Madrid: Picasso entdeckt - und die hohe Kunst der Tapas

Es ist Sympathie auf den ersten Blick. Schon beim ersten Streifzug begeistert Madrid mit seinen charmanten Plätzen, majestätischen Häusern, verspielten Kirchturmspitzen, Arkaden und Torbögen...

Vor allem mit dem Bewusstsein, dass die spanische Hauptstadt noch als ein Hotspot der Tapas-Kultur gilt. Überall in der Stadt locken vielfältigste Restaurants, Bars und Tavernen. Die Liste der Gaumenfreuden ist unendlich lang. Von Tapas-Bars, die sich auf spanische Hausmannskost spezialisiert haben bis zu Kulttempeln oder modernsten Adressen scheint die Auswahl fast grenzenlos zu sein. Bei einer Tapas-Tour erfährt man die Stadt von seiner schillernden Seite.

"Erlebe Madrid", schmunzelt Historiker Raúl Fuertes Suárez, wenn er seine Gäste durch die Straßen führt. Fast nebenbei erklärt er während eines Rundgangs die architektonischen Sehenswürdigkeiten, verweist auf bedeutende Museen und Ausstelllungen und führt durch das Dichterviertel. Diese Bezeichnung erhielt das Gebiet, weil während des 17. Jahrhunderts dort einige der bedeutendsten spanischen Schriftsteller, wie Cervantes, Lope de Vega, Quevedo, Tirso de Molina und Góngora lebten. In Madrid muss man unbedingt die Gelegenheit nutzen, die Bars mit ihren Geschichten, teilweise Jahrhunderte alt, kennen zu lernen. Viele von ihnen sind mit Fliesen, Marmortischen, Säulen und Holzbänken verziert. Sobald man sie betritt, ist es, als würde sich die Zeit zurückdrehen.

In vielen Bars werden Geschichten der Vergangenheit auf Fliesen dargestellt.
In vielen Bars werden Geschichten der Vergangenheit auf Fliesen dargestellt.

 

In unmittelbarer Nachbarschaft vom Königspalast und der Almudena-Kathedrale befindet sich das El Anciano Rey de los Vinos. Die urige Taverne aus dem Jahr 1886 wurde 1909 von Luís Montón übernommen. Er ließ sich die Weinmarken "El Viejo", "Los Viejos" und "El Anciano Rey", dem Namensgeber der Taverne, patentieren. Heute wird die Bar mit den bunt gekachelten Wänden von einem jungen Ehepaar betrieben. Ihr Spezialität: Churros mit Schokolade und Häppchen mit feinstem Jamón Ibérico.

La Torre del Oro am Plaza Mayor ist ganz dem Stierkampf gewidmet. Ausgestopfte Stierköpfe, originale Kleidung der Toreros, Pokale sowie zahlreiche Fotos der Kämpfe zieren die Wände. Wer hier ein Bier bestellt, erhält automatisch eine Portion Tapas vom Haus - nach Wahl des Kochs.

Im Mesón de Champignon ist der Name Programm. Die Bar hat sich den Pilzen verschrieben - eine gute Adresse für das leckere Produkt. Gleich nebenan befindet sich das älteste Restaurant der Welt, laut dem Guinness Buch der Rekorde. Das Sobrino de Botín wurde 1725 gegründet und wird seitdem als Restaurant betrieben. Der Holzofen, in dem heute noch über dem offenen Feuer Spanferkel und Lämmer gebraten werden, stammt noch aus dieser Zeit. Um das Haus ranken sich viele Geschichten. So soll der Künstler Francisco de Goya 1765 dort gearbeitet haben, während er darauf wartete, in der Königlichen Akademie der Schönen Künste aufgenommen zu werden.

Eine Vielzahl historischer Tapas-Bars sind in Madrid zu finden und immer lohnend...
Eine Vielzahl historischer Tapas-Bars sind in Madrid zu finden und immer lohnend...

 

Die Casa Alberto wurde 1827 in dem Gebäude eröffnet, in dem damals der Schriftsteller Miguel de Cervantes lebte und seine Meisterwerke, wie den zweiten Teil von "Don Quijote" und "Los trabajos de Persiles y Segismunda", schrieb. Zu Zeiten Ferdinands VII. gingen die Madrider ins Casa Alberto, um einen Krug Wein mit einem hart gekochten Ei und einem Stück Kabeljau zu genießen. Heute serviert man hier typische Köstlichkeiten wie Kutteln auf Madrider Art und Kabeljau. Die Spezialität des Hauses ist allerdings das Ochsenschwanzragout, es gilt als eines der besten in ganz Madrid. Dazu mundet ein Wermut, das wiederentdeckte Kultgetränk - natürlich vom Fass!

