Have a nice "Dei"... (Teil 2)

Auch das Weinkonsortium des Vernaccia di San Gimignano legte sich beim Welcome-Dinner im Parterre der edlen Liberty-Villa des Hotel Relais La Cappuccina (www.lacappuccina.com), das einen perfekten Panoramablick auf die weltberühmte Turmkulisse von San Gimignano erlaubt, mächtig ins Zeug...

Mit Alberto Sparacino wurde der Head Chef des Ristorante Cum Quibus ( www.cumquibus.it ) gewonnen, der 2018 erstmals einen Michelin-Stern nach San Gimignano holte, der 2019 bestätigt wurde. Mit dem ebenfalls präsenten Restaurantbesitzer Lorenzo Di Paolantonio stellte er seine neue, toskanische und asiatische Elemente vereinende Küche vor. Dazu zählten Fingerfood, das sogar markengeschützte Gericht Mezzovo mit Pecorino aus Pienza, Eidotter und frischem Trüffel, vor allem aber Pacchero mit Ribollita und Sardellensauce, Risotto mit Räucherbutter, Dashi, (etwas zu viel) Zitrone und Katsuobushi (Bonito-Flocken) sowie schließlich Wachtel, gefüllt mit Gänseleber, Kartoffeln und Rosmarin.

Das Dessert besorgte wie stets San Gimignanos hypereloquenter Eiscreme-Weltmeister Sergio Dondoli ( www.gelateriadondoli.com ), diesmal mit Gelato di Cheesecake Mediterraneo, einem wunderbaren Eis aus Käsekuchen mit Basilikum, geeister Erdbeersauce, Tomatensauce und Crumble. Toskana-Reisende sollten dem Champion und seienr Eisdiele samt Laboratorio del Gusto (Labor des Geschmacks) an San Gimignanos suggestiver Piazza della Cisterna 4 unbedingt die Referenz erweisen. Dies alles diente natürlich dazu, den angebotenen verschiedensten Jahrgängen des Vernaccia di San Gimignano DOCG sowie des DOCG Riserva sowie zuletzt auch dem Vin Santo DOC San Gimignano die verdiente Aufmerksamkeit zu Teil werden zu lassen.

Erst einmal aber luden Letizia Cesani, erfahrene Präsidentin des lokalen Weinkonsortiums ( www.vernaccia.it ), Bürgermeister Giacomo Bassi, der Weinwissenschaftler Paolo Brogioni und Wein-Kritiker und Journalist Leonardo Romanelli zur Pressekonferenz. Bürgermeister Bassi wurde nicht müde, die Bedeutung des Vernaccia als identitätsstiftendem Wein für die 8000-Seelen-Gemeinde zu betonen. Ökonomisch ist das längst nicht mehr der Fall. Denn die drei Millionen Touristen jährlich spülen weitaus mehr Geld in die lokalen Kassen als der Vernaccia, der mit 13,2 Mio. Euro im letzten Jahr immerhin 40 % aller Weinerlöse in San Gimignano erzielte.

In San Gimignano...
In San Gimignano...

 

Seine Reben gedeihen aktuell auf 714 ha Weinbergen, die teils direkt bis an die mittelalterliche Stadtmauer heranreichen. So ist der Vernaccia, dem ein kleines Weinmuseum mit Infozentrum hoch oben im alten Fort über San Gimignano gewidmet ist, tatsächlich nicht aus dem Ortsbild des spektakulären Türme-Dörfchens wegzudenken. Ökonomisch spielt aber der Tourismus mit 3 Mio. Besuchern jährlich eine weitaus wichtigere Rolle. Den zentralen Part nahm dann aber Paolo Brogioni, Direktor der Einrichtung ASSOENOLOGI, ein, der zum Klima und der Ernte 2018 Stellung nahm. Dabei betonte er, das 2018 vor allem ausreichend Regen im Feb./März, Mai und Oktober zu verzeichnen war, der dann zu einer wenn auch verzögerten hervorragenden Ernte führte, deren Resultat nur als "una bella sorpesa", eine schöne Überraschung, zu bezeichnen seien. Tatsächlich lässt die Vendemmia (Ernte) 2018 das desaströse Jahr 2017 vergessen, das 26 % Einbruch mit sich brachte und mit 31651 Hektoliter das quantitativ schlechteste Resultat seit 50 Jahren brachte.

