Le Petit Chef: kleiner Koch auf großer Reise

Aus dem aufgeschlagenen Buch springt plötzlich ein kleiner Kerl, mit Kochmütze, ganze 58 Millimeter klein. Sekunden später krabbelt er über Tisch, Teller und Geschirr. Voilà, le Petit Chef – der kleinste Koch der Welt!

Mit quäkiger Stimme und französischem Akzent nimmt er die Gäste mit auf eine abenteuerliche Reise. Von Marseille über Arabien, Indien und den Himalaya geht es bis ins Reich der Mitte. Und wieder zurück. "Le Petit Chef – auf den Spuren Marco Polos" ist eine Dinner Show der ganz besonderen Art, mit Stationen in Johannesburg, Dubai oder London. In Deutschland läuft sie derzeit unter anderem in Berlin, im Restaurant "Gourmanderie" im Centre Francais.

Mal keine der üblichen Live-Darbietungen mit Gesang, Comedy oder Artistik, sondern gekonnte und witzige Animationen, tempo- und abwechslungsreich, ein Spaß für Jung und Alt, eben für die ganze Familie. Auf jedem Platz liegt ein Buch, dass der Gast aufklappen darf. Bald verwandeln sich unbeschriebene Seiten, aber auch Tischdecke und Teller in farbenfrohe Märchenwelten, dank den Beamern an der Decke, 3-D-Effekte inklusive.

Le Petit Chef springt auch auf die Teller...
Le Petit Chef springt auch auf die Teller...

 

Anfangs plaudert der kleine Koch, erzählt über sein Leben, zeigt Bilder aus seinem Fotoalbum. Es läuft nicht rund für ihn, im seinem Restaurant in Marseille herrscht gähnende Leere. Er braucht neue Ideen, Rezepte, Zutaten. Und vor allem passende Gewürze. Also ab auf Entdeckungsreise, wie einst Marco Polo. Auf dem Rücken eines Vogels, oder auch mal auf einem fliegenden Teppich fliegt der zwergige Küchenmeister über die Weiten des Ozeans, über Städte und Dörfer, Wüsten und Gebirge. Immer wieder erlebt er spannende Abenteuer, kämpft mit feuerspuckenden Drachen, flieht vor krachendem Feuerwerk, und stemmt schwitzend viel zu große Löffel.

"Mon Dieu", ruft er immer wieder aus. Der Mini-Bocuse fällt in Pfannen, rutscht in Töpfe, zerstampft mit seinen kleinen Tretern fleißig Gemüse, und hüpft in Gefäße voller Gewürz, dass es nur so staubt, egal, er braucht unbedingt Safran. So verleiht der Winzling einer konventionellen Crème Brulée, die hier auch mit Reis zubereitet wurde, eine ganz besondere Note. Dazu eine Kardamom-Küchlein, so leuchtend grün wie köstlich. Fertig ist das gelungene und gar nicht sehr süße Dessert, von dem sich die Gäste dann persönlich überzeugen können.

Sechs Gänge werden insgesamt serviert, ein Gericht zu jeder Etappe seiner Reise, und zwar auf originelle Weise. So bringt ein Mitarbeiter jedem Gast ein Papierschiffchen, auf dem der erste Gang verzeichnet ist. Galette mit Lachs sowie ein Tartelette mit Salade Nicoise. Der Fisch schmeckt wunderbar frisch mit einer leichten Salznote. Beim Salat verbergen sich unter einem halben gekochten Ei gewürfelte Kartoffeln, Tomaten und Oliven. Alles tadellos, ein durchweg solider Start.

...von der Geschichte auf den Teller.
...von der Geschichte auf den Teller.

 

Den ganzen Zauber des Orients erlebt man dann in Arabien. Die kleine Wasserpfeife, die jeder Gast bekommt, ist reine Dekoration. Die mit reichlich Ornamenten verzierte Holzkiste weitaus mehr. Sesam öffne dich, und schon breiten sich diverse kulinarische Schätze aus. Der zweite Gang. Orientalisches für Gourmets, Mezze, wie man sie besser kaum bekommen kann. Pastilla, ein traditionelles marokkanisches Gericht, süß und salzig zugleich, mehrere Schichten dünner Teig, dazwischen Perlhuhn, trockene Früchte und Zimt.

Ferner Babaganoush, also Auberginenpüree mit Sesampaste, Falafel, die Inhaber und Küchenchef Claude Trendel mit roter Beete verfeinert hat, und Tsatsiki, die hier mit Gurke, Minze, Petersilie und Knoblauch zubereitet wurde. Ein wunderbarer Dip für die drei kleinen Fladenbrote, die dazu serviert wurden. Der Weißwein dazu passt bestens, besticht er neben einem passenden Namen doch ebenfalls durch reichlich Würze. Ein Cité Oriental aus Südwest-Frankreich, bestehend aus vier Traubensorten. Riesling, Gewürztraminer, Muscat und Viognier. Trocken mit leichtem Muskataroma.

Es ertönt indische Musik, der kleine Koch blickt auf Tempel und buntes Treiben. Dazu serviert der Inhaber ein Curry, Samosa und Linsensalat. Das Curry aus Kochbananen fällt recht mild aus, umso würziger die Samosa, gefüllt mit Kartoffeln, Frühlingszwiebeln und Kurkuma. Der Salat geriet kernig, dank der schwarzen Linsen, etwas "Püree" ist auch dabei. Rote Linsen, die beim Kochen schnell zerfallen, mit Koriander und Kreuzkümmel angereichert.

Entenbrust nach Pekinger Art mit Gemüse.
Entenbrust nach Pekinger Art mit Gemüse.

 

Als es über den Himalaya geht, steigt starker Qualm auf. Nicht virtuell, sondern real. Er wabert, in blaues Licht gehüllt, um eine weiße Kugel, ein Sorbet aus Lychee und Zitrone, dekoriert mit einem Halm aus Zitronengras. Eis sowie der aus Trockeneis erzeugte Nebel sollen die kalte Unwirtlichkeit eines Berggipfels symbolisieren. Mission erfüllt. Entenbrust nach Pekinger Art mit Gemüse, unter anderem Pak Choi und Bambussprossen sowie Basmatireis bilden den Hauptgang. Das Fleisch ist zart und wunderbar rosa, die Haut knusprig, das Gemüse knackig. Dazu passend ein Rotwein aus der Provence, ein Grand Marrenon, aus den Rebsorten Grenache und Syrah. Vollmundig, würzig, aber zugleich samtig, mit angenehm wenig Tanninen.

Eingeleitet wurde das gelungene Event mit einem Aperitif. Ein Kir Royal, bloß mit Zitronenlikör, statt Cassis. Der Likör stammt übrigens nicht aus Italien, sondern aus Frankreich. Dazu noch eine kleine Mahnung. Den Kugelschreiber bitte weglegen, scherzt Claude Trendel. Der kleine Meisterkoch könnte sonst stolpern.

Weitere Infos unter:
https://event-dinner-berlin.de/ 
www.gourmanderie.de 
http://lepetitchef.com/ 

Fotos: Fritz H. Koser

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