Torres und der "teuerste Wein der Welt"

Torres: ein Name der nachklingt, der für Qualität und ganz besondere Weine steht. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Barcelona, ist Kataloniens Aushängeschild in Sachen Wein und Brandy. Der KULINARIKER zu Besuch - unbekannte Tropfen inklusive...

Miguel Torres Maczassek, 44, steht stolz vor dem Gebäude, das jüngst als neues Weingut die Tore geöffnet hat. "Es sind 870 Hektar Land, die zu diesem außergewöhnlichen Weingut gehören. Insgesamt sind es etwas über 200 Hektar zertifizierte Weinberge und 100 Hektar Anbaufläche für Olivenbäume", erzählt uns der sympathische General Manager der Torres Gruppe. Seit 2012 ist der Katalane in dieser Funktion tätig, von 2009 bis 2012 lenkte er noch die Geschicke des Unternehmens in Chile.

Purgatori: ein Kreis schließt sich

Aber heute, hier, mit dem Weingut Purgatori, schließt sich für Torres ein Kreis. Bis in das 17. Jahrhundert lassen sich die Wurzeln der Familie in Penedès zurückverfolgen. Und das Gebäude des Weinguts kann auf eine ähnlich lange Vergangenheit zurückblicken. Einst noch von in Ungnade gefallenen Mönchen aus dem Kloster Montserrat bewirtschaftet - das Zeichen Montserrats befindet sich immer noch über der Eingangstür des historischen Gebäudes - wird es heute abermals seiner Bestimmung, wie bereits um 1770 mit eben dem Wein- und Olivenanbau beauftragt, zugeführt.

Torres General Manager Miguel Torres Maczassek.
Torres General Manager Miguel Torres Maczassek.

 

Es ist ein für die Region traditionelles Hauptgebäude, angrenzend und unterirdisch verbunden, stehen allerdings die Weintanks in einem neuen, aber der Optik des Haupthauses angepassten, Nebengebäude. Zur jüngst stattgefundenen Eröffnungsfeier kamen neben internationalen Pressevertretern auch Politiker und Freunde bzw. Bekannte und Geschäftspartner des Unternehmens.

Und das Torres – auch an diesem Standort – hervorragende Weine produziert bzw. produzieren wird, zeigen nicht zuletzt die verschiedensten Qualitäten der bestehenden Purgatoris. Entstanden unter widrigsten Bedingungen – schlammiger, Calciumcarbonat haltiger Boden – werden alle Trauben in Handlese geerntet. Die Weine fermentieren sieben bis 15 Tage in Stahltanks, ehe es in die Eichenfässer zur malolaktischen Fermentation geht. Dazu stehen Fässer aus Französischer Eiche bereit (40% neue Fässer), die zwischen 15 und 18 Monaten den Purgatori finalisieren sollen.

Purgatori & Gonfaus

Bereits 1999 hat Torres das Weingut bzw. die gesamte Landfläche gekauft, in dem Wissen, dass es ein nicht ganz "einfaches" Areal ist. Lediglich 300 Millimeter Wasser fallen hier pro Jahr auf den Boden. Damit gehört es zu einer der trockensten Regionen in Katalonien. Wahrhaft widrige Bedingungen, auf Höhenmetern zwischen 350 und 550 ü. NN. Und das die Region bereits vor Jahrhunderten zur Wein- und Olivenölherstellung kultiviert wurde, zeigen einige der 10.000 Olivenbäume, die zum Teil bis zu 500 Jahre alt sind. Und 2.000 Jahre alte Funde von Resten der Weinproduktion belegen: hier ist historischer Weinboden!

Weingut Purgatori aus der Ferne mit Rebstöcken.
Weingut Purgatori aus der Ferne mit Rebstöcken.

 

Nun, mit einem "historischen" Wein kann das Weingut aufgrund der jungen Geschichte nicht glänzen. Allerdings sind die Jahrgänge 2012, 2013, 2014 und 2016 auch nicht der Schlechtesten einer. Mit 91 Punkten konnte der Purgatori 2012 bei 14,5 Vol. % Alkohol bereits 2016 in den Bewertungsskalen des Guía Peñín und Guía Gourmets ein achtbares Ergebnis einfahren. Abgefüllt im August 2014 stammt der 2012er (Ernte: früher September) aus einem kühleren Weinjahr als es zum Beispiel 2011 war. In der Nase bildet der 2012er leichte Tabaknoten ab, ein "weicher" Wein – von Anfang bis Ende.

