Bombay Sapphire Gin: Weltruf mit viel Handarbeit

Bei der "Juniper Harvest" - der Wacholder Ernte – wird Hand angelegt. Etwas Mühevolleres gibt es im gesamten Prozess des Ginmachens wohl kaum. Eine Stippvisite in der Toskana...

Zitronenschale, Mandeln, Süßholz, Schwertlilie, Angelica, Koriander, Zimtkassie, Kubeben-Pfeffer und Paradieskörner gehören zu den Grundzutaten – den sogenannten Botanicals – in den Bombay Sapphire Gin. Und Wacholder natürlich – die Zutat, die in jeden Gin der Welt gehört. Dabei sind die Bezugsquellen der verschiedenen Unternehmen natürlich mannigfaltig. Das zum Bacardi Konzern zugehörige Unternehmen Bombay Sapphire mit Sitz in Hampshire und dem weltweit einzigartigen Produktionsort, der Laverstoke Mill, holt sich die kleinen blauen Kugeln aus der Toskana.

"Es ist für uns wichtig, jeden Produzenten unserer Botanicals zu kennen und die hohe Qualität für unsere Produkte so auch sicherzustellen", erzählt uns der "Master of Botanicals" Ivano Tonuti, 58, bei unserem Treffen in Florenz. Denn eben hier haben sich diverse Verantwortliche des Unternehmens getroffen, um die Prozesse der Wacholder Ernte vorzustellen. Unter ihnen ist auch Anne Brock, 36, Master Destiller von Bombay. Seit kurzem schwingt sie das Zepter in der Laverstoke Mill. "Ich bin jetzt erst etwa ein Jahr im Unternehmen, bin mit einigen Mitarbeitern nicht zuletzt zuständig für die konzeptionelle Entwicklung, aber auch für neue Entwicklungen. Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit Ivano Tonuti, der stets auf der Suche nach neuen Botanicals ist", erzählt uns die Doktorin der Chemie im Gespräch.

Ivano Tonuti.
Ivano Tonuti.

 

Schnittstelle Cocktailbars

Für sie war es der erste Besuch zur Ernte des Wacholders hier in Italien, unweit von Florenz. Etwa zwei Stunden von der Hauptstadt der Toskana entfernt begeben wir uns ins Landesinnere, bis die Landschaft erst hügelig und dann bergig wird. Mit uns im Wagen fährt Raj Nagra, Global Brand Ambassador Bombay Sapphires. Er ist so etwas wie "das Gesicht" des Unternehmens. Streut den Namen und das Produkt weltweit in Workshops und Veranstaltungen in die Welt. So dürfte es kein Wunder sein, dass er Flughäfen fast schon sein Zuhause nennt. "Gerade in diesem Jahr war ich wirklich viel unterwegs. Und nach Florenz geht es für mich direkt nach England, kurz nach Los Angeles und dann aber auch schon wieder nach Miami", sagt uns Raj Nagra während der Fahrt zur Juniper Harvest.

Ein Leben auf der Überholspur – so wirkt es fast. Denn in seinem Zuhause in Los Angeles ist er oftmals nur ein paar Stunden in der Woche, maximal zwei oder drei Tage. Trotzdem brennt er für das Produkt, den Gin aus Hampshire. "Es ist es natürlich wichtig, immer wieder innovativ zu sein – auch und gerade für unsere wichtigste Schnittstelle zum Kunden, die Cocktailbars. Dazu brauchen wir immer neue Ideen", so Nagra weiter. Zum Beispiel Ideen, neue Tonic-Water mit den verschiedensten geschmacklichen Akzentuierungen zu kreieren bzw. mit flüssigen natürlichen Aromen zu ergänzen. So exemplarisch geschehen in Florenz, in den Abendstunden zu einem kleinen Workshop in Sachen Gin.

Raj Nagra.
Raj Nagra.

 

Botanicals in Hampshire

Für das Gin Unternehmen aus Hampshire hat sich die mittlerweile 20-jährige Zugehörigkeit zum Mutterkonzern Bacardi mehr als ausgezahlt. Es gibt wohl kaum eine Bar oder Duty-Free-Shop, Supermarkt oder ein Restaurant auf der Welt, in denen nicht die bläulichen Flaschen in den Regalen schimmern. Und mit der prunkvollen Eröffnung der Destille Laverstoke Mill nebst den zugehörigen gläsernen Gewächshäusern vor nunmehr fünf Jahren, hat sich Bombay weit über die Grenzen Englands hinaus fast schon ein Denkmal gesetzt. Das Glashouse-Unikat in der alten Papierfabrik ist Blickfang und "Heimat" der Botanicals, die zu Ausstellungszwecken besichtigt werden können.