Ebenfalls geschichtsträchtig ist das El Lacon in einem ehemaligen Palast aus dem 17. Jahrhundert. Zwischen Skulpturen und Fliesenbildern wird heute exzellente spanische Traditionsküche, wie die sehr schmackhaften Kutteln, serviert. Auch hier legen die Mitarbeiter großen Wert auf Stil. Sie sind mit Weste und Fliege gekleidet. Kuriositäten und Kunst finden die Gourmets im Los Gatos de Madrid vor. Der Wermut wird aus einer blank geputzten Zapfsäule von 1962 gezapft. Bei einem kleinen Rundgang fällt ein Sammelsurium aus Marienstatuen, Gallionsfiguren, eine alte Tanksäule, Radios und Blechschildern auf. Auf den ersten Blick eher unscheinbar, aber dann entlockt ein besonderes Exponat in einer Glasvitrine doch einen erstaunten Ausruf: ein Original von Pablo Picasso! Und passend zur Tapas-Bar zeigt das Gemälde einen Stierkampf.

Typische Tapas-Bar mit diversen Zapfanlagen in Madrid...
Typische Tapas-Bar mit diversen Zapfanlagen in Madrid...

 

Knusprige Schweinohren - Tapas aus der Vogelperspektive

Javier Muñoz-Calero gehört z den Shooting-Stars in Madrid. Der vielseitige Chefkoch, der bereits mit Carme Ruscalleda zusammengearbeitet hat, führt gleich vier Restaurants. "Meine Restaurants sind wie meine Kinder", schmunzelt der energiegeladene und sehr dynamische Koch, der zwischen seinen Küchen mit dem Motorrad pendelt. Neuestes Projekt ist die Roof Top Bar "Picalagartos" in der achten und neunten Etage des Hotels NH Collection Gran Via.

Geschmackvoll eingerichtet spiegeln die neuen Materialien in dem 100 Jahre alten Gebäude den typischen neoklassizistischen Stil Madrids. Größte visuelle Attraktion ist in dem Restaurant der 360-Grad-Blick über die Dächer und Straßen. Zu so einem fantastischen Panorama können die Gäste dort höchste Tapas-Kunst erleben. Javier Muñoz-Calero ist tief in der spanischen Küche verwurzelt. Seine vorherigen Stationen waren Paris, die Schweiz, Irland, Thailand und die USA.

"Im Picalagartos kann ich alle meine Erfahrungen einfließen lassen, aber am Wichtigsten sind mir die Qualität und gesunde Speisen", bestätigt der Chefkoch. Im Fokus steht die traditionelle, authentische spanische Küche, ehrlich und auf höchstem Niveau zubereitet. Eine exzellente Weinkarte ist fast selbstverständlich. Das gastronomische Angebot besteht aus köstlichen Miniaturen. Zum Auftakt sind Conservas, Salazones, Embutidos y Variantes. Es folgen Ibéricos und Torreznos crujientes con sal en escamas y mojo picón (knusprige Speckstreifen mit Salz und scharfer Sauce) sowie gegrillter warmer Oktopus mit schwarzer Aragon-Olive und Mayonnaise.

Javier Muñoz-Calero.
Javier Muñoz-Calero.

 

Die Reihe der Tapas wird fortgeführt mit Jakobsmuschel und Lazy Gambas. Darunter sind Garnelen zu verstehen, die in einem Salzbett auf dem Rücken liegend serviert werden. Die einzelnen Gänge sind erstklassig! Eine Überwindung kosten eventuell die Schweineohren. "Fast alles vom Tier ist essbar. Von den Schweinohren ist inzwischen sogar meine Familie überzeugt", freut sich Javier Muñoz-Calero über einen seiner persönlichen Favoriten. Tatsächlich. In hauchdünne Ringe geschnitten und knusprig zubereitet, stellt die Speise eine echte Delikatesse dar.
Fazit: Jederzeit wieder!

 

Impressionen:

Weitere Informationen:
Madrid, www.esmadrid.com/de/reisefuehrer-essen-madrid-pdf 
Picalagartos, www.picalagartos.com 

Fotos: Carola Faber

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Zuletzt bearbeitet am 22/01/2019

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Autor

Carola Faber

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