Der Papageitaucher wird flügge

"Es ist wichtig, dieses Fleckchen Natur unberührt zu lassen, nicht zu verschmutzen, damit unser Produkt das bleibt was es ist: ein Whiskey dieses wunderbaren Ortes", sagt uns Cyril Camus, Eigentümer eines der größten Cognac Häuser beim Lunch auf Lambay Island...

Und es ist wahrhaft ein magischer Ort, den die Familie Baring hier seit 1904 ihr Eigen nennen darf und auf dem in einem Lagerhaus am Meer die Fässer mit dem Irischen Lambay Whiskey lagern. Nur wenige Kilometer von Dublin entfernt, erreicht man nach einer etwa 20-minütigen Bootsfahrt die Insel. Eine Insel, die einst Cecil und Maude Baring Anfang des vergangenen Jahrhunderts kauften, und auf der noch heute lediglich zehn Menschen wohnen, eingebunden sind in die Natur und ein Kleinod erleben dürfen, das seinesgleichen suchen dürfte.

Das weiß auch Cyril Camus, der vor sechs Jahren das erste Mal auf Alex und Millie Baring, die heutigen Besitzer der Insel und Nachfahren von Cecil und Maude Baring, traf. Und es schien so etwas wie Liebe auf den ersten Blick gewesen zu sein, denn lediglich vier Jahre später und mit Hilfe eines vierköpfigen Teams um Managing Director Jean-David Costerg ist Lambay Whiskey nunmehr 18 Monate auf dem Markt. Und schon jetzt ist absehbar, dass sich das kleine Unternehmen unter der Schirmherrschaft Camus` mehr als gut entwickelt. Nicht zuletzt aufgrund eines Alleinstellungsmerkmals, dass durch die Geschichte der Insel und das für den Whiskey verwendete Wasser eine absolute Besonderheit aufweisen kann.

Cyril Camus von Cognac Camus bei der Produktpräsentation des Lambay Whiskey auf der Insel.
Cyril Camus von Cognac Camus bei der Produktpräsentation des Lambay Whiskey auf der Insel.

 

"Denn diese Insel ist vulkanischen Ursprungs, gibt uns sehr mineralisches und absolut reines Wasser und somit eine tolle Basis für unser Produkt", so Cyril Camus weiter. Und final bekommt der Whiskey, der nahe dem Hafen im Sea Cask Room auf einer Fläche von vielleicht 20 x 6 Meter gelagert wird, seinen Feinschliff durch die salzige Luft der Irischen See. Denn Holz atmet, wird entsprechend im langjährigen Reifungsprozess eben auch durch alle äußeren Einflüsse geprägt. Geprägt wird der Whiskey im Übrigen nicht nur durch die salzige Luft und das Wasser aus vulkanischem Ursprung, sondern auch durch die gebrauchten Cognacfässer von Camus, die den Whiskey bis zu sechs Monate wahrhaft entscheidend mitprägen.

Das zeigt sich mehr als deutlich, verkostet man die beiden bisher produzierten Whiskeys, den Lambay Small Batch Blend und den Lambay Single Malt. Denn unverkennbar sind süßliche Cognacnoten zu vernehmen, die sich recht präsent im Gaumen öffnen ohne zu sehr das Grundprodukt zu übertünchen. Alles andere als ein Makel, keine Frage. Vielmehr ein Wink mit dem Zaunpfahl Camus`, frei nach dem Motto: Wir können nicht nur Cognac, wir können auch Whiskey mit den richtigen Cognacnoten.

Etwa 50 Fässer lagern im Sea Cask Room auf Lambay Island.
Etwa 50 Fässer lagern im Sea Cask Room auf Lambay Island.

 

Es ist also ein Sammelsurium an Besonderheiten, das sich Cyril Camus mit seinem Team hat einfallen lassen. Nun gut, ehrlichweise muss gesagt sein, dass das Destillat nicht von der Insel kommt, sondern aus West Cork. Aber es bleibt letztendlich ein irisches Produkt, dass sich scheinbar zielstrebig und mit wachsendem Erfolg auf dem Markt positionieren kann. Denn mittlerweile gibt es Lambay Whiskey in 20 Duty Free Shops (Hong Kong, Dubai, Paris, Dublin, Bangkok u.v.m.), "die ein wichtiges Aushängeschild für uns sind", so Jean-David Costerg. "Starteten wir im ersten Jahr noch mit ca. 8000 Kartons, waren es jetzt im zweiten Jahr bereits 16000. Dabei haben im Verkauf die USA etwa 40 Prozent Marktanteil und sind unbestritten am wichtigsten. Dann folgen aber auch schon die europäischen Länder wie Irland, Frankreich, Deutschland oder auch Großbritannien", so der Manager weiter.

