewarnt waren wir, als wir das Museo Del Pisco besuchten, eine weitere bei Touristen hoch im Kurs stehende Location in unmittelbarer Nähe der zentralen Plaza de Armas, mehr Lounge als Restaurant. Von der verspiegelten Bar lachten uns mehr als 40 verschiedene Pisco-Labels an – der Traubenschnaps, Perus Nationalgetränk, ist hier ganz klar der Star. "Die beiden Eigentümer aus den USA und Cusco lieben Pisco", erklärte Manager Gerson Flores. "Aber sie wissen auch, dass selbst viele Einheimische wenig davon verstehen. Das wollen sie ändern." Das Konzept scheint erfolgreich zu sein: Inzwischen gibt es eine Dependance in Arequipa und zwei weitere in Lima.

Pisco Auswahl...
Pisco Auswahl...

 

Tatsächlich ist Pisco-Sommelier Luis Ormaza der geborene Entertainer: Er erklärt, wie Pisco in die Neue Welt kam. Wie man einen Pisco Sour mixt und warum man ihn mindestens eine Minute schütteln muss, bis einem fast der Arm abfällt. Warum man Pisco nie als Digestif trinkt und die Trinkreife nach bereits einem Jahr erreicht ist, das Alter aber ansonsten bei der Qualität keine Rolle spielt. Warum man Pisco immer in Lehm-Tanks und nie in Holz lagert. Warum die mehr als 2.000 Pisco-Brennereien Perus fast alle in Familienbesitz sind und es gar nicht so leicht ist, da den Überblick zu behalten.

Dann lädt er zum Tasting: Der Don Zacharias aus autochthonen, roten Quebranta-Trauben kratzt am Gaumen, der Cepas de Loro aus weißen Italia-Trauben (der am häufigsten für Pisco verwendeten Sorte) ist schon weicher. So richtig gut gefällt uns aber der pfeffrige, aus sechs Rebsorten destillierte Brujas de Cayango Acholado – sogar noch besser als der Tres Generaciones, einer der teuersten Piscos des Landes. Zum Schluss serviert Luis einen Pisco-Negroni, in dem der Traubenschnaps den Gin ersetzt: okay, aber nicht so gut wie das Original.

Letzte Handgriffe...
Letzte Handgriffe...

 

Eine wahre Offenbarung sind jedoch die Speisen, was wir nicht erwartet hätten. Sämtliche Tapas sind ein Gedicht, könnten in den angesagten Bars von Barcelona nicht besser und frischer schmecken. Das gilt auch für Pasta, Fisch, Burger und Ceviche. Die Live-Musik tut ihr übriges, um den Abend zu einem besonders gelungenen zu machen, zumal die Preise zivil sind.

Wenn es so gut mundet und es in Cusco so viele kulinarische Entdeckungen gibt – warum sollte man dann selbst zur Kochschürze greifen? Offensichtlich sind wir die einzigen, die sich diese Frage stellen. Denn Kochkurse und -schulen boomen in der Anden-Stadt. Fast jeder Tourist scheint inzwischen zu wissen, wie man Ceviche anrichtet und was man beachten muss, wenn man "Cuy al Palo", Meerschweinchen am Spieß, serviert. Wir schenken uns diese Übungen, weil wir auf überteuerte Touristenfallen wenig Lust verspüren.

Schokolade im Choco Museo.
Schokolade im Choco Museo.

 

Einzig dem Choco Museo geben wir eine Chance. Das ist nicht etwa ein Familienbetrieb, sondern eine in ganz Lateinamerika von Kolumbien bis Guatemala präsente Kette, in der es nichts gibt, was es nicht gibt: Kakaoplantagentour, Bean-2-Bar-Workshop, Kochkurse, Trüffel-Workshop. Der zweistündige Schoko-Kurs gestaltet sich so wie erwartet: wenig Wissensvermittlung, viel Show, sehr auf die vielen US-Touristen zugeschnitten, insgesamt zu langatmig. Trotzdem lohnt der Besuch des Museo: Man findet hier eine große Fülle an essbaren Souvenirs für die Lieben zuhause. Und das ist ja auch schon etwas, denn wer möchte schon zum fünften Mal eine Chullo, diese kratzige und grob gestrickte Ohrenklappenmütze geschenkt bekommen, mit der man wie ein bunter Dackel aussieht?

 

Impressionen:

Hier geht’s zu den im Text vorgestellten Adressen:
www.nunaraymicusco.com
www.cuscorestaurants.com  (mit MAP Café und anderen)
www.chicha.com.pe/es/cusco
www.belmond.com/hotels/south-america/peru/cusco/belmond-palacio-nazarenas/dining
www.belmond.com/de/hotel-monasterio-cusco
www.cicciolinacuzco.com
https://museodelpisco.org
www.chocomuseo.com/peru/cusco
Kochschule: República del Pisco, www.rdpcusco.pe  (auch Restaurant)

Autoren-Tipp 1: An Fronleichnam nach Cusco reisen – auf der Plaza de Armas finden dann regelmäßig Paraden statt, und man kann das nur an diesem Tag erhältliche Chiri Uchu (Quechua: kalt-scharf) kosten: Das Gericht besteht aus Rocoto-Paprika, Fischrogen, Algen, Käse, Meerschweinchen, Hühnchen, aus Maismehl und Kürbis gebackenen Fladen, salzig eingelegtem Lamm, deftiger Wurst und geröstetem Mais. Alles muss gleichzeitig in den Mund!

Autoren-Tipp 2: Sparen kann man sich dagegen ein Pachamanca, auch wenn es vom Instituto Nacional de Cultura del Perú (INC) zum Kulturerbe des Landes erklärt wurde: Die "Erd-Topf-Speise" (so die Übersetzung aus dem Quechua), bei der Fleisch, Kartoffeln, Yucca-Knollen und Maiskolben in Bananenblätter eingewickelt und in der Erde mit Hilfe heißer Steine gegart werden, schmeckt einfach ziemlich fad. Lieber zuhause die Weber-Grill-Bibel studieren!

So geht’s nach Cusco:
Allgemeine Auskünfte: www.peru.travel/de
Anreise: Mit Avianca ( www.avianca.com ) via Bogotá nach Cusco mit nur 1 Zwischenstopp
Veranstalter: Individuelle Food-Reisen nach Peru organisiert Lateinamerika-Spezialist avenTOURa ( www.aventoura.de ). Die Experten arbeiten mit einer Agentur in Cusco zusammen, deren Mitarbeiter zahlreiche Restaurants persönlich kennen. avenTOURa kümmert sich selbstverständlich auch um die weiteren Bausteine einer Peru-Reise. Wer auf dem Salkantay-Trek nach Machu Picchu wandern und dabei komfortabel wohnen sowie gut speisen und trinken möchte, sollte das mit Mountain Lodges of Peru ( www.mountainlodgesofperu.com ) tun. In Aguas Calientes am Fuß von Machu Picchu wird dabei zum Beispiel im Inkaterra Machu Picchu Pueblo Hotel ( www.inkaterra.com/inkaterra/inkaterra-machu-picchu-pueblo-hotel/the-experience ) übernachtet, in dem sich auch hervorragend speisen lässt.
Medien: Sandra Wolf und Helmut Hermann: "Peru", Verlag Reise Know-How, 2019

Fotos: Günter Kast / und genannte Anbieter im Text

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Zuletzt bearbeitet am 01/09/2019

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Autor

Günter Kast

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