Von JamesSuckling.com hat der 2013er im Jahr 2017 94 Punkte eingefahren, bereits 2016 verlieh der Wine Advocate 91 Punkte. Ebenfalls 14,5 Vol. % Alkohol tropfen hier aus der Flasche, ein Wein, der wesentlich mehr durch Frische glänzt als der Vorjahreswein. In diesem Weinjahr gab es einen milden Winter – ebenso wie einen milden Sommer – allerdings folgte durch einen kühlen August eine recht späte Ernte. Fast ähnlich verhielt es sich im Folgejahr, als es einen recht kühlen September gab. Ein ähnliches Weinjahr wie 2012, allerdings mit viel mehr Regen.

Trauben werden im Produktionsprozess sortiert.
Trauben werden im Produktionsprozess sortiert.

 

Der Gonfaus 2016 ist auch ein Purgatori-Produkt, ist allerdings wenig vergleichbar mit den vorherigen Weinen. Der Alkoholgehalt liegt bei reduzierten 14 Vol. % Alkohol. Und der Ertrag liegt beim Gonfaus gerade mal bei etwa 1500 Kilogramm pro Hektar. Eher ein niedriger Wert. Und betrachtet man die geringe Weinbaufläche von 7,4 Hektar, ist schnell ersichtlich, dass es sich hier um einen "speziellen" Wein handelt. Der Gonfaus 2016 ist ein junger und – in der Nase – sehr fruchtiger Wein mit einer dezenten Säure. Leichte Schärfe im Gaumen und dezente Süße, Kräuter, Orange-Noten bleiben lange im Gaumen. Ein toller Wein, der aber gerne noch etwas lagern darf.

Der teuerste Wein der Welt!

Jetzt wird es unbekannt. Oder zumindest selten, sehr selten. Denn im Tasting zeigt uns Miquel, dass es auch durchaus Weine gibt, die weder massenkompatibel noch alltäglich sind. "Vor etwa 30 Jahren haben wir in Tageszeitungen Anzeigen gestartet, damit uns Leute mitteilen, ob sie unbekannte Reben haben bzw. wilde Reben kennen", erzählt uns Miquel im Gespräch. Über 1.000 Anrufe sollen in den folgenden Monaten eingegangen sein, die meisten kamen dabei aus Katalonien. Und tatsächlich, nach eingehender DNA-Untersuchung der Reben, wurden einige unbekannte Rebsorten evaluiert. Insgesamt fand das Unternehmen so 54 unbekannte Sorten.

Um diese allerdings zu kultivieren, bedarf es eines enormen Aufwands und monetärem Sitzfleisches. Denn eine Zeitspanne von 15 bis 18 Jahre zogen in der Folge ins Land, ehe die Prozesse des Forschens, Züchtens und Kultivierens – im wahrsten Sinne des Wortes – erste Früchte trugen. "Das Investment in diese neuen Rebsorten machen die Weine wahrscheinlich zu den teuersten Weinen der Welt", erzählt uns Miquel mit einem fast nachdenklichen Lächeln. "Und dass diese Rebsorten überhaupt existieren, verdanken wir der einzigartigen Lage dieser Region. Denn früher war dies ein wichtiges Handelszentrum zwischen Frankreich und Spanien – und war natürlich auch wegen des Seeweges hoch frequentiert. In anderen Regionen Spaniens findet man – und wir haben es versucht – kaum alte Rebsorten in dieser Anzahl", erzählt uns der Torres Verantwortliche weiter.

Castel of Milmanda

Mauern und Turm des Castel of Milmanda.
Mauern und Turm des Castel of Milmanda.

 

Miguel Torres Maczassek und sein Chief Winemaker Josep Sabarich Cases sitzen vor einer handverlesenen Anzahl Journalisten und Sommeliers und präsentieren in einem Exklusiv-Tasting im Castle of Milmanda eine wahrhaft – ja, man kann sagen – einzigartige Palette ihrer Weine. Der Forcada 2015 zum Beispiel kommt schon mit einigen besonderen Merkmalen daher. Erst Ende Oktober des Jahres erfolgte die Ernte und ist somit die einzige weiße Traube des Unternehmens, die so spät von den Stöcken geschnitten wurde. Lediglich 3.628 Kilogramm Ertrag gab es auf einem Hektar, die im Stahltank bei niedriger Temperatur fermentiert wurden. Das Resultat: 13,4 vol. % Alkohol und ein sehr schön ausbalancierter Wein. Für den Folgejahrgang stieg der Ertrag auf 6.000 Kilogramm pro Hektar. Und da das Weinjahr 2016 trockener und kühler war, reduzierte sich auch der Alkoholanteil auf gerade mal 12,5 Vol. %.

