Die charmante Welt der Marken: Wein, Kultur, Natur (Teil 2)

Die bezaubernde Region der südlichen Marken bietet eine Fülle von umwerfenden Landschaftsbildern, Kultur, Genuss und Wein...

Wer den Spuren des Weins (wir berichteten in Teil 1) entlang charmanter Landstraßen und durch pittoresken Städtchen folgt, auf den warten einmalige Eindrücke: In historischen und heiligen Gemäuern, aber nicht nur dort. Auch in den Altstädten, direkt am Meer oder beim Winzer.

Es geht ins Kloster – auf ein paar Weine der Region

In Offida lassen sich gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: wie an diversen Ecken dieser Region erfreut in der Altstadt die einmalige Kombination aus Kultur, Genuss und Muße den Entdecker. Schließlich lässt sich die Geschichte weit zurückverfolgen. Archäologische Fundstücke weisen auf die Entwicklung der picenischen Kultur zwischen dem 9. und 3. vorchristlichen Jahrhundert hin. Die Ankunft der Römer im 3.Jahrhundert legte schließlich den Grundstein für eine der blühendsten Kulturen aller Zeiten.

Ascoli Piceno, Altstadt, Piazza dell Popolo.
Ascoli Piceno, Altstadt, Piazza dell Popolo.

 

Das Stadtbild ist geprägt von gepflegten Gassen und gut instand gehaltenen historischen Gebäuden: hervorragende Einblicke in die Geschichte bieten auch die Museen. Allerdings kann man sich auch zu einem historischen Abstecher der anderen Art direkt ins Kloster begeben. In den Sälen des ehemaligen San Francesco Klosters befindet sich eine regionale Enothek. In der gemütlichen Bar laden zahlreiche offene Weine zum Verkostungsschluck.

Hierbei bietet sich an, einfach mal verschiedene Weintypen in kleine Mengen zu bestellen und so den direkten Vergleich anzutreten: wie unterscheiden sich die Arbeitsweisen der Winzer, wie wirkt sich das auf den Geschmack aus? Der Favorit ließe sich gegebenenfalls gleich vor Ort kaufen oder man nimmt direkt verschiedene Flaschen für die heimische Fortsetzung der Weinstudie mit. Um einen umfassenden Überblick hinsichtlich der Weinvielfalt des Rosso Picenos, aber auch von anderen Weinen der Marken zu ermöglichen, sind zahlreiche Flaschen in den Regalen ausgestellt. Wer mag, kann Kurse mit Sommeliers buchen oder an verschiedenen Veranstaltungen rund um Wein und Genuss teilnehmen.

Träumen am Meer

Auf keinen Fall sollte man einen Ausflug an die Küste versäumen. Perfekt wäre zum Beispiel ein mediterranes Lunch im Casa de Mar in Campofilone, direkt an der türkisblauen Adria. Auf den luftigen, hellen Holzstegen fällt automatisch die letzte Alltagsverspannung ab. Den Blick übers Meer gerichtet, in der Hand ein Gläschen Passerina, beispielsweise einen Vendemmia 2016 von dem biologisch arbeitenden Weingut Clara Marcelli (hier wird gezeigt, dass Prasserina auch Persönlichkeit haben kann), ist man sofort erfrischt und relaxed zugleich und mag diesen schönen Platz gar nicht mehr verlassen.

Traumblick aufs Meer: Casa de Mar in Campofilone.
Traumblick aufs Meer: Casa de Mar in Campofilone.

 

Wagner war auch schon hier

Es sei denn, man hat Lust auf weitere spannende Entdeckungen und macht noch einen Abstecher in die historische Altstadt von Fermo. Die Kultur ist einfach beeindruckend und die historischen Gebäude haben die Erdbeben der Region recht gut überstanden. Im dortigen Teatro dell´Aquila machte schon Wagner seinem gestrengen Ruf alle Ehre und brachte das unaufmerksame Publikum mit angedrohten Konsequenzen zur Raison, was bis heute anhält. Seit Wagners Schimpftirade inklusive Spielboykott an dazwischen quatschende, unaufmerksame Konzertbesucher herrscht ehrwürdige Stille in den Logen des wunderschönen Spielsaals.

