Luce, Luce, Luce...

Frescobaldis Supertoskaner aus der Tenuta Luce della Vite im toskanischen Brunello-Weinmekka Montalcino überzeugt schon seit Jahren Fans in aller Welt...

Denn zwar geht ein Gutteil der erlesenen Weine längst nah Übersee. Doch allein acht Prozent der Edeltropfen reservieren sich jährlich Käufer aus Deutschland. Nun hat die Tenuta, die ihr Entstehen einer imposanten Herrenfreundschaft, deren Risikobereitschaft zur neuen Weinspezialität, einem Blend aus Sangiovese und Merlot, und ihren Namen "Luce", "Licht", einer hoch inspirierten Dame verdankt, mit Stefano Ruini einen hocherfahrenen Önologen an sich gebunden, der weit mehr als "nur" Weinmeister ist. Nach dem Önologie-Studium in Piacenza wirkte er 20 Jahre lang in renommiertesten Gütern des französischen Medoc – und ist so die perfekte Wahl gerade für die Vermählung von Sangiovese und Merlot. Seit Januar 2017 steht er für die neuen wie die kommenden Supertoskanerweine der Tenuta Luce della Vite – die nun auch in der gerade fertiggestellten neuen, hyperfuturistischen Cantina reifen und gedeihen können. Eine Revolution, so Stefano Ruini beim Verkostungsgespräch im Edel-Ristorante Bocca di Bacco an Berlins Friedrichstraße wird das aber nicht auslösen. Er erfinde sicher das Rad nicht neu, das wäre vermessen. Aber eine Evolution, die strebt er schon an.

800-jährige Weinbautradition und das Wiedererwachen des Lebens

Sonnenlicht, Feuer, und vor allem Terroir! Stefano Ruini kann sich sehr gut mit dem Markenzeichen der Luce-Weine identifizieren. Für ihn ist das weit in die Familiengeschichte der Adels- und Weindynastie Frescobaldi zurückreichende, die Weinetiketten des Hauses zierende Emblem vor allem ein Feuerzeichen. Dabei zeigt es erst einmal eine Sonne, die in der Renaissance ein häufig verwendetes Symbol für die Rückkehr des Lichts nach der Dunkelheit des Mittelalters darstellte. Umgeben ist das Sonne- und Lichtsymbol von einem Strahlenkranz aus 12 Flammen. Womit das Feuer als Element hinzukommt. Doch erst einmal ist es Hinweis auf die Ursprünge der Familie Frescobaldi. Denn als Vorbild diente eine Darstellung am Hauptaltar der Kirche Santo Spirito in Florenz, exakt im Stadtteil Oltrarno, woher die Frescobaldi stammen und wo sie ihre 800-jährige Weinbautradition begründeten. Den Grund und Boden der heute auch bei Touristen überaus beliebten Kirche mit dem markanten Vorplatz und sicher auch einen Großteil der Architekturkosten stifteten sie. Der Hauptaltar mit dem Strahlenkranz datiert von 1590 und wird Giovanni Battista Caccini zugeschrieben. Geholfen hat wohl auch Gherardo Silvani. Das Zentrum dieser Sonne ist