Ländliches Elba: von Adlernest bis Zitrusbaum!

Gut, dass Napoleon 1814 kurz vor seiner Ankunft ins Exil auf Elba nicht aus seiner Haut konnte. Denn vor dem Einlaufen im Hafen von Elbas Hauptstadt Portoferraio stoppte sein Segler erst einmal auf der anderen Seite des herrlichen Golfs von Portoferraio...

Angetan hatte es dem Ex-Kaiser Frankreichs und Neukönig von Elba eine ländliche Villa am Meer, die er in Besitz zu nehmen gedachte. Doch der gestürzte Imperator der Welt blieb dann doch nur kurz, inspizierte zwar wohlwollend das prächtige Anwesen La Chiusa und genoss den herrlichen Blick über die Bucht. Dann aber votierte er wie stets und immer – nach rein militärischen Erwägungen. Und seine Wahl fiel auf die Wehrtürme und Altstadtpaläste von Portoferraio. Welch ein Glücksfall! Denn was Napoleon verpasste, steht heute jedermann auch zum kulinarischen Vergnügen offen.

Eigentlich wäre schon das alte Herrenhaus der Adelsfamilie Foresi groß genug für den kleinen Korsen gewesen. Aber der alte Stratege wollte sich eben nicht von einer mutmaßlichen Invasion von See überraschen lassen – und zog so den weiten Panoramablick von der Villa dei Mulini in Portoferraio vor. Dabei spielte es wohl keine Rolle, dass absolut niemand in jenen Tagen des Jahres 1814 auf die Idee gekommen wäre, Napoleons neues Inselreich zu besetzen oder gar den Korsen in Gewahrsam zu nehmen. Es regierte einfach nur Napoleons Spleen!

Die Foresi werden Napoleons Visite wohl mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolgt haben. Sie residierten hier seit dem 16. Jh., schufen auf den heute 21 Hektar Land ein Kleinod des Wein- und Olivenbaus auf Elba. Heute kann man hier das alte wie das neue Herrenhaus bestaunen, die Gutskapelle aus dem 18. Jh. bewundern, zur Weinverkostung schreiten, im Weinlager wunderbare Weine erwerben und sogar auf dem Gut übernachten.

La Chiusa.
La Chiusa.

 

Seinen Namen verdankt La Chiusa, die »Eingeschlossene«, dem weißen Mäuerchen, das sich rings um Anwesen zieht. Seit nun 15 Jahren regiert nun eine Römerin auf dem Gut, dessen Spitzenprodukt, Elbas legendärer Dessertwein Aleatico Passito, noch immer zu sehr vernünftigen, angemessenen Preisen zu haben ist (0,5 l für 23 Euro). Giuliana Corradi reüssierte eigentlich als Herstellerin von Zeichentrickfilmen. Nun aber gilt ihr Hauptaugenmerk Elbas Wein, der hier acht Angestellte jährlich keltern. Und dass die Römerin ein Händchen für die Natur hat, beweist vor allem ihr neu angelegter Garten, dessen ebenso dezente wie wunderbare Bepflanzung das vielleicht hervorstechendste Merkmal von La Chiusa ist. Insgesamt werden hier jährlich 80 000 Flaschen abgefüllt – La Chiusa ist ein Schwergewicht auf Elba! Dazu gibt es auch Grappa und Olivenöl. Und mit etwas Glück ergattert man auch eines der neun Apartments im Guts- und Fischerhaus!

Wie landwirtschaftlich ergiebig die großartige Landschaft ringsum ist, zeigen auch die nahen Biobetriebe im Ortsteil Schiopparello. Hier lohnen die Einkäufe etwa im Agriturismo Due Palme, wo über 1000 Olivenbäume und dazu Aprikosen, Feigen, Pfirsiche, Orangen, Mandarinen oder Pflaumen gedeihen und zudem die größten Zitronen überhaupt wachsen. Schön auch, dass man hier in sechs Apartments übernachten und nebenan Tennis spielen kann. Und natürlich ist es auch zum Strand nicht weit. Herausragend sind aber vor allem die Olivenöle – ein Muss für die Küche daheim!

Geradezu praktisch ist es dann, dass nebenan auf dem Biohof Montefabbrello im Sommer auch ein sehr gutes Ristorante öffnet. Hier stellen Ex-Modeschöpferin Nelly und Gatte Dimitri Top-Bio-Pasta aus Hartweizengries (eigenes Getreide) her, zudem 13 Bioweine und Oliven.

Auf der Agriturismo Due Palme.
Auf der Agriturismo Due Palme.

 

Ovid und Limo!

Wie bedeutsam die landwirtschaftliche Ecke in Portoferraios ländlichen Ortsteilen San Giovanni, Magazzini und Schiopparello ist, beweist auch die Ruine der antiken Römervilla. Direkt nach Ende des etruskischen Eisenabbaus auf Elba legte hier eine Familie aus Roms Hochadel ihr Freizeitdomizil an – und begann mit Weinanbau und Landwirtschaft. Grabungen ab 2012 und vor allem 2014 und 2015 förderten zu Tage, dass hier im 1. Jh. v. Chr. Marcus Valerius Messalla seine heutige Villa Romana delle Grotte errichten ließ – samt kleinem Hafen am Meer und unterhalb einem Weingut, das nun ausgegraben wurde. Riesige Dolia, Terracotta-Fässer aus der Antike, kamen zum Vorschein. In ihnen wurde Wein, aber auch Apfelmost gelagert. Scherben verrieten sogar den ersten Winzer auf Elba: Es war ein Sklave, mit Namen Hermia, der hier Elbas erstes Weinwunder der Antike vollbrachte. Wie bedeutsam die Anlage, mag man daran ermessen, dass hier Ovid kurz vor seinem Exil (8 n. Chr.) zu Gast war und später darüber berichtete.