Und natürlich finden sich dort auch die aus der Toskana stammenden Wacholderbeeren im stets angenehmen Klima des Gewächshauses wieder. Alles greif- und erfahrbar. Doch welch Anstrengungen hinter der Gewinnung der Botanicals stecken, ist fast kaum vorstellbar. Nicht zuletzt die Ernte der Beeren ist richtige Knochenarbeit, inmitten der Toskana, in der freien Natur. Kein Feld oder bepflanztes Areal, nein, auf einer Höhe von gut 800 Metern wird der Wacholder in Handarbeit von den wild wachsenden dornigen Büschen geschüttelt.

Anne Brock (l.), Ivano Tonuti (2. v.r.) und die Familie Pastorini.
Anne Brock (l.), Ivano Tonuti (2. v.r.) und die Familie Pastorini.

 

Über 80 Jahre alt – und noch rüstig

Eine der Familien, die für Bombay das Grundprodukt ernten, ist die Familie Pastorini. Leomello, 81, und Rita, 70, begeben sich zur Juniper Harvest – etwa von August bis November - täglich in die Berge und ernten die Beeren. Gut 50 Kilogramm schaffen die beiden rüstigen Bauern, die trotz ihres hohen Alters noch schnell und geschickt die Beeren mit Hilfe eines Stocks von den Ästen schlagen, die dann in das darunter gehaltene Sieb fallen. Wahrhaft keine einfache Arbeit, die Dornen sind spitz, verletzen die Hände. Dennoch schafft es die Familie auf ein bis zwei Tonnen jährlich. Und da der Ginproduzent ein Vielfaches der Menge benötigt, ist es eine ganze Schar an Familien, die im Sommer in die Berge ziehen und die Beeren ernten.

Wie viel genau, will uns Ivano Tanuti nicht verraten. Letztendlich ist natürlich die Zusammensetzung und die Menge der verwendeten Botanicals ein Geheimnis, dass jeder Produzent peinlichst hütet. Seit 1990 ist der heutige Master of Botanicals bereits im Unternehmen, das kurz zuvor, 1987, auf den Markt kam. Damit ist er wahrscheinlich der dienstälteste Mitarbeiter im Unternehmen und wohl auch mit der wichtigsten Aufgabe überhaupt betraut. Denn mit der Qualität und der richtigen Auswahl steht und fällt das flüssige Produkt. "Gerade die Beeren sind als Grundprodukt natürlich sehr wichtig. Sie werden hier in der Toskana nicht nur geerntet, sondern anschließend auch getrocknet", erzählt er uns.

Leomello und Rita Pastorini bei der Ernte.
Leomello und Rita Pastorini bei der Ernte.

 

Wie beschrieben, ist die Ernte keine einfache Arbeit. Erschwerend kommt hinzu, dass die Beeren bis zu zwei Jahre zur Reife benötigen. Da müssen die Familien, die die Ernte für Bombay einfahren, geduldig sein. Und Zeiten von schlechter oder reduzierter Ernte gibt es natürlich auch. "Aber für solche Fälle haben wir immer eine Reserve", so Ivano weiter. Denn natürlich können die Beeren nach der Trocknung auch gut gelagert werden. Denn 40 Prozent an Flüssigkeit verliert die Beere im Trocknungsprozess. Flüssigkeit, in der sie später wieder aufgehen und ihr Aroma entfaltet, in den Brennprozessen in der Laverstoke Mill – stets unter Zugabe mit dem Wasser aus dem Lake Vyrnwy in Wales.

 

Impressionen:

Fotos: Bombay Sapphire

Submit to DiggSubmit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn

Artikel weiterempfehlen und/oder drucken (auch PDF):

Letzte News

Letzte Artikel

Genuss-Newsletter abonnieren?

Mit der Anmeldung zu unserem Newsletter erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen (s.l.) einverstanden. Eine Bestätigungsmail mit einem Aktivierungslink wird nach der Anmeldung an die angegebene Mailadresse versendet. __________________________
KULINARIKER - Das Magazin für mehr Genuss.
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.