Lambay wird also erwachsen, der Papageitaucher (engl. Puffin, befindet sich als Wappentier auf dem Label und ist auch auf der Insel heimisch) wird sozusagen flügge und orientiert sich international und festigt seine Marktposition – natürlich auch auf einem speziellen Markt, der gerade für Luxusbrands so wichtig ist, in Asien.

Irische Produkte: Lambay Single Malt und der Lambay Small Batch Blend – mit Papageitaucherfigur.
Irische Produkte: Lambay Single Malt und der Lambay Small Batch Blend – mit Papageitaucherfigur.

 

Und dass dieses so bleibt, dafür sorgt Cyril Camus höchstpersönlich mit der starken hauseigenen Cognacmarke. Denn gerade für Cognac ist Asien ein seit langer Zeit wichtiger - wenn nicht sogar der wichtigste - Markt. So dürfte es Cyril Camus mit seinem Cognac Haus, das zu den fünfgrößten in Frankreich zählt, eben auch dort weiter an den richtigen Stellschrauben für den Verkauf des Lambay Whiskey drehen.

Doch allzu schwer fällt ihm dies sicher nicht, ist der Lambay Whiskey durch sein Auftreten und die oben beschriebene Geschichte doch sicher ein gutes Argument für den Verkauf bzw. Vertrieb. Ein wenig ähnelt die Flasche dem Dodo Rum, kommt ja auch fast mit einem "ähnlichen" Wappentier daher. Geschmacklich lässt sich mit den oben beschriebenen Nuancen des Fasses ebenfalls (für beide Whiskey) ein recht hohes Maß an Floralität attestieren. Die Pfeffernoten stechen bei dem Small Batch Blend eher reduziert hervor, es zeigt geschmacklich ein wenig Gras und Zitrone. Dieser Whiskey bekam gut einen Monat Cognacfass zum finishen spendiert, 40% Alc./Vol. kommen hier ins Glas.

Rückseite der Flasche des Lambay Small Batch Blend.
Rückseite der Flasche des Lambay Small Batch Blend.

 

Mit ebenfalls 40% Alc./Vol. kommt der Single Malt von Lambay daher, der allerdings zum finishen stolze sechs Monate Cognacfass spendiert bekam. Die Farbe ist entsprechend dunkler, eine sanfte Schärfe zeigt sich. Dieser triple destilled Whiskey präsentiert sich mit grüner Frucht, einer sanften Schärfe durch die Pfeffernoten und einer runden floralen Frucht. Noch deutlicher wird die grüne Frucht (grüner Apfel), bekommt man eine Portion Fassstärke serviert. Bei unserem Besuch auf der Insel zeigte sich eine Fassentnahme nicht nur mit stolzen 57,8 Alc./Vol., sondern eben mit dieser starken und frischen Präsenz des Apfels.

Das Mikroklima auf der Insel, dass in der Regel immer zwei bis drei Grad unter den Temperaturen des naheliegenden Festlandes liegt, finalisiert durch die Seeluft und die 350 l Fässer aus Cognac schon ein recht besonderes Produkt. Gerade die Vanillearomen, die sich durch das Fass einbringen, dürften den einen oder anderen Whiskey-Liebhaber überzeugen. Und bezahlbar sind sie ohnehin. Auf dem Markt ist Lambay Small Batch Blend für etwa 30 Euro und der Lambay Single Malt für etwa 50 Euro zu beziehen. Ein guter Preis für dieses noch recht junge Produkt - und eine absolute Empfehlung!

Lambay Island aus der Ferne...
Lambay Island aus der Ferne...

 

Weitere Informationen unter: https://www.vranken-pommery-shop.de/spirituosen/whiskey.html und https://www.lambaywhiskey.com/

 

Impressionen:

Fotos: Michael Schabacker

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Zuletzt bearbeitet am 09/07/2019

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