Grand Resort Bad Ragaz: Kulinarik der Extraklasse

Das eine Stunde von Zürich entfernte Grand Resort Bad Ragaz ist ein Zufluchtsort für alle, die den Stress des Alltags vergessen wollen.

Wenn man an einem schönen Tag im siebten Stockwerk des "Spa Tower" im Grand Resort Bad Ragaz auf dem Balkon die Sonne genießt und über Berg und Tal blickt, spricht nichts dafür, dieses Ambiente zu verlassen: Ein Butler steht zur Verfügung, der auch eine feine Mahlzeit und einen guten Wein in die geräumige Spa-Suite mit ihren bodentiefen Fenstern bringen könnte. Danach könnte man in der eigenen Sauna im Bad die Kalorien abschwitzen oder sich in die Dampfdusche setzen. Oder man könnte sich in die große, mit Thermalwasser aus der nahe gelegenen Tamina-Schlucht gefüllte Badewanne legen – mit wahlweiser Aussicht auf das Umland oder auf einen Bang & Olufsen-Fernseher.

Gewiss eine verlockende Vorstellung. Doch würde man sehr viel verpassen. Beispielsweise das preisgekrönte Spa mit seiner 90-minütigen Sequoia-Zeremonie als Signature-Behandlung. Die Essenz der Mammutbäume verleiht Erdung und hilft, nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Im Wortsinn in besten Händen fühlt man sich bei Nicole Benak. Seit mehr als zehn Jahren geht die sympathische junge Frau ihrer Berufung nach, zwischenzeitlich führte sie Andenüberquerungen in Argentinien. Nach einem Fußbad mit Salzpeeling und ihrer wohligen Ganzkörper-Kräuterstempelmassage fällt es einmal mehr schwer, in die Wirklichkeit zurückzukehren.

Thermalspa.
Thermalspa.

 

Doch am Abend wartet mit dem IGNIV ein Restaurant der Extraklasse. Dort stellt Ideengeber Caminada, der mit seinem Restaurant im Schloss Schauenstein weit über die Schweiz hinaus kulinarische Maßstäbe setzt, das bewusste Teilen in den Mittelpunkt. Statt einer klassischen Menüfolge werden alle Speisen in kleinen Schalen, Tellern oder auf Platten zum Teilen in der Tischmitte platziert. IGNIV stammt aus dem Rätoromanischen und steht für "Nest", ein Synonym für Behaglichkeit und bewusstes Teilen.

"Entdeckung des Jahres 2017"

Caminadas Statthalter Silvio Germann erhielt bereits neun Monate nach der Eröffnung des IGNIV Ende 2015 einen Michelin-Stern und 2017 wurde er vom Gault&Millau zur "Entdeckung des Jahres 2017" in der Deutschschweiz gewählt. Sein Menü umfasst – dem Teilen sei Dank – neben vier kleinen Häppchen sechs Vorspeisen, fünf Hauptgänge und vier Überraschungen gleich sechs Desserts. Es ist eine außergewöhnliche Gedächtnisleistung des zuvorkommenden Serviceteams, sämtliche Gerichte samt Zutaten ohne Spickzettel rezitieren zu können. Eine kleine Auswahl der kulinarischen Preziosen: "Entenleber – Rhabarber – Schokolade – Brioche" mit Rhabarber als Gel, eingelegt und dünn aufgeschnitten, "Zander-Carpaccio – Zwiebel – Grapefruit" mit 20 Minuten in Salzlake gegartem Zander, Zwiebelsud mit Zitrone und Zitronengras und dehydrierter Grapefruit oder "Spargel-Zitrone" aus weißem gekochten Spargel, grünen, eingelegten Spargelsitzen, Zitronenvinaigrette, eingelegter Zitrone sowie warmer Mayo mit Nussessig und Senf.

Gastgeber und Sommelier Francesco Benvenuto ist Italiener von kalabrischer Herkunft. Seit dem Ende seiner Ausbildung lebt er in der Schweiz: "Ich liebe die Berge und wollte immer in der Alpenregion arbeiten", so der Mittdreißiger. Besonders gern zieht er großformatige Dreiliterflaschen auf – der Sharing-Gedanke lässt grüßen.

