Autochthon von 1640

Alessandro Comelli vom Weingut und Agritusrismo Betrieb "I Comelli" hat fast ein Alleinstellungsmerkmal in der Region: Cjavalgjan!

So ein wenig ist es im Friaul bei der Familie Camelli wie bei den Bonanza-Cartwrights auf der Ponderosa. Durch ein Tor fahrend, liegt eine lange Auffahrt vor dem Besucher bis hin zum Haupthaus, ehe Alessandro Comelli (71) und seine drei Söhne einen begrüßen. Die Comellis betreiben einen Agriturismo Betrieb, Landwirtschaft und ein Gästehaus mit einigen Zimmern ist eines ihrer Geschäfte. Viel Emotion und Leidenschaft steckt die Familie allerdings in ihr Wein-Business. Doch wie bei so vielen Familien in der Region, erklärt uns das Familienoberhaupt, "gibt es hier kaum eine Familie, die nur vom Weinmachen lebt. Die Landwirtschaft ist immer das eigentliche Standbein."

Wir stehen mit Alessandro im Schatten seiner Winery, die Hitze lähmt uns. Im Schatten der Berge kommt kaum ein Windzug hinunter zu den Comellis. Doch grün ist die Region, im Frühjahr sorgen das angenehme Mischklima, die Winde der Berge und die mediterrane Luft für angenehme Temperaturen, und schaffen so die Grundlage für ein üppiges Pflanzenwachstum und eine hohe Biodiversität. Schon seit einigen Jahren haben sich die Weine aus der Region Friaul-Julisch Venetien einen festen Platz in der Weinwelt gesichert. Gerade mit einigen Sauvignons haben viele friaulische Winzer ihre Liebhaber finden können.

Die Auffahrt des Weinguts der Comellis.
Die Auffahrt des Weinguts der Comellis.

 

Tiefverwurzelt: Romandolo / Autochthone Traube...

"Unser Stolz und unsere Tradition, liegt sicher beim Romandolo Wein. Er ist tiefverwurzelt in den Weinherzen der friaulischen Menschen. Er ist aus der ältesten Rebsorte im Friaul. Allerdings gibt es hier auch eine Rebsorte, die mindestens ebenso besonders ist", erzählt uns Alessandro weiter. "Wir produzieren drei Weißweine und vier Rotweine. Einer unserer Roten ist der Cjavalgjan. Die Traube ist bereits im Jahr 1640 in den Geschichtsbüchern erwähnt worden", so Commeli. Lange Zeit galt sie als verschollen, ehe einige Weinreben, die nie Beachtung fanden bzw. eine Rolle in der Produktion spielten, wieder in Erscheinung traten und nunmehr zu einem festen, wenn auch kleinen, Bestandteil in der Weinproduktion von den Comellis und zwei weiteren Winzern im Friaul gehören.

Gerade mal 5000 Liter werden von dieser autochthonen Traube produziert. Ein Wein, der in der Lagerung verschiedene Geschmacksnoten entwickelt. Nach etwa drei Jahren wird ein lakritzartiges Aroma präsent. Es ist ein recht leichter Wein mit erdiger Nase und dezenter Säure. Im ersten Jahr kommt er durch das mediterrane Klima fast ein wenig salzig daher. Grund genug, diesen Rotwein ruhig zwei oder drei Jahre ins Regal zu legen. "Aber selbst bei längerer Lagerung behält der Cjavalgjan seine schöne rote Farbe. Seit elf Jahren arbeiten wir jetzt mit dieser Traube, aber erst seit fünf Jahren können wir mit ihr produzieren", so Alessandro. "Es ist eine sehr große Traube mit sehr kleinen Kernen. Sie hat einen hohen Ertrag, sodass wir mittlerweile auf etwa 2500 Flaschen kommen", erzählt er weiter.

Die grüne Friaul-Region.
Die grüne Friaul-Region.

 

Historisches Experiment

Etwa 14 Hektar der 40 Hektar Gesamtfläche nutzen die Comellis als Rebfläche. Davon befinden sich etwa sechs Hektar in Steillagen. Die Böden: Ton, mit feinen Anteilen Stein. Die Comellis setzen komplett auf Handlese – und das bereits seit 200 Jahren. Das kleine Familienunternehmen ist in der Region fest verankert. Der 71-Jährige ist stolz auf sein kleines Unternehmen, stolz auf seine Familie mit den drei Söhnen und den sechs Enkelkindern. Doch es gab auch schlechte Zeiten, in denen die Familie im Verlauf des Zweiten Weltkriegs von ihrem Land vertrieben wurden. "Das war 1944, aber bereits ein Jahr später waren wir wieder hier", erzählt er nachdenklich.

Alessandro Comelli blickt auf eine lange Karriere zurück, hat viel erreicht mit seinem Agritourismo Betrieb – und mit seinen friaulischen Weinen. Und wer mal etwas jenseits des Mainstream probieren will, sollte sich den Namen Cjavalgjan merken. Kein Wein der die Massen erobern wird, aber allemal ein schönes, historisches Experiment, das sich gut im Reigen friaulischer Käsesorten mit lokalen Honigsorten einfügt!

Der Cjavalgjan.
Der Cjavalgjan.

 

Weitere Informationen unter: www.icomelli.com 

Fotos: Michael Schabacker

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Zuletzt bearbeitet am 18/06/2018

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