Rocoto / Berlin: "Ein Weg nach Peru"

Wen neben der Hitze auch noch Hunger und Durst plagen, ist hier richtig. In einem kühlen Souterrain, mitten in Berlin-Schöneberg, befindet sich seit gut fünf Monaten das "Rocoto".

Hier zaubert man aus weitgehend regionalen und saisonalen Zutaten gekonnt peruanische Gerichte. Und das ganz ohne Kitsch und Folklore. Stattdessen ein rustikales Ambiente mit Shabby-Chic-Anleihen. Unverputzte Steinwände, an denen am Ende des Raums ein kunterbuntes Bild hängt, ein paar Topfpflanzen, dunkle Holzmöbel. Gut 15 peruanische Restaurants gibt es jetzt in Berlin, in ganz Deutschland sollen es 30 sein. "Wir sind die Vorreiter", versichert Andres Cerdena-Rendon.

An diesem Abend gab es, ganz ausnahmsweise und jenseits der regulären Speisekarte, eine Art peruanisch-brandenburgische Fusionsküche. Zur Einstimmung kredenzt der Inhaber einen "Chicha Sour". Ein Aperitif, wohlschmeckend und rekordverdächtig erfrischend. Pisco, Sirup, Eiweiß, Zimt, Limone sind die Zutaten, und eben Chicha, der lilafarbene Mais, der in diesem Fall für eine dunkelrote Farbe sorgt. Säure und Süße werden gekonnt ausbalanciert. Dazu gibt es violette Chips, aus eben diesem Mais, und zwei Sorten selbst gebackenes Brot. Mit Walnüssen und Canberrys sowie mit aufgepufftem Amaranth. Zusammen mit der Butter, die mit der Chili-Sorte Aji Panca verfeinert wurde, ergibt das ein interessantes Wechselspiel aus leichter Süße und angenehmer Schärfe.

Tiradito: eine Art Sashimi, die peruanische Küche wurde auch von japanischen Einwanderern beeinflusst.
Tiradito: eine Art Sashimi, die peruanische Küche wurde auch von japanischen Einwanderern beeinflusst.

 

Sommertauglich auch der erste Gang. "Tiradito", eine Art Sashimi, die peruanische Küche wurde auch von japanischen Einwanderern beeinflusst. Anders als bei dem bekannten Ceviche wird der Fisch hier in der Regel nicht mariniert. Auf dem Teller hat es sich eine Forelle aus brandenburgischen Gewässern, so lustig wie frisch, in einer Maracuja-Soße gemütlich gemacht, kerniger Buchweizen bildet die Beilage. Weiter geht es mit "Quinotto", eine Art Risotto, bloß mit Quinoa, grünem Spargel und gebackenem Ei. Eine gelungene und sehr gesunde Fusion, peruanisches Superfood trifft hier auf frische brandenburgische Zutaten. Quinoa, eine der besten pflanzlichen Eiweißquellen, liefert reichlich Eisen. Damit dient es Vegetariern und Veganern als Fleischersatz. Der Reichtum an Mangan und Kupfer soll freie Radikale bekämpfen und damit Krebserkrankungen vorbeugen können.

"Lomo Saltado" bildet den Hauptgang, erneut lässt die Heimat von Theodor Fontane grüßen. In der Regel wird das Gericht mit Steakfleisch zubereitet, hier baden jedoch zünftig-deftige Ochsenbäckchen in einer Soße auf Sojabasis, mit Zwiebeln, Tomaten und einem Schuss Pisco. Diverses Gemüse, unter anderem Andenkartoffeln, bilden die Beilage, die wie eine Art Straße angerichtet ist. "Ein Weg nach Peru", so der Inhaber.

Zum Schluss noch ein Digestif, ein Chilcano de Rocoto.
Zum Schluss noch ein Digestif, ein Chilcano de Rocoto.

 

Beinahe mehr Kunst als Kulinarik herrscht bei dem Nachtisch vor. Jackson Pollock und seine Action- Painting-Methode lassen grüßen. Eine Show-Cooking-Einlage, im Nu verwandelt sich der ganze Tisch in ein abstraktes Kunstwerk mit den Farben Hellgrün, Rot, Weiß und Dunkelbraun. Avocado-Eis, Baiser, Erdbeeren, und den unvermeidlichen Brownies sei Dank. Höhepunkt ist dabei das selbstgemachte, sehr fruchtig und angenehm wenig süße Eis.

Zum Schluss noch ein Digestif, ein "Chilcano de Rocoto", eine erfrischende Stärkung gegen den hitze-lastigen Weg nach Hause. Aus Pisco, Ginger Beer und einer Marmelade aus der Chili-Sorte Rocoto, nach der das Lokal benannt wurde. Die sei, so der Inhaber, besonders in seiner Heimatstadt Arequipa eine beliebte Spezialität.

Fotos: Fritz Hermann Köser

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Zuletzt bearbeitet am 01/09/2019

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