2018 waren es wieder 39618 Hektoliter, was immer noch weniger als in den Rekordjahren 2015 (41056 Hektoliter) und 2016 (42591 Hektoliter) ist. Interessant waren auch Brogionis Anmerkungen zum allgemeinen Klimawandel in der Toskana. So ist seit 1955 ein durchschnittlicher Temperaturanstieg von 1,1°C zu verzeichnen, Eher weniger Regen führe auch zu früherer Ernte, für San Gimignano komme lokal zudem das Phänomen der wichtigen kalten Wintermonate Februar und März hinzu. Allgemein war und ist im Weinbau der Kampf gegen Pilzkrankheiten wichtig. Für 2018 und in Tendenz sieht er aber auch, dass der Bio-Weinbau von der Entwicklung profitiert.

Leonardo Romanelli hingegen verwies als Moderator der 14. Ausgabe der Verkostungs- und Vortragsreihe "Was ist der Vernaccia?" auf den nächsten Tag, wo man sich in der berühmten, mit edelsten Fresken geschmückten Sala Dante, dem Rathaussaal des alten Rathauses traf. Das Rathaus steht an San Gimignanos "Dom", der eigentlich keiner ist, weil das Dorf auch keinen Bischof hat. Aber Dante war natürlich mal in San Gimignano, sogar als Gesandter der Stadt Florenz, das ist verbürgt.

Prunkvioll: der Sala Dante.
Prunkvioll: der Sala Dante.

 

Phantasien in der Sala Dante

Nach den USA (16,3% Marktanteil an den Exporten) ist Deutschland mit 9,8 % der Exporte wichtigster Absatzmarkt für den Vernaccia di San Gimignano. Da ist es natürlich prima, dass der junge Vernaccia 2018 so außerordentlich positive Attribute erhält. Denn als leichter, süffiger Sommerwein ist er gerade in Deutschland höchst willkommen. Schon am Abend zuvor hatten während des Dinners gerade die neuen Weine überzeugt, z. B. die Weine von Massimo Daldin, etwa sein Vernaccia "Vigna in Fiore" 2018. Aber dann ging es natürlich auch darum, die lange Haltbarkeit des Vernaccia zu zeigen. Und so kamen ältere Jahrgänge auf den Tisch, die indes nicht stets den Geschmack der Tischrunde trafen. Gut dabei war z. B. der Montenidoli Carato 2015, sehr gut sogar waren Panizzis Vernaccia von 2011 und die Jahrgänge 2005 und 2008 vom Biogut Il Palagione.

Auch der Falchini 2013 überzeugte, ebenso der in Deutschland äußerst beliebte Teruzzi mit dem 2016er. Aber am Ende kamen dann Weine zweier Weingüter zum Zuge, die wir auch am nächsten Tag erneut kennenlernten: Bei den neuen traf der sehr gute Bio-Vernaccia Podere Le Volute 2018 (!!!) den Geschmack, bei den älteren der Vernaccia Riserva 2015 Signorina Vittoria vom Weingut Borgo Tollena ( https://borgotollena.com/en/ ).

Zur Verkostung in der Sala Dante versuchte Leoanrdo Romanenli hingegen, dem Vernaccia im Vergleich mit einem anderen Weißwein, dem Ansonica, eine neue Identität und Disponibilität zu verleihen. Dass dabei aber eher der Wunsch Vater des Gedankens war, zeigte sich rasch. Denn der Vergleich zwischen den angebotenen je sechs Vernaccia-Weinen aus San Gimignano und Ansonica-Weißweinen von Elba, Giglio und sogar aus Sizilien führten zum überraschenden Ergebnis: Der Vernaccia tut sich schwer, sich gegenüber dem Ansonica zu behaupten. Klar: Gerne möchte man San Gimignano auch eine mediterrane Insellage mit alle möglichen Zusatzattributen zugestehen, die gerade den möglichen Riserva-Jahrgängen weiteren Aufschwung im internationalen Handel bescheren könnten.

Dies gilt vor allem für jene, nicht alle Weinberge rings um San Gimignano, deren Terroir auch mit reichen marinen Fossilien aufwartet. Doch Romanellis Spiel mit dem Ansonica überzeugte am Ende nicht. Klar. Der Vernaccia Le Volute aus dem schwierigen Jahr 2017 überzeugte. Das Biogut Le Volute (www.levolute.it) bewirtschaftet 5 ha Weinberge, davon 2 ha Vernaccia in Nord-/Nordost-Ausrichtung. Dazu wird Olivenöl hergestellt. 10 000 Flaschen pro Jahr gehen in den Handel.