Nicht weit von dort laden die Zisternen zu einer Zeitreise in die Katakomben aus römischen Zeiten. Auf den 2200 Quadratmetern wurden unglaubliche Mengen von Wasser gespeichert und ein faszinierend ausgeklügeltes System versorgte die ganze Gegend. Warum Fermo und nicht Rom? Schon damals war der Tiber verdreckt und Fermo verfügte über untergründige Quellen. Noch bis heute ist das gesamte System als Original intakt, eine Rekonstruktion war nicht nötig, allenfalls eine ausgiebige Reinigung.

...und schnell noch zu Quinto und seinen Hunden

Zurück im Landesinneren ist auch ein Abstecher zum sogenannten Herrn "Ingenieur" der Weingegend keine schlechte Idee: Quinto Fausti hat das Weingut Tenuta de Angelis zu einem der Aushängeschilder für die Region gemacht und sich damit seinen speziellen Kosenamen erworben. In seiner eher moderner gebauten Kellerei vinifiziert er neben den eigenen Trauben auch das Lesegut umliegender Bauern. Für seinen Rosso Piceno Superiore ist er hochgelobt. Und nicht nur für den.

Marschiert man an seinen knopfäugigen Labradoren vorbei, die im Vorgarten friedlich in ihren zu Hundehütten umfunktionierten Weinfässern dösen, bahnt sich der Weg Richtung Enoteca des Hauses. Hier lassen sich die zahlreichen Weine verkosten und auch das ein oder andere ausgezeichnete Olivenöl.

Weinlese – und der Chef hilft mit.
Weinlese – und der Chef hilft mit.

 

Wein und Handwerk vis à vis zur Adria

Wie man spätestens bei dem Besuch in Offidas Enoteca feststellt, lädt die Region mit zahlreichen Weingütern zum Entdecken ein. Warum nicht einen Plan zusammenstellen und die Weine vor Ort verkosten oder abholen? Wenn man zum Beispiel bei der Acienda Terra Fageto in Pedaso vorbeischaut, fährt man unter Umständen nicht nur beseelt vom wunderschönen Blick über die biologisch bearbeiteten Weinberge auf die Adria-Küste schweren Herzens wieder dort weg: Wer Glück hat – oder vorher nachfragt – kann miterleben, wie die Familienmitglieder gemeinsam mit Freunden, die die regionalen Grundstoffe produzieren, die Pasta der Region noch von Hand zubereiten.

Oder man setzt sich einfach nur auf die Veranda, hält inne und freut sich, sich auf den Weg in diese beeindruckend unaufgeregte, vielseitige – und dabei so charmante – Weinregion gemacht zu haben.

 

Weitere Informationen:

Tipps für Offida:

- Wein-Entdecken in der Enoteca: www.spaziovino.it 

- Kirche Santa Maria della Rocca in Offida: http://www.turismoffida.com/de/santa-maria-della-rocca.html
- Casa de Mar in Campofilone: www.casademar.it 

- Tipps für Ascoli Piceno:

- Aperetivo/ Essen direkt an der Piazza dell Popolo: Caffè Menotti
- Mangiafuoco-Restaurant: charmant-uriges Restaurant mit gröberer Weinauswahl http://www.bottegaemangiafuoco.it
- Dinner im historischen Keller der Altstadt: Circolo Cittadino; www.circolocittadino.it 
- Hotel: Palazzo Guiderocchi, zentral gelegenes Hotel in der historischen Altstadt, www.palazzoguiderocchi.com 

Tipps für Fermo:

- Teatro dell´Aquila
- Zisterne

 

Impressionen:

Fotos: Daniela Stubbe

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Zuletzt bearbeitet am 02/10/2018

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