Die zweite Zäsur in Elbas langer Bergbaugeschichte erfolgte erst nach dem Zweiten Weltkrieg – und auch hier im Ortsteil San Giovanni! Denn wo einst Schlackehalden lagerten, wird seit Ende der 1950er Jahre Limo gewonnen und nun zu Kur- und Wellnessanwendungen genutzt. Die heutigen Thermen von San Giovanni locken zudem mit Antistressanswendungen, Peeling mit Meeresalgen-Gelee, Antizellulite- oder Schlankheitskuren. Das Geheimnis des Erfolgs ist stets der Limo: Dieser heilende Meeresfango-Schlamm wurde eigentlich nur per Zufall entdeckt. Ende der 1950er Jahre geschah das Thermalwunder, als auf dem schlammigen Untergrund Rennpferde weideten, die sich an den einstigen Salzbecken prächtig erholten. Rasch waren drei Arten Limo entdeckt, ein Kurhaus 1963 gebaut. Heute trifft man sich in der Spa und in der Salzgrotte. Nebenan bietet auch das Thermenhotel Airone großartige Erholung. Und natürlich kann man im Laden auch Kosmetika der Linie Alghelba für daheim erstehen.

Burg in den Wolken – im Castello del Volterraio

Hoch über Elbas landwirtschaftlicher Schatzkammer thront das Kastell Volterraio wie ein Adlerhorst über der Insel. Vermutlich schon die Etrusker und Römer wählten diesen Standort hoch über dem Golf von Portoferraio, um den grandiosen Blick über Elba zu genießen und gleichzeitig potentielle Feinde zügig zu entdecken. Dei Pisaner bauten alles im 11. und 12. Jh. aus, legten rund um Elba Wachttürme an und besaßen so ein perfektes Kundschafter- und Spionagenetz sowohl gen Genua, als auch gegen Frankreich, als auch gegen die gefürchteten Piraten und Freibeuter des Mittelmeeres.

Kastell Volterraio.
Kastell Volterraio.

 

Hier im Kastell Volterraio liefen die Informationen und damit die Fäden zusammen. Schon zu Zeiten Napoleons eine Ruine, hat nun der Nationalpark Toskanischer Archipel dieses bemerkenswerte Relikt der Inselgeschichte aufgekauft, mit Millionen Euro restauriert und seit 2017 der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. Im Sommer werden abends herrliche geführte Touren hierher veranstaltet. Das Picknick mit Elbas Delikatessen und einer guten Flasche Wein bringt man selbst mit, für den Rest sorgen die Top-Guides des Nationalparks. Stets gratis ist die einmalige Aussicht auf Elba und Portoferraio, auf die Täler ringsum und ihre einzigartigen kulinarischen Schätze, die nun endlich wieder zu entdecken und zu verkosten sind.

Information:
Infopark, Calata Italia 4, 57037 Portoferraio (Elba), Region Toskana, Italien, Tel. +39 0565 90 82 31, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.parcoarcipelago.info , www.islepark.gov.it 
Toscana Promozione Turistica, Via Vittorio Emanuele II 62, 50134 Florenz, Toskana, Italien, Tel. +39 055 46 28 01, www.visittuscany.com 
ENIT Deutschland, Barckhausstr. 10, 60325 Frankfurt am Main, Tel. 069 23 74 34, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.enit.de 

Essen/Einkaufen/Übernachten:
Agriturismo Due Palme, Loc. Schiopparello 28, 57037 Portoferraio, Tel. +39 388 743 37 36, www.agriturismoelba.it 
Agriturismo Tenuta la Chiusa, Loc. Magazzini 93, 57037 Portoferraio, Tel. +39 0565 933 046, www.tenutalachiusa.it 
Agriturismo Montefabbrello, Loc. Schioppparello 30, 57037 Portoferraio, Tel. +39 338 618 35 84, www.montefabbrello.it 

Wellness/Yoga/Ayurveda:
Terme San Giovanni, Loc. San Giovanni, 57037 Portoferraio, Tel. +39 0565 914 680, www.termeisoladelba.it 
Hotel St. Stefano, Via Santo Stefano, Loc. Magazzini 8, 57037 Portoferraio, Tel. +39 0565 933 161, www.elbahotelelba.com/de 
Hotel mit Yoga-Terrasse (www.elbayoga.eu; Yogastunde 15 €).
Villa Ottone, Loc. Ottone 4, 57037 Portoferraio (Bagnaia), Tel. +39 0565 933 042, www.villaottone.com 
Naturoase mit Ayurveda- und Massage-Angebot, in der schon Maler Paul Klee wohnte!

Fotos: Ellen Spielmann

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