Gin (un)limited

Der Markt für Spirituosen ist mehr als groß, fast unüberschaubar. Nicht zuletzt Trends, und somit die unmittelbare Folge der Neuerscheinungen von Whiskey, Rum und Co., füllen die Regale der Bars und Supermärkte. Auch das englische Kult-Unternehmen Bombay Sapphire legt nun nach...

Und das durchaus ein wenig überraschend. Denn das Gin-Haus aus Hampshire ist alles andere als ein Unternehmen, dass Trends verfolgt, vielmehr ist es ein Trendsetter. Die jahrzehntelange Präsenz der Flagships – Bombay Sapphire (East), Star of Bombay und Bombay Dry Gin – zeugt von Kontinuität und eben auch von der tiefsten Überzeugung, alles richtig zu machen bzw. gemacht zu haben. "Allerdings dürfen wir nicht vergessen, dass alljährlich, nur in Großbritannien, mehr als 150 Gin-Produkte auf den Markt drängen", erzählt uns Ivano Tonutti, seines Zeichens Master of Botanicals in der Laverstoke Mill. Konkurrenz, die den ohnehin schon engen Gin-Markt weiter beleben. Und jeder Anbieter will dabei einen ordentlichen Happen vom Kuchen abknabbern, keine Frage.

Das wissen auch die Verantwortlichen in der Destille südöstlich von London. Allen voran der Turiner Ivano Tonutti, aber auch Dr. Anne Brock (Master Destiller), die seit nunmehr anderthalb Jahren bei Bombay Sapphire die Geschicke mit ihrem 16-köpfigen Team an den Brennkesseln leitet. Zuletzt traf der KULINARIKER die Engländerin in Florenz zur Botanical-Tour. Schon im vergangenen Jahr versprach sie Neuigkeiten stünden in den Startlöchern. Und so kam es dann auch: das zur Bacardi-Gruppe gehörige Gin-Haus präsentierte jüngst einen 41-prozentigen Sprössling, den Bombay Sapphire Limited Edition English Estate.

Die Limited Edition...
Die Limited Edition...

 

Drei neue Botanicals

Natürlich wurden in diesem auch die zehn klassischen Botanicals Bombays verarbeitet. Hinzu kamen drei weitere lokale Bestandteile in Form von Hagebutte, Minze und Haselnuss. Die Haselnuss ist in dieser Trilogie allerdings ungeschlagen die am ehesten vernehmbare Zugabe. Doch eines bleibt wie es bisher immer war: die Produktion als London Dry Gin - also die Herstellung des Gins nach "Reinheitsgebot". Dies umfasst nicht nur die Ausgangsstoffe und das Aroma, sondern auch die Vorgabe der 3-fachen Destillation und den Mindest-Alkoholgehalt von 37,5 Vol%.

Und dass dies so geschieht, dafür ist die Brennmeisterin Dr. Anne Brock zuständig. Mit ihren Kollegen an den Destillen sorgt sie dafür, dass zehntausende Liter des klaren Getränks täglich produziert werden. Kein einfacher Prozess, denn eines ist ihr vor allem wichtig: die Kontinuität der Qualität. "Denn unser Gin muss immer gleich schmecken, immer unverkennbar sein", sagt sie während einer Führung durch die Destille. "Insgesamt vier Brennkessel unterschiedlicher Größe laufen Tag und Nacht, werden stets kontrolliert und die Destillate einer Prüfung unterzogen, ehe der Gin freigegeben wird", erklärt sie weiter.

Dr. Anne Brock und Ivano Tonutti.
Dr. Anne Brock und Ivano Tonutti.

 

Natürlich ist es gerade für eines der führenden und bekanntesten Gin-Häuser notwendig, stets auf die Qualität zu achten. Denn die wichtigsten Schnittstellen zum Kunden, die Bars und Gastronomien, verzeihen es eher nicht, wenn Produkte an Qualität einbüßen. "Auch die Limited Edition ist natürlich allen unserer Qualitätskriterien unterworfen worden. Wir sind sehr zufrieden mit dem Produkt, dass es voraussichtlich bis etwa Ende des Jahres geben wird. Was danach kommt, werden wir sehen", erzählt sie lachend weiter. Man darf also gespannt sein, wie es im kommenden Jahr mit den "Blauflaschen" weitergeht.

