I drink to make other people more interesting

Zu tun hat er immer etwas. Federico Cremesco (42) ist ein kleiner Tausendsassa in dem kleinen italienischen Örtchen Polcenigo...

"Hier bitte nicht fotografieren", sagt uns Frederico und weist mit seiner rechten Hand in den hinteren Teil seines kleinen Labores. "Da sind meine kleinen Geheimnisse, alles was meine Produkte ausmacht", erzählt er weiter. Um in diesen Bereich zu kommen, zwängen wir uns durch eine schmale Tür der Famacia, einer ehemaligen Apotheke, durchqueren einen vielleicht 15 Quadratmeter großen Show Room. In seinem angeschlossenen kleinen Labor befinden sich Pipetten, Absinth Pflanzen, an Kleiderbügeln hängende Kamillebüschel, verschiedenste Kräuter, Flaschen und ein kleines Holzfass.

Der "Schnapsmacher" steht vor uns, halblange Hose, einen weißen Kittel flüchtig über die Schultern gestreift. "Hier generiere ich alle Aromen für meine Produkte. Und das sind nicht gerade wenige. Alleine für meinen Gin sind es 43 Botanicals, allerdings gibt es auch einen Gin mit nur sieben Zutaten", so Frederico weiter. Sein Amaro, der gerade erst zwei Monate auf dem Markt ist, ein Bitter und ein "Vermut" komplettieren seine Produktpalette. Gut 150 verschiedene Gins gibt es alleine in Italien, erzählt er uns. Sein Gin kommt mit 43 Prozent daher – und 43 Botanicals. So steht es auch entsprechend auf der Flasche. Und vier plus drei ergibt sieben. So wie bei allen seinen Produkten. Sein Bitter hat 34 Prozent, besteht aus 34 Zutaten. Drei plus vier = sieben. Der Amaro liefert mit 16 Botanicals und 16 Prozent Alkohol ab. Eins plus sechs ergeben wieder sieben.

Fast ein wenig Impro-Labor: Pflanzen hängen zum Trocknen an einem Kleiderbügel.
Fast ein wenig Impro-Labor: Pflanzen hängen zum Trocknen an einem Kleiderbügel.

 

Die Zahl sieben zieht sich als Alleinstellungsmerkmal durch sein gesamtes Sortiment. "Die Zahl 7 ist einfach überall zu finden, wie zum Beispiel die sieben Weltwunder und vieles mehr." Fast überflüssig zu erwähnen, dass er 2011 – also vor sieben Jahren – anfing erste Ideen zur Produktion der eigenen Alkoholika zu entwickeln. Final startete er dann vor drei Jahren mit den ersten Flaschen, die er hauptsächlich in Italien an die Gastronomie und Hotellerie liefert. Bis zu 5000 Flaschen produziert er jährlich von seinem Gin, vom Wermut und dem Bitter sind es etwas weniger Flaschen. Und der Preis? Nun, die viele Handarbeit, die One-Man-Show und die Produktion hat seinen Preis: der Gin kostet den Endverbraucher etwa 39 Euro. Für 500 ml versteht sich.

Hemingway ist stets dabei

"Doch genug von Pipette und den Pflanzen, lasst uns den Gin und die anderen Produkte mal probieren", fordert uns Frederico auf. Gerne! Einmal über die kleine Hauptstraße des Ortes gegangen, hinein in die Bar Polcenigo. Hier arbeitet er freitags und samstags. Denn sein "Hobby" des Schnapsmachens muss finanziert werden. Und da die Kräuter in dem Zeitraum zwischen Juni und August wachsen, bleibt natürlich noch Zeit – und die Notwendigkeit besteht entsprechend auch – einer anderen Arbeit nachzugehen.

Fred Jerbis Tasting in der kleinen Bar Polcenigo.
Fred Jerbis Tasting in der kleinen Bar Polcenigo.

 

Über 100 Ginsorten füllen die Regale der kleinen Bar, diverse Tequilas und Wodkas stehen natürlich ebenfalls Spalier. Doch sein Lieblingsgetränk ist Gin Tonic. Nicht damit, aber mit (s)einem Bitter starten wir. Etwas orangefarben kommt der Bitter daher, hat einen schönen Duft. Der "Vermut" ist naturgemäß ein ganz anderes Produkt. 25 Botanicals vereinen sich in diesem Getränk, kommen etwas süßlich daher, klar, ergeben aber ein rundes Produkt. Drei Absinth- und zwei Orangensorten werden hier unter anderem eingesetzt.

Der Gin mit Kamille ist ein ganz besonders Produkt. Nur sieben Botanicals vereinen sich zu einem aromatischen Getränk, dass durchaus auch ein wenig Schärfe abgibt. Gut vorstellbar, diesen Gin mit etwas Ingwer aufzupeppen. Dieser Gin ist auch sein teuerstes Produkt: 55 Euro kostet eine kleine Flasche mit 500 ml. Ein Gin, der nur in einer sehr begrenzten Stückzahl auf dem Markt zu finden ist.

Nach diesen verschiedenen Drinks wird die Welt in der kleinen Bar schon etwas bunter. Bunter, als es dort ohnehin schon ist. Denn überall sind in der Bar Kleinigkeiten zu entdecken. Und der Leitspruch Ernest Hemingways, der in großen Lettern an der Bar klebt, gehört unbestritten dazu: "I drink to make other people more interesting".

Recht hat er gehabt!

Weitere Informationen: www.fredjerbis.com 

Fotos: Michael Schabacker

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Zuletzt bearbeitet am 15/06/2018

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