Degustation: Il Colombaio di Santachiara.
Degustation: Il Colombaio di Santachiara.

 

Aber dann kommt als Vergleich umgehend ein Elba Ansonica DOC Lazarus 2107 aus dem Valle di Lazzaro, der mit vollem rundem Geschmack und toller Farbe brilliert. Und natürlich ist auch der Vernaccia DOCG Vigna Cellori 2016 aus der Casa Lucii ( http://web.casalucii.it/de/prodotti/vernaccia-san-gimignano/ ) ausgezeichnet. In diesem 1965 eröffneten Weingut wird seit 2000 biologisch produziert. Von den 40 ha Weinbergen sind 12 ha meist in ca. 330 m Höhe für den Vernaccia reserviert. Aber auch der zum Vergleich angebotene "Kontrahent", der Sicilia Insolia DOC Fondo Filara 2017 aus der Cantina Nicosia am Ätna ist hervorragend, besitzt vielleicht mehr Potential an Interpretation.

Und natürlich sind die Weine von Il Palagione ( www.ilpalagione.com ) Spitze, allen voran der DOCG Riserva Ori 2016. 60 000 Flaschen werden auf dem Gut (17 ha) jährlich abgefüllt, der Boden enthält sogar 20 % jenes Limo, für den auch Elba berühmt ist. Hier stimmt also das Mikro-Territorium perfekt. Und die drei wichtigsten Verkaufsargumente für den Vernaccia, Frische, Eleganz und hohe Trinkbarkeit, sind bestens erfüllt. Aber dann ist natürlich mit dem längst berühmten Einzelkämpfer Francesco Garfagna von der Insel Giglio und der großartigen Farbe seines Toscana Ansonaco IGT Carfagna 2017 von seinem steil über dem Meer liegenden Weinberg Altura eine Alternative vor Ort, die wohl den meisten italienischen Weißweinen locker Paroli bieten könnte.

Prima ist dann der nördlich San Gimignano erzeugte Vernaccia DOCG Riserva San Benedetto 2016 (www.agrisanbenedetto.com), wo seit 1826 auf 27 ha sand- und fossilienreichem Land nur noch von Hand geschnitten wird und der Wein im Tonneaux reift. Und auch der Vernaccia DOCG Riserva 2016 vom Weinberg Le Mandorle der auch Agriturismo bietenden, seit 20 Jahren biologisch produzierenden Fattoria Poggio Alloro ( http://fattoriapoggioalloro.com ) und der oben bereits genannte Signorina Vittoria 2015 von Tollena sind hervorragend. Aber der Ansonica eben auch, mindestens! Die Signorina Vittoria ist übrigen anch der 12-jährigen Tochter des Hauses benannt, die das Leben noch vor sich hat und eben nicht nur eine "bella sorpresa", sondern vor allem auch eine "bella speranza", eine große Zukunftshoffnung sei.

Wandmalerei im Sala Dante.
Wandmalerei im Sala Dante.

 

Bei der anschließenden Verkostung von 84 Vernaccia-Weinen in San Gimignanos Kunstmuseum überzeugten zudem der 2018er Il Colombaio di Santa Chiara, der Hydra 2018 von Il Palagione, der Tropie 2018 vom Gut Il Lebbio und die Vernaccia-Weine von Panizzi. Eine sehr positive Überraschung war auch die Tenuta La Vigna ( www.tenutalavigna.com ), die von Claudio Mora vertreten wurde, der auch auf Rügen in der Hotellerie aktiv ist. Neben dem DOCG-Vernaccia werden hier auch ein Chianti DOCG ein IGT Toscano aus Sangiovese und Cabernet Sauvignon (je 50 %) sowie wunderbares Olivenöl und Honig hergestellt.

Fazit: Nicht alle mochten dem Plädoyer für die älteren Jahrgangsweine des Vernaccia folgen. Die sind eher für den lokalen oder auch den US-Markt von Interesse. Im deutschen Markt dürfte der 2018er mühelos reüssieren. Und vielleicht greift der ein oder andere dann ja doch auch zu einer teureren 2015er Vernaccia DOCG Riserva.