Der Pirene 2016 und der Moneau (Castell de la Bleda) haben beide je 6.000 Kilogramm Ertrag auf den Hektar erbracht. Vier Hektar sind es bei dem Pirene, der auf 950 Höhenmetern schon eine außergewöhnliche Anbauhöhe erreicht. Ein tiefrotes Violett ist im Glas ersichtlich, 13,5 Vol. % und 2,4 Gramm/Liter Tannin werden notiert. Bei dem Moneu liegen die Werte bei 2,1 g/l bei einem PH-Wert von 3,27. Bei beiden Weinen optimale Werte und durchaus wünschenswert. Beide, der 2016er und der 2017er haben eine tolle Frische, na klar, ist ja auch noch ein junger Wein. Kleine Rebflächen von vier (Pirene) bzw. 2,4 Hektar (Moneau) fördern schon durch ihre geographische Lage (Costers del Segre und Penedès) ganz unterschiedlich Charaktere, und hinzukommt, dass eben das Jahr 2017 wesentlich trockener und wärmer war.

Mit der Milmanda-Serie (2008/2010/2015) von der Finca Milmanda kommen drei völlig unterschiedliche Weine ins Glas. Warum? Nun, mal abgesehen von 100% Chardonnay (2008 und 2015) und Milmanda (2010), die Vinifikation und das Aging sind – natürlich – komplett unterschiedlich. Die Fermentation des Chardonnay 2008 erfolgt in neuen 300 Liter Fässern aus Frankreich/Nevers. Beim 2015er stehen zwölf Monate Eichenfass (Frankreich, 60 % neu) an, der 2008er bekommt zehn Monate mit Batonnage. Auf 16 Hektar, roter Erde mit Lehmanteil, haben die Wurzeln der Rebstöcke noch recht leichtes Spiel. Bis auf 160 cm Tiefe geht das Wurzelwerk.

Miguel Torres Maczassek(l.), Josep Sabarich Cases (r.).
Miguel Torres Maczassek (l.), Josep Sabarich Cases.

 

Der 2008er ist laut Chief Winemaker Josep Sabarich Cases "still alive". Darum sind auch "10 Jahre in der Flasche für diesen Wein überhaupt kein Problem", so Josep weiter. Der 2015er (trockenes Jahr, sporadische Regenfälle in der Reifungsphase) "hat also noch einige gute Jahre vor sich".

Grans Muralles 1997 und Mas de la Rosa Priorat 2016

Der Grans Muralles 1997 ist ein traditionel mediterran-katalonischer Blend aus Red Garnacha, Cariñena, Monastrell, Garró und Samso. Es war nach 1996 erst die zweite Ernte des Grans Muralles und wurde nach dem Aging im Juni 1999 abgefüllt. Nur 22.998 Flaschen wurden von diesem Wein produziert, die eine oder andere Flasche lässt sich vielleicht online noch ergattern (für etwa 60 Euro). Dieser tiefrote Wein hat in der Nase schwarze Frucht, besticht durch seine noch vorhandene Eleganz. Ein Wein für besondere Momente, sozusagen.

Gleiches dürfte ebenso - ohne Zweifel - für den letzten Wein im Tasting gelten. Mit dem Mas de Rosa Priorat 2016 kommt ein Wein aus extrem schräger Hanglage in die Gläser. "Ohne Zweifel, dieser Wein ist richtig harte Arbeit. Wenn ein Bein bei der Ernte länger ist als das andere, hilft es sicher", scherzt Miquel hinsichtlich der widrigen Erntebedingungen. Es ist ein fast verstecktes Gebiet, befindet sich auf einer Höhe von 500 Metern ü. NN. Die Rebstöcke sind aus den Jahren 1939 und 1940 und befinden sich auf einer etwa zwei Hektar großen Fläche. Es ist ein frischer und ganz ungewöhnlicher Wein, und bei 15 Vol. % Alkohol und einem stolzen Ph-Wert von 3,35, schmeckt man die Kraft und Eleganz aus Garnacha tinta und Cariñena.

Flasche Mas de la Rosa Priorat 2016.
Flasche Mas de la Rosa Priorat 2016.

 

Die Wurzeln schrauben sich gerade mal 20 cm – maximal vielleicht 40 cm – in den harten Boden, erklärt Miquel. Und natürlich: die kleine Rebfläche und – je nach Jahr – die 860 bis 1400 Kilogramm Ertrag pro Hektar weisen ihn schon als seltenes Produkt aus. Das bedeutet natürlich nicht zwingend, dass es ein guter Wein sein muss, ist er in diesem Fall aber absolut. Wer in diesen Genuss kommt, darf sich glücklich schätzen!

 

Impressionen:

Fotos: Torres, Michael Schabacker

Submit to DiggSubmit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn
Zuletzt bearbeitet am 22/09/2018

Artikel weiterempfehlen und/oder drucken (auch PDF):

Letzte News

Letzte Artikel

Genuss-Newsletter abonnieren?

Mit der Anmeldung zu unserem Newsletter erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen (s.l.) einverstanden. Eine Bestätigungsmail mit einem Aktivierungslink wird nach der Anmeldung an die angegebene Mailadresse versendet. __________________________
KULINARIKER - Das Magazin für mehr Genuss.
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.