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Benedet, Ginis und Co.: Fabelweine der Poderi Moretti

Schon seit 2011 und anlässlich der 150-Jahrfeiern der Geburt des vereinten modernen Italien führt das Weingut Poderi Moretti einen stolzen Zusatztitel...

Es ist eine "impresa storica d`Italia", zählt also zu jenem illustren Kreis meist von Familienunternehmen, die ihr Wissen, Können und oft auch kaufmännisches Geschick über Generationen weitergegeben haben und bis heute ein besonderes Rückgrat der italienischen Wirtschaft bilden. Im Falle der Poderi Moretti gilt dies besonders. Denn hier, im kleinen Bergdörfchen Monteu Roero im piemontesischen Gebiet Roero wird schon seit dem Jahr 1630 Wein hergestellt.

Eigentlich sind es sogar zwei Weingüter, die diese Ehrung verdienen. Denn damals, das Kataster von Monteu Roero belegt es, schlossen sich die schon lange vorher im Gebiet bekannten Familien Moretti und Occhetti zusammen, um gemeinsam den Sprung in die Zukunft zu wagen. Ein architektonische Besonderheit erinnert bis heute daran: Bis heute besitzen die Poderi Moretti zwei Cantine – beide im Ortsteil Occhetti. Im Hauptsitz befinden sich die Verwaltung und das grandiose Fasslager, die "barricaia". Mit zahlreichen Barrique-Fässern aus französischer Eiche und den besten Auslese-Weinen des Gutes.

Die zweite, die "Cascina Occhetti", ist hauptsächlicher Sitz für die Weinherstellung, mit allen notwendigen önologischen Apparaturen und Einrichtungen, von der Weinpressung über die Fermentation des Mosts bis zur Reifung der edlen Tropfen. Besucher können sich – nach Voranmeldung – über den Vinifizierungsprozess informieren und Weine, darunter zu die besten piemontesischen zählende, nach Wahl verkosten. Dabei lernen sie auch, wie umsichtig hier Rot- wie Weißweine mit önologischer Avantgardetechnik entstehen.

Denn neben der Traditionswahrung, Basis für den kontinuierlichen Erfolg des Gutes, wird hier und heute auch Fortschritt und wissenschaftliche Recherche großgeschrieben, um die optimale Weinqualität und die komplexe, ausdrucksstarke Struktur für die großen Riserva-Weine zu erreichen. Dafür sorgen heute Besitzer Francesco Moretti und seine beiden Kinder Alessandra und Riccardo. Und dafür sorgt auch das Terroir des historischen Weinbaugebietes Roero, das seit 2014 wie die bekannteren Gebiete Langhe und Monferrato UNESCO-Welterbegebiet ist.

Francesco, Alessandra und Riccardo Moretti sowie ihr Team müssen ein Auge auf insgesamt 38 Hektar Land haben, das sich auf Monteu Roero und die Nachbargemeinden Montaldo Roero, Sante Stefano Roero, Vezza d`Alba und Govone stets am linken Ufer des das Gebiet Roero von der Langhe trennende Tanaro-Flusses verteilt. Der sorgte vor 250.000 Jahren auch durch Wechsel seines Flusslaufs dafür, dass die Hügelgegend bis heute auch mit vielen landschaftlichen Reizen aufwartet.

Poderi Moretti: Roero Guarene.
Poderi Moretti: Roero Riserva.

 

Nur 19 der 38 Hektar dienen als Weinberge, der Rest dient für Obst und Nüsse, ein Teil ist Wald. So ist das Weingut im Kleinen durchaus ein Spiegelbild des aus nur 24 Gemeinden bestehenden Gebietes Roero, dieses gemächlich bis auf 400 m Höhe aufsteigenden Hügellandes, das über die Jahrhunderte zum wunderbaren Kulturland gewandelt wurde. Dies gelang dank des Weinbaus, aber auch zigtausender Obstbäume, dank bis heute über 400 Imkerbetrieben, dank Trüffeln und Haselnüssen, dank Käsedelikatessen und auch Torrone-Herstellern. Längt haben Gourmets dies lange übersehen Gebiet mit einer heute famosen Dichte von Sternerestaurants für sich entdeckt, schwärmen auch über die Rocche, die Hügelkuppen, besuchen Burgen und Schlösser, die die lange Geschichte des Landstrichs erzählen. Bedeutend war stets die Adelsfamilie Roero, deren Namen das Gebiet bis heute trägt.

