Der Muschelfischer von Grignano

Vom Meer frisch auf den Teller: von der Ernte bis zur Muschel auf dem Teller...

In dem kleinen Hafen von Grignano im Golf von Triest liegen keine millionenschweren Yachten. Es sind ausnahmslos kleinere Boote die hier in der Sonne glänzen. Segelboote liegen neben kleineren Sportbooten, an Land werden Reparaturarbeiten durchgeführt. Hier dreht sich die Uhr etwas langsamer. Einige Arbeiter schleifen per Hand den Kiel eines trockengelegten Bootes, ein älteres Paar liegt auf der Kaimauer und sonnt sich. Wir treffen Davide Pugulin (31), von Beruf Muschelfischer. Mit einem breiten Grinsen, kurzer Hose und Flip-Flops springt der Italiener von seinem Muschelkutter an Land und begrüßt uns.

"Ich bin Davide", sagt er kurz, ehe er uns einlädt auf seinen Kutter zu kommen. Nur wenige Meter weiter legt gerade ein Schnellboot der Guardia di Finanza an. Eigentlich eine Randnotiz. Eigentlich. Denn wir sollten es kurze Zeit später noch mit den Beamten zu tun bekommen. Unsere kleine Gruppe von acht Personen springt aber zunächst auf das kleine Boot des 31-Jährigen. Sitzgelegenheiten? Fehlanzeige. Es ist ein Boot, dass täglich eingesetzt wird um in den Muschelfarmen zu ernten. "Luxus" ist da kein Muss.

Losgetuckert

Nachdem Davide die Leinen gelöst hat, tuckert der kleine Kutter gemütlich durch das Hafenbecken hinaus in den Golf von Triest. Es ist wirklich eine gemütliche Fahrt, Backbord überholt uns eine einsame Ruderin, die ihre Bahnen in Richtung Triest zieht. Die Sonne ist unerbittlich, die Sonnenstrahlen werden an der Wasseroberfläche reflektiert. Ohne Sonnenbrille kneift man unwillkürlich die Augen zu kleinen Schlitzen zusammen.

Das Castaletto die Miramare.
Das Castaletto die Miramare.

 

Etwa 100 Meter entfernt, glänzt in der Sonne das Castaletto die Miramare. Das Schloss liegt inmitten des "Miramare Protected Marine Reserve", ist mit etwa 30 Hektar das kleinste geschützte marine Areal in Italien. Der WWF Italy verwaltet und schützt den Bereich, bietet im Sommer auch Bootstouren an und klärt über das Leben unter Wasser auf.

Schnellboot der Guardia di Finanza

Wir sind gerade mal zehn Minuten unterwegs, da kommt das eben noch im Hafen liegende Schnellboot der Guardia di Finanza auf uns zu. Mit der Steuerbehörde hat wohl niemand so wirklich gerne zu tun. Davide wohl auch nicht. Sein Lachen weicht ein wenig einer ersten Miene. Das Schnellboot legt an, im hinteren Teil des Kutters diskutieren Davide und zwei Beamte gestikulierend. Papiere werden ausgetauscht, es wird telefoniert. Eine halbe Stunde schauckelt unser kleines Boot still hin und her. "Das ist mir in der letzten fünf Jahren noch nie passiert", erzählt uns Davide. Irgendwann klärt sich alles auf. Es sei wohl ungewöhnlich, dass ein Fischer mit Touristen oder Passagieren den Hafen verlässt. Aber unser Kapitän hat alle nötigen Papiere und Anmeldungen vorweisen können. Denn solch eine kleine Bootstour zu den Muschelfarmen bietet nur Davide an, sonst keiner seiner 14 Kollegen.

Die Guardia di Finanza kommt...
Die Guardia di Finanza kommt...

 

1800 Kilo Muscheln am Tag

Bis zu zehn "Passagiere" bringt er so in den Sommermonaten von April bis Oktober hinaus zu den Farmen, erntet ein paar Muscheln und bereitet sie nach einer zweistündigen Tour mit Pasta zu einem leckeren Lunch im La Terrazza dell`Ostello zu. Und das zu einem durchaus bezahlbaren Preis von maximal 30 Euro.

Ein nicht ganz unwichtiges Einkommen für Davide, denn letztendlich ist es ein saisonales Geschäft, dass er mit den Muschelfarmen betreibt. In den Sommermonaten erntet er bis zu 1800 Kilogramm Muscheln, im Winter sind es gerade mal 300 Kilogramm am Tag. Pro Kilogramm verkauft der Fischer seine Muscheln dann für etwa 90 Cent. "Aber reich werde ich damit nicht", sagt er uns weiter. "Früher war das mal ein sehr einträgliches Geschäft. Aber die Zeiten sind schon lange vorbei." Die größte Konkurrenz für sein Business seien Muscheln aus Spanien und aus der Türkei, berichtet er weiter. "Die verkaufen ihre Muscheln schon für 60 Cent das Kilogramm."

Die Muschelfarm...
Die Muschelfarm...

 

Auf die Wasserqualität achten

Seit acht Jahren ist der in Triest geborene Davide nun Muschelfischer. Doch ernten kann er nicht zwingend jeden Tag. Täglich misst er die Wasserqualität. Werden aus welchen Gründen auch immer bestimmte Werte erreicht, darf er keine Muschel aus dem Wasser holen. Denn Muscheln filtern Wasser, nehmen so – zumindest zeitweise – Schadstoffe auf. Doch das Wasser hier im Golf von Triest hat eine gute Wasserqualität. Probleme hat David hier kaum.

Womit er Probleme hat, ist das Gewicht der an Netzen hängenden Muscheln. Denn als er uns ein paar Muscheln zeigen will, versucht er kurz einen etwa fünf Meter langen Muschelstrang anzuheben. "50 bis 60 Kilo wiegen die Muscheln an einem Seil", erzählt er lachend. Normalerweise hebt er sie nicht von Hand hoch, dafür hat er eine Motorwinde mit einem kleinen Haken zum Hochziehen. Aber für ein Foto macht er es gerne, ehe es kurze Zeit später wieder zurück in den Hafen von Grignano geht.

Ein Muschelstrang wiegt bis zu 60 Kilogramm.
Ein Muschelstrang wiegt bis zu 60 Kilogramm.

 

Weitere Informationen unter: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

Fotos: Michael Schabacker

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Zuletzt bearbeitet am 14/06/2018

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