Bombay verliert sein Gesicht

Nicht weiter geht es hingegen mit einer der führenden - oder besser: bekanntesten – Personen des Unternehmens. Der Global Brand Ambassador, Raj Nagra, verkündete gerade vor einigen Tagen seinen Abschied aus dem Unternehmen. "Das ist mehr als bedauerlich. Aber wenn man sich die Belastung anschaut, das ständige Reisen und die daraus resultierenden privaten Probleme, dann ist dieser Schritt nachvollziehbar", sagt uns ein nachdenklicher Ivano Tonutti im Gespräch. Über 18 Jahre war Nagra für Bombay Sapphire weltweit unterwegs, promotete die Marke, brachte sie in die Bars und in die Kehlen dieser Welt. Und wer den sympathischen Ex-Ambassador kennenlernen durfte, dürfte über seinen Weggang wenigstens ebenso bestürzt sein wie Tonutti. Nagra war der Vertreter Bombay Sapphires, das Gesicht, und ein Mitarbeiter, der sich immer mit Herzblut in die Marke einbrachte.

Der ehemalige Global Brand Amdassador Raj Nagra.
Der ehemalige Global Brand Amdassador Raj Nagra.

 

Des öfteren trafen wir Nagra in den letzten Jahren bei Veranstaltungen in Madrid, London oder auch in Deutschland. Immer war er Feuer und Flamme für das Produkt, stets ein guter Gesprächspartner und Sympathieträger für das Thema Gin. Mit Raj Nagra verliert Bombay eine der wichtigsten Gallionsfiguren für deren Außenwirkung, das ist ganz klar. Nicht klar hingegen ist die Nachfolge für den mittlerweile in Los Angeles lebenden Nagra. "Es muss auf jeden Fall ein junger Mitarbeiter werden – und vor allem ein Ambassador ohne Familie. Denn die Tätigkeit ist stressig, ist verbunden mit Reisen um die ganze Welt. Raj verbrachte bis zu 70 Prozent seiner Zeit irgendwo auf der Welt. Das ist schon eine Belastung. Nicht nur für einen selbst, sondern auch für das Privatleben wie zum Beispiel Partnerschaften", so Tonutti weiter.

Und auch der Senior Brand Ambassador, Sam Carter, sieht es ähnlich: "Natürlich verlieren wir mit Raj eine ganz wichtige Person. Jetzt heißt es: einen guten Ersatz finden! Ich wurde zwar auch gefragt, ob dies etwas für mich wäre, aber als Familienvater mit zwei kleinen Kindern ist das sicherlich nicht zu managen", erzählt uns Carter während eines Tasting in Hampshire. Allerdings ist dieser Posten dermaßen wichtig, dass er sicherlich bald neu besetzt werden muss. Man wird sehen.

Sam Carter, Senior Brand Ambassador von Bombay Sapphire.
Sam Carter, Senior Brand Ambassador von Bombay Sapphire.

 

Limited – (un)limited?

Wohl auch – wie erwähnt – darf man gespannt sein, ob es im Folgejahr mit einem neuen Produkt, gar einer weiteren Limited Edition o.ä., bei Bombay weitergeht. Eins steht fest: das gerade gelaunchte Produkt ist wieder ein Alleskönner im Bereich "normaler" GT aber auch als Cocktail-Partner. Bei der Produktpräsentation zeigte Sam Carter diverseste Cocktail-Variationen – und interessanterweise auch, wie einfach es sein kann, Getränke ein wenig zu verändern. Denn, wenn schon English Estate, dann musste es auch einen Ausflug in das Terrain in Hampshire geben, um zu sehen woher die zusätzlichen drei Botanicals der Limited Edition eigentlich kommen. Und diese sind wirklich fast in Greifweite zur Destille zu ernten...

Die Möglichkeiten – das zeigen natürlich weltweit auch andere Gins – sind bezüglich der Botanicals schier unbegrenzt. Es kommt eben "nur" auf den besonderen Geschmack an – und natürlich auf eine große Marketingstrategie. Und da kann das Unternehmen aus Hampshire sicher voll punkten. Denn neben dem besonderen "Taste", hat natürlich gerade das Jahr 1999 eine ganz besondere Bedeutung für Bombay Sapphire. Am 12.04 des Jahres kam es zur Registereintragung der somit markenrechtlich geschützten hellblauen Flasche. Das Patent läuft vom Anmeldetag (30.09.1996) 30 Jahre – also bis zum 30.09.2026. Das Patent ist also durchaus zeitlich limitiert. Aber (un)limited bleibt der Gin aus Hampshire sicher auch über dieses Datum hinaus den Gin-Liebhabern erhalten...

 

Impressionen:

Weitere Informationen unter: https://www.bombaysapphire.com/

Fotos: Bombay Sapphire

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Zuletzt bearbeitet am 08/04/2019

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