Tenuta Feudi di San Gregorio: Ambitionen mit Vision

Seit Antonio Capaldo 2009 Präsident des renommierten Weinguts in der kampanischen Irpinia, dem grünen Hinterland Neapels wurde, hält die vom Gut maßgeblich mit angeschobene Renaissance des Weinbaus in Italiens Süden nicht nur an…

Auf dem Fundament lokaler Traditionsreben wie Aglianico, Fiano di Avellino, Falanghina und natürlich Greco di Tufo interpretieren Capaldo und Team (200 Frauen und Männer!) das landwirtschaftliche Herz des Gutes neu und haben ihn zum Vorzeigebetrieb des italienischen Weinbaus gemacht. Dabei spielen neben modernster Technologie und Knowhow auch Design, Kunst und das ergiebige Erbe lokaler Kultur eine entscheidende Rolle zur Findung der neuen Identität. Dabei geht es ohne Pause und mit hohen Zielen auch in anderen Regionen Italiens weiter vorwärts in die Zukunft, ohne die Bodenhaftung zu verlieren.

Wein und Kunst

Die Vergangenheit lehrt die Zukunft! Dies ist eines der Credos von Antonio Capaldo, der aus der langen Vergangenheit der Kulturlandschaft Irpinia nicht nur Inspiration, sondern ganz praktisch auch das Weinerbe schöpft. Über 200 sogenannte Patriarchen-Weinstöcke stehen im Weinberg Giardino del Serpico nahe dem Dorf Sorbo Serpico, das unter dem Pontifikat Gregors des Großen (590 – 604) im damals päpstlichen Patrimonium Sancti Petri gegründet wurde.

Verantwortlich für die Rekultivierung geradezu einmaliger Weine wie uralter Aglianico-Rebstöcke und der Sirica-Traube, Ergebnis der genetischen Reproduktion von drei Patriarchen-Weinstöcken einer alten, autochthonen kampanischen Weinrebe, sind Geschäftsführer und Agronom Pierpaolo Sirch und Marco Simonit. Seit 15 Jahren sind sie die "Weinflüsterer" des Gutes, entwickelten und entwickeln auch in Kooperation mit der Uni Mailand das nötige Knowhow für neue Ausbildungsmethoden zum Rebschnitt und bewahren das genetische Erbe von 60 bis 200 Jahre alten Rebstöcken und Weinreben aus Irpinien (Irpinia). Nur dank geduldigem Studium entstand so auch der Serpico – ein Kondensat der Früchte jahrhundertealter, fast "archäologischer" Weinstöcke, die das Gut über die Jahre tatsächlich auch an- und zukaufte.

Ganz nebenbei erhielt man damit auch Weinstöcke, die der Reblaus widerstehen. Es sind diese gehegten und gepflegten "Patriarchen", die den Machern der Tenuta den starken Mut für die Zukunft machen. Manche dieser Rebstöcke sind spektakulär: Bis zu 2,50 m hoch, die Triebe bis zu vier oder gar fünf Meter lang.

Auf Expansionskurs

Aktuell errichten die Feudi di San Gregorio einen Jahresumsatz von 25 Mio. Euro und exportieren in 50 Länder. Dabei verlässt man sich nicht nur auf die grandiosen Böden der grünen Irpinia mit ihren bis auf 1800 m ansteigenden, oft schneebedeckten Berggipfeln, die durchaus strenger Winter indizieren, vor allem aber auch für regelmäßigen Regen sorgen.

Feudi Weinberg Falanghina.
Feudi Weinberg Falanghina.

 

Die Tenuta Feudi di San Gregorio expandiert. Betriebe in Apulien, der Basilikata (Basilisco!), der Toskana (Campo alle Comete!) und sogar auf Sizilien und in Friaul wurden erworben, Capaldos Passion für den Weinbau erfasst nun fast ganz Italien – auf nun über 300 Hektarn. Dabei prägt jedes Gut das Credo der Feudi auf seine eigene Weise. Dazu zählt auch der sogenannte "Dubl", der Metodo Classico auf den 250 Hektarn, davon 60 historischen Hektarn, in der Heimatregion Kampanien. Anfangs nur ein Traum wurde er 2016 vorgestellt und ist nunmehr Realität. "Dubl Esse", d. h. Auslesen in limitierter Auflage, die der visionäre Designer Fabio Novembre sogleich kreativ umsetze.

Denn eine der wichtigsten Visionen von Feudi di San Gregorio ist die Überzeugung, dass ein Wein in demselben kreativen Prozess entsteht wie ein Kunstwerk. Für Dubl Esse bezog sich Fabio auf minimalistische Ästhetik, metaphysische Poetik und den Namensgeber des Gutes, Papst Gregor den Großen. Inspirierend waren Heiligenbildchen und die päpstliche Tiara, mit der der heiliggesprochene Gregor stets dargestellt wird und die auch Triregnum genannt wird. Schon war das Design der Flaschen da: drei sich nach oben verengende Bänder, wie die drei Kronreifen der Papstkrone.