Benvenuto Brunello 2019: Lisini vorn!

Die 27. Ausgabe dieses Klassikers unter den Weinverkostungs-Events präsentierte in diesem Jahr den Brunello 2014, den Brunello Riserva 2013 und den Rosso di Montalcino 2017 – natürlich auch mit Gala Dinner! Wie stets traf man sich im Kreuzgang des zum Museum gewandelten Ex-Klosters Sant´Agostino und traf auf den komplizierten Jahrgang 2014 wie auch, was den Rosos di Montalcino betrifft, auf den ebenso schwierigen 2017er. Kein Wunder also, dass, wenn es um Superweine zu möglichen Superpreisen geht, vor allem die Riserva 2013 im Mittelpunkt des Interesses stand.

Doch es gab auch Überraschungen. So entpuppte sich der Brunello 2014 der Tenuta Di Sesta ( www.tenutadisesta.it ) als erstaunlich reich und gut, ebenso der eingereichte Rosso des Jahrgangs 2016. Aber natürlich gewann am Ende die mit großem Körper ausgestattete, sehr gute Riserva des Hauses, der Brunello Due Lecci 2013, die Oberhand. Sehr gut war auch die mit sehr dunkler Farbe aufwartende Brunello Riserva 2013 vom Gut Solaria/Patrizia Cencioni ( www.solariacencioni.com ), von dem allerdings nur 5000 Flaschen im Handel sind. Vom durchaus guten Rosso di Montalcino 2017 gibt es immerhin 8000 Flaschen. Durchweg gute Ergebnisse brachten die Fattorie Il Marroneto, Casisano ( www.casisano.it ) und Donatella Cinelli Colombini ( www.cinellicolombini.it ).

Degustation: Weitere Weine...
Degustation: Weitere Weine...

 

Allerdings: Während ihre mit leichtem Braunton aufwartende Selezione "Prime Donne" 2013 noch warten darf, ist ihr rotbrauner 2016er Rosso di Montalcino (35000 Flaschen) sehr, sehr gut und schon heute zu empfehlen. Der gerade in Asien hochgeschätzte Il Marroneto hingegen ( www.ilmarroneto.com ) war unter den verspätet eingereichten 2016ern der überzeugendste! Von diesem "Ignaccio" 2016 gibt es 6666 Flaschen!

Rund und blumig war der Brunello Riserva Phenomena 2013 vom Gut Sesti ( www.sestiwine.com ). Das Weingut Sesta di Sopra überzeugte hingegen mit dem eingereichten 2016er Rosso di Montalcino (www.sestadisopra.it). Absolut top waren dann sowohl die Riserva 2013 als auch der fruchtig runde Rosso 2016 vom Weingut Poggio di Sotto ( www.collemassari.it ). Erstaunlich positiv bleib auch der Brunello 2014 von Sassodisole ( www.sassodisole.it ) in Erinnerung, während der Brunello 2013 Riserva aus dem Haus sogar sehr gut war.

Die Tenute Silvio Nardi trumpften mit einem weichen, milden Brunello 2014 auf ( www.tenutenardi.com ). Zu empfehlen ist die gute Riserva Vigna Soccorso 2013 von Tiezzi (www.tiezzivini.com), von der allerdings nur 860 Flaschen existieren. Mit dem Öffnen noch warten sollte man bei der guten Riserva Poggio alle Mura 2013 von Banfi (www.castellobanfi.it). Eine kleine Überraschung war auch die Riserva 2013 von Gianni Brunelli – Le Chiuse di Sotto ( www.giannibrunelli.it ).

Am Ende war vielleicht der Rosso 2016 von der Fattoria del Pino ( www.fattoriadelpino.com ) ein glücklicher erster Sieger unter den gestesteten Weinen. Obschon: Auch der Brunello Riserva 2013 "Il Divasco" von La Rasina ( www.larasina.it ) mit vollen, ausdrucksstarken Aromen überzeugen konnte. Das Finale entschied dann am Ende aber Lisini für sich, sowohl mit der Riserva 2013 (3800 Flaschen) als auch dem Ugolaia 2013 (8000 Flaschen). Letzteren sollte man sechs Stunden vor Verzehr dekantieren!

Fotos: Jürgen Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 09/08/2019

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