Die Piemonteser nennen das Gebiet nur kurz "Roé" und schmunzeln über die das Wappen des und der Roero: die drei Räder! Denn im Jahr 1099 besaß ein Karren, der in Jerusalem einzog, eben nur drei statt der normalen vier Speichenräder. Damals zog ein aus Flandern stammender Kreuzritter namens Ghilione bzw. Gillone triumphal in die Stadt der drei Weltreligionen ein. Im Kampf hatte er einen hochrangigen islamischen Kontrahenten geköpft. Später gelangte der gute Gillone dann nach Asti, wo seine Familie Roero, die in den Annalen auch als die auch Rotari, Roverio bzw. Roue auftaucht, im Bankenwesen und Fernhandel reüssierte und so das "Dreiradland" für sich erwerben konnte.

Natürlich waren die Roero auch in Monteu Roero (1660 Einw.) präsent, das die Adelsfamilie noch heute wie nur noch zwei weitere Orte sogar im Gemeindenamen führt. Dabei ist Monteu viel älter, hieß einmal "Mons Acutus", weil schon die Römer hier daheim waren. 1041 schenkte Kaiser Heinrich III. das Dörfchen dem Bischof von Asti, dessen Nachfolger es 1299 an die Roero veräußerte. Aus dem neuen Mons Acutus Rotarianum wurde später Monteu Roero. Manchmal ist Monteus historisches, in Privatbesitz befindliches Kastell sogar zu besichtigen. Und man kann in den Gemächern herumstromern und auch jenes Zimmer betreten, in dem wohl Kaiser Friedrich I., der berühmte Barbarossa, den Winter 1167/1168 verbrachte. Da wird er auch viel Wein getrunken haben, vornehmlich wohl von jener Weinrebe, die Langhe wie Roero berühmt gemacht haben und die auch die Poderi Moretti vorzugsweise anpflanzen: die Nebbiolo-Traube, aus der dann der einzigartige Roero D.O.C.G. entsteht.

Geerntet wird sie bei den Moretti erst spät, in der ersten Dekade des Oktobers! Und dieser Roero D.O.C.G., zu 100 % aus Nebbiolo, sorgt auch im reifen Alter für großes Entzücken! Neben dem Nebbiolo gedeiht bei den Moretti auch ein wenig Barbera, vor allem aber die berühmte autochthone Rebe des Piemont für den gleichnamigen Weißwein "Arneis". Denn das Ursprungsgebiet dieser im 15. Jh. als "Renesium" oder "Ornesio" bekannten Traube ist das Gebiet Roero selbst! Lange nur als Verschnittpartner des Nebbiolo fast "missbraucht, erlebt die Rebsorte nun ein formidables internationales Comeback und kann – für einen Weißwein nicht selbstverständlich – sogar mühelos bis zu zehn Jahre gelagert und veredelt werden.

Grandiose Weiße und Rote…

Und auch wenn der rote Roero D.O.C.G. das Aushängeschild für jeden Winzer im Roero ist, kommt dem Arneis, der im piemontesischen Dialekt »kleiner Schwieriger" heißt und mit den stolzen, aber schwierigen Attributen "rebellisch" oder "originell" aufwartet, jährlich eine besondere Bedeutung zu. Und der Absatz boomt! Und tatsächlich sind der von Tochter Alessandra präsentierte Poderi Moretti Roero Arneis D.O.C.G. Occhetti und der Poderi Moretti Roero Arneis San Michele ein Genuss der Extraklasse! Dies, obschon z. B. das Jahr 2017 äußerst schwierig war: Eis im April, der Sommer extrem trocken, 40 % der meist in den unteren Lagen der Weinberge angebauten Arneis-Trauben waren perdu!

Aber was der Quantität schadete, kam der Qualität zugute. Sicher trägt eben auch das spezielle Mikroklima im Roero zum Erfolg dieser herrlichen Weißweine bei, die perfekt etwa zur piemontesischen Käsespezialität Robiola passen. Kein Wunder, dass der Arneis Occhetti mehrfach auch in den USA, Russland, China, Japan und vor allem bei den Decanter World Wine Awards ausgezeichnet wurde. Auf der ProWein erhielt der Roero Arneis D.O.C.G. Occhetti 2013 drei Sterne! Der Hundertprozent-Arneis wartet mit 13,5 % und intensiv perlend gelbem Farbton, ist elegant und komplex, vereint Frucht- und Honigaromen und sollte bei ca. 8° C. konsumiert werden.

Poderi Moretti: Bendet.
Poderi Moretti: Bendet.

 

Perfekt ist Morettis Roero Arneis D.O.C.G. Occhetti zu Antipasti, speziellen Nudelgerichten, Fisch oder Huhn. Morettis Roero Arneis D.O.C.G. San Michele wartet mit gleichen Attributen auf, ist delikat und besitzt neben Blumen- und Fruchtaromen auch einen leichten Geschmack nach reifer Birne – was perfekt zum historischen Birnenanbaugebiet Roero passt. Morettis Roero Arneis D.O.C.G. Occhetti 2016 erhielt bei den International Wine Awards in Spanien 2017 Silber (bis 89 Punkte), der 2015er aber sogar Gold (bis 94 Punkte)!

