Regional für Europa: Produzenten hinter dem AOP Siegel

Europa bietet Chancen und Möglichkeiten, öffnet Märkte für kleine und große Unternehmen. Ein wichtiger Schritt: das Bekanntmachen der eigenen Produkte. Siegel auf dem Weg durch Europa...

Jüngst stand Michel Lacoste, Präsident des CNAOL (Schnittstelle zwischen Forschung, Bildung und dem europäischen AOP Siegel), auf dem Marktplatz von Paris und eröffnete die "La Fete des A.O.P.". Ein wenig spartanisch war die Szenerie der Veranstaltung, offerierte aber hinter den Zeltwänden höchste Käsequalität. Käsequalität, die es gilt zu transportieren, publik zu machen: "Unsere Werte, die durch das AOP Siegel (Anmerkung: geschützte Ursprungsbezeichnung) belegt und geschützt sind, gilt es, europaweit vorzustellen und in den Fokus der Öffentlichkeit zu transportieren. Es geht um das Erkennen und die Akzeptanz unserer Ideen und der hochwertigen Qualität unserer Produkte", so Lacoste zur Eröffnungsveranstaltung.

Prozesse, die mehr sind als nur Eigennutz, mehr als nur die bloße Marktpräsenz von Produkten. Denn das A.O.P. Siegel (Appellation d’Origine Protégée) der Produzenten steht für die Menschen hinter dem Produkt und für das Wissen über Herstellungsprozesse – geboren aus der regionalen Kultur und dem zum Teil jahrhundertealten Handwerk. Festgelegt werden so nicht zuletzt die Herkunft und die Vielfalt der Produkte. Derzeit sind es 50 Käse-, Sahne- und Butterprodukte, die sich das Siegel in Frankreich "verdient" haben. Europaweit sind es mittlerweile 280 Milchprodukte, die sich im Rahmen von Natürlichkeit und dem entsprechenden Know-how mit dem AOP Siegel schmücken können.

Terroir und Authentizität

Nun, dass die Produkte "bewegen", einen bestimmten Stellenwert in Frankreich haben, zeigte nicht zuletzt die Lage der Veranstaltung. Denn direkt vor dem Pariser Rathaus gelegen, war ein zentralerer Standort wohl kaum vorstellbar. Und als Vertreterin der Stadtverwaltung machte die Sprecherin Olivia Polski zu Beginn der Veranstaltung klar: "Es bietet sich mit der heutigen Veranstaltung eine gute Möglichkeit, alle Produkte unter dem AOP Siegel der breiten Öffentlichkeit vorzustellen".

Bei der Veranstaltung wurden alle 50 Produkte mit AOP Siegel vorgestellt und verkostet.
Bei der Veranstaltung wurden alle 50 Produkte mit AOP Siegel vorgestellt und verkostet.

 

Und so gingen die vorgestellten Produkte mit dem Siegel schnell an die interessierten Besucher. Denn mit dem Hintergrundwissen, dass es sich hier um Produkte handelt, die jenseits der Massenproduktion auf das Terroir, die Authentizität der Region und vor allem auf Stärkung der regionalen Wirtschaft setzen, wird der Konsument schnell gewonnen. Denn Prozesse, die auf die Region und Überprüfbarkeit nachvollziehbar sind, dürften mehr als nur ein Trend sein – sie sind vielmehr der einzige Weg hinaus aus der Gleichförmigkeit der Massenware und der anonymen Produkte in den Supermarktregalen.

Seit 2009 steht das AOP Siegel in Frankreich für Produkte mit umfassenden Anforderungen an traditionelle Herstellungsprozesse und an die Ursprungsregion. Um mit diesem Siegel ausgezeichnet zu werden, müssen die Produkte das AOC-Siegel (Appellation d’Origine Contrôlée) und zusätzlich zur Gruppe der EU-weit geschützten Produkte gehören.

Käse aus Holland

Am Rande der Veranstaltung "La Fete des A.O.P.", kam auch Johann Schildkamp (Marketingmanager der NZO – dutch dairy association) an die Seine gereist, um verschiedene Käse aus Holland vorzustellen. Mit drei GGA-Käse (Geschützte geografische Angabe) im Gepäck, sind nicht zuletzt die vorgestellten Goudaprodukte des Holländers die Megaseller auf dem deutschen Markt. Lediglich acht Produzenten (industrielle Produktionsart) beliefern neben den heimischen Geschäften auch die EU-weiten Verkaufsstellen. Interessanterweise ist der Begriff "Gouda" kein geschützter Begriff (ebenso wie der frz. Camembert), somit ist eine Produktion unter dem Namen weltweit möglich. Bedeutet: Wer einen Gouda-Käse aus Holland haben möchte, sollte sich die Label der Produkte genau anschauen.

Unterschieden werden allerdings noch zwei Herstellungsarten: die Produktion von Naturkäse und die des Folienkäses. Erstere zeichnet sich durch die Reifung des Käses an der Luft aus – und das für mindestens 28 Tage, bis zu acht Wochen. In diesem Fall ist es der sogenannte junge Gouda. Ab 16 Wochen Reifung spricht man von mittelaltem, ab 40 Wochen von altem Gouda. Als überjährig wird ein mehr als ein Jahr gereifter Goudakäse bezeichnet.

Zwei Herstellungsarten werden bei Gouda aus Holland unterschieden: hier original Gouda im Salat.
Zwei Herstellungsarten werden bei Gouda aus Holland unterschieden: hier original Gouda im Salat.



Die Produktion des Folienkäses erfolgt recht schnell, mit einer kurzen Reifungszeit und wird dann unverzüglich in Folien verpackt. Merkmal hier: keine Käserinde. Denn die Rinde des Käses entsteht erst durch die Lufttrocknungsprozesse, die dem originalen Gouda bis zu acht Prozent Gewicht pro Jahr entziehen.

Sowohl für die holländischen als auch die französischen Produzenten hingegen gilt, die Verwendung oder der Erhalt eines Siegels ist nicht zwingend das alleinige Qualitätskriterium. Denn neue Produkte und/oder die Ausrichtung eine andere Form oder Käsequalität zu erzielen, sind nicht unbedingt ein Zeichen für mindere Qualität, sondern sind Ausdruck von Individualität und können oftmals ebenso hochwertige Produkte resultieren.

 

Impressionen:

Fotos: Michael Schabacker

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Zuletzt bearbeitet am 23/11/2018

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