Aber entscheidend bleiben natürlich Liebe und Leidenschaft zur Pflege der Weinstöcke, Weinlese, Warten, Wissen und Geduld. Nur so kann tatsächlich ein Kunstwerk entstehen. Und dafür steht CEO Sirch, "Weinbergmann" und Weinflüsterer vor Ort. 1986 wurde das Weingut gegründet, doch den neuen Weinkeller, einen der ersten mit spektakulärer Architektur schuf Architektin Hikaru Mori erst 2004.

Mit Sorgfalt und puristischer Linienführung unterstrich sie die Philosophie des Haus ebenso wie Massimo und Lella Vignelli, die für das Innendesign verantwortlich zeichneten. "Weniger ist mehr" heißt die Devise des in New York lebenden Italieners, der schon im MoMa ausstellte. Ab 2001 schuf Massimo Vignelli auch alle revolutionären Etiketten von Feudi di San Gregorio. Die Qualität der Details – Farbauswahl, Klarheit der Mosaike, warmer Goldglanz – und die Innovation des sehr viel kleineren Formats im Vergleich zu herkömmlichen Etiketten machten die Flaschen weltweit bekannt und führten zur Brand Identity des Unternehmens.

Hikaru hingegen konzentrierte sich auch auf die Eröffnung des Restaurants der Feudi di San Gregorio, des Marennà, das 2009 einen Michelin-Stern erhielt und die typische Küche Irpiniens und Kampaniens repräsentiert. Hikarus Weinkeller aber wurde gleich zwei Mal als herausragende architektonische Arbeit auf der Biennale di Venezia gezeigt. Schließlich ist da auch, neben vielen anderen Künstlern, die hier aktiv wurden, die in Berlin und London lebende kampanische Künstlerin Marinella Senatore (geb. 1977), deren gleich sechs Aquarelle das Gut schmücken.

Fotograf Mimmo Jodice hingegen, ein Neapolitaner, betrachtete die Feudi durch sein Objektiv. Seit 2013 schmücken seine Fotos des alten Aglianico-Weinbergs die limitierten 1000 Flaschen des Serpico 2010. Der Erlös aus dem Verkauf geht an Pater Antonio Loffredo und finanziert Kunst- und Sozialprojekte in Neapels Viertel Rione Sanità.

Feudi Weinkeller mit Barrique Fässern.
Feudi Weinkeller mit Barrique Fässern.

 

Nicht "nur" Greco di Tufo: große Weine der Feudi

Natürlich gibt es auf dem Gut trotz so viel Kunst tatsächlich auch Wein, immer unter den gestrengen Augen von Pierpaolo Strich im Rahmen seiner FeudiStudi hergestellt. Da gibt es Auslesen (Selezioni) wie den Dutizzi, einen Greco di Tufo-Protagonisten, den Pietracalda (Fiano di Avellino) oder den leckeren Serrocielo (Falanghina del Sannio), exakt den San Gregorio Serrocielo Falanghina del Sannio DOC 2015 mit 13 % Alkohol, der fünf Monate im Stahl auf eigenen Hefen reift, strohgelb mit grünlichen Reflexen spielt, intensiv duftet, fruchtig und am Gaumen sanft und frisch ist.

Es gibt den Taurasi DOCG, der seit 1994 mit der Riserva Piano di Montevergine ein Flaggschiff der Feudi ist. Und es gibt die Exzellenzen, Blends seltener Reben, die dann die Weine Serpico, Patrimo, Sirica, Campanaro oder Privilegio bilden.

Und natürlich kann man dies außerordentliche Weingut auch besuchen, auf Kellereiführungen und bei Verkostungen kennen- und die Gastfreundschaft der Tenuta schätzen lernen. Das Ganze ist ein sensitives Erlebnis für alle Sinne. Hier der Duft in den Gärten mit Gewürzkräutern, Rosen und Obstbäumen, dort das Fasslager und der Rundgang zum "Zyklus der Trauben", schließlich die Verkostung (3 Weine) oder sogar ein raffiniertes Mittagessen am Buffet des Restaurants Marennà. Die Tenuta di San Gregorio ist bestens aufgestellt – und verwöhnt sie auch beim Online-Kauf mit Weinpreziosen der besonderen Art.

Information, Online-Shop:
Weingut: Feudi di San Gregorio, Loc. Cerza Grossa, 83050 Sorbo Serpico (Avellino), Kampanien, Italien, Tel. +39 0825 98 66 83, www.feudi.it 

Weingutbesichtigung (90 Min.): Führung und Verkostung von drei Weinen 15 €; Führung und Verkostung von drei Weinen mit Brotzeitbrett mit irpinischen Würsten, Käsen und Brotkorb 25 €
Weingutbesuch, Mittag-/Abendessen im Sternerestaurant Marennà, geführte Weinverkostung (3 Spitzenweine; 3 Std.; mind. 15 Pers.): 45 €

Submit to DiggSubmit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn
Zuletzt bearbeitet am 04/07/2018

Artikel weiterempfehlen und/oder drucken (auch PDF):

Letzte News

Letzte Artikel

Genuss-Newsletter abonnieren?

Mit der Anmeldung zu unserem Newsletter erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen (s.l.) einverstanden. Eine Bestätigungsmail mit einem Aktivierungslink wird nach der Anmeldung an die angegebene Mailadresse versendet. __________________________
KULINARIKER - Das Magazin für mehr Genuss.
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.