Benedet und Ginis...

Ganz großartig ist dann das erste Aushängeschild, Morettis Nebbiolo d`Alba D.O.C.G. Occhetti Riserva, der 18 Monate im großen slawonischen Eichenfass reifte. Rubin- bis granatapfelrot und mit satten 14 % ausgestattet, passt der mit Himbeer- und Veilchenaromen nicht geizende aristokratische Wein perfekt zu Wild oder reifem Käse. Aber natürlich ist das alles noch mit den "Selezioni", jenen Auslesen zu toppen, die Moretti-Tochter Alessandra auch zu den Roero Days im April 2018 entkorkte.

Da ist etwa Morettis Schlachtschiff, die Weine der Ginis-Reihe: Großartig ist etwa der Poderi Moretti Roero Riserva D.O.C.G. Ginis 2011: 36 Monate in Großfässern aus slawonischer Eiche gereift, 14 %, intensiv, komplex und reich an Aromen (Waldbeeren, Kräuter)! Ein Erlebnis! Ab Weingut ist er für 23 Euro zu haben. Und ein Privileg besonderer Güte ist dann, etwa einen Podere Moretti Roero Riserva D.O.C.G. Ginis 2005 zu dekantieren. Welche Pracht! Keine Frage: Moretti ist eine der besten Adressen für Liebhaber solch exquisiter Auslesen!

Und ich schwöre auf meinen Favoriten, den Podere Moretti Roero Riserva D.O.C.G. Benedet 2011 (14 %)! Mit seinen fruchtigen Aromen ist dieser ausgereifte Wein – ein 100 %-Nebbiolo und 36 Monate im Barrique-Fass aus französischer Eiche gereift – ein absoluter Renner – und ist wie auch Morettis Roero Riserva D.O.C.G. Pulciano von 2010 nur noch schwer im Handel zu finden. Bei den International Wine Awards 2017 erhielten der Benedet 2011 wie der Ginis 2011 und der Pulciano 2010 Silber (85 – 89 Punkte), was aber eher einer Unterbewertung gleichkommen dürfte.

Bei Mundus Vini erhielten im Frühjahr 2018 der Ginis 2011 und der Pulciano aus dem klimatisch günstigeren Jahr 2010 zurecht Gold. Aber wie auch immer. Im Roero dominiert weiterhin das Ockergelb von Sand, oft mit Muscheleinsprengseln versehen, weil das Gebiet vor Millionen von Jahren mal unter dem Meeresspiegel lag. Dazu kommen Lehm und Kalk, die auch in den zukünftigen Jahren grandiose Weine, allen voran aus den Poderi Moretti, versprechen.

Information zum Weingut:
Poderi Moretti di Moretti Francesco, Frazione Occhetti 15 sowie Frazione Occhetti 40, 12040 Monteu Roero, Gebiet Roero, Provinz Cuneo, Region Piemont, Italien, Tel. +39 0173 903 83, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., http://morettivini.it
Weingutbesuche, Degustation: jederzeit an Wochenenden nach Vorbestellung (einige Tage im Voraus) möglich; Dauer: ca. 1 Std.; Prei: je nach Wahl der Weine

Weininformation Roero:
Consorzio di Tutela Roero, Via Sersheim 2, 12043 Canale Roero, Gebiet Roero, Region Piemont, Tel. +39 0173 979 441, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.consorziodelroero.it
Kostenloser Buchungsdienst (auch Wein- und Trüffeltouren)
Consorzio Turistico Langhe Monferrato Roero, Piazza Risorgimento 2, 12051 Alba, Provinz Cuneo, Region Piemont, Tel. +39 0173 362 562, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.tartufoevino.it
Kostenlose Buchung von Kellereibesuchen:
Piemonte On Wine, Piazza Risorgimento 2, 12051 Alba, Provinz Cuneo, Region Piemont, Tel. +39 0173 635 013, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.piemonteonwine.it

Tourismusinformation Roero:
Ente Turismo Alba Bra Langhe Roero, Piazza Risorgimento 2, 12051 Alba, Provinz Cuneo, Region Piemont, Tel. +39 0173 358 33, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.langheroero.it
Roero Turismo, c/o Enoteca Regionale del Roero, Via Roma 57, 12043 Canale Roero, Gebiet Roero, Provinz Cuneo, Region Piemont, Tel. +39 0173 978 228, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.roeroturismo.it ; Mi zu
Tourismusinformation Region Piemont: www.piemonteitalia.eu

Fotos: Jürgen Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 22/05/2019

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