Francesco Benvenuto.
Francesco Benvenuto.

 

Seine Vorliebe gilt dem Pinot Noir und hier vor allem die Erzeugnisse aus dem Spitzenweingut Romanée Conti, dessen erlesene Tropfen zum Preis von deutlich über 10.000 Euro je Flasche in seinem Keller lagern. Die Weine der Bündner Herrschaft liegen ihm ebenfalls am Herzen. Sie prägen seine Weinkarte und sollen noch zahlreicher erscheinen. Viele der Winzer kennt der umtriebige Benvenuto persönlich. Mit gutem Grund kürt ihn der eidgenössische Gault&Millau in seiner aktuellen Ausgabe zum Schweizer Sommelier des Jahres 2018.

Bier aus Thermalwasser

Eine Versuchung ist auch das "Quell 36.5" genannte Bier, das aus Thermalwasser gebraut und aus der 0.375 Liter Champagnerflasche eingeschenkt wird. Goldgelb, mit einer kompakten und langanhaltenden Schaumkrone präsentiert es sich im Glas. Der Name ist eine Hommage an das 36,5 Grad warme, heilende Thermalwasser, das 1242 von Mönchen im nahen Kloster entdeckt wurde und das Resort versorgt. "Das weiche Wasser macht das Bier mit seinem Alkoholgehalt von 5,4 Prozent harmonisch und ausgewogen. In der Nase entfaltet sich eine herrliche Honignote, etwas malzig, auch frisch getrocknetes Heu ist erkennbar, die Kohlensäure ist feinperlig", erläutert Sandra Klotz, Biersommelière und Restaurantleiterin des Restaurants Zollstube im Rahmen ihrer Bier-Degustation. Sie hat maßgeblich zur Entstehung des Gerstensaftes beigetragen und reicht es besonders gern zum Aperitif, aber auch zu Fisch- und hellen Fleischgerichten.

Ambitionierte Absichten

Neben dem IGNIV und der Zollstube sorgen fünf weitere Restaurants dafür, dass keine kulinarischen Wünsche offen bleiben. Zum Beispiel das auf 750 Metern Höhe über dem Rheintal auf einem Felsvorsprung thronende Schloss Wartenstein. Im "Weitblick" genannten Speisesaal tafelt man – Nomen est Omen – mit Postkartenblick auf die umliegende Bergwelt und das Heidiland. Man ordert Kleinigkeiten zum Teilen am Tisch, mit jugendlicher Lockerheit gereicht vom charmantem Serviceteam: etwa eine Schale mit Schmortomaten, Grapefruitdressing und Burrata etwa, Zanderknusperli mit Kräutermayo, Bratwursträdli oder geräuchertes Forellenfilet mit Crème Fraîche, Zwiebeln und Apfelscheiben.

Blick aus dem Restaurant Wartenstein.
Blick aus dem Restaurant Wartenstein.

 

Es tut sich einiges im Grand Resort Bad Ragaz: Zum 150-jährigen Jubiläum im Juli 2019 soll das seit 1869 bestehende Grand Hotel Quellenhof nach einem fünfmonatigen Umbau neu eröffnet werden. Sämtliche Zimmer und Suiten, Lobby, die Bar sowie das kulinarische Konzept werden erneuert. Der nicht wenig bescheidene, aber durchaus realisierbare Anspruch von Geschäftsführer Patrick Vogler und Hoteldirektor Marco R. Zanolari: der Aufstieg der "Grande Dame" zum führenden Grand Hotel Europas.

Kulinariker-Empfehlung: Am 19. August 2018 bringen mehrere hochdekorierte Spitzenköche – darunter Andreas Caminada, Heiko Nieder und Sven Wassmer – 261 Gault&Millau-Punkte zur Garden Party in den Park des Grand Resorts. Dazu Schweizer Weine, angeführt vom weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Bündner Top-Weingut Gantenbein.

Fotos: Grand Resort Bad Ragaz

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Zuletzt bearbeitet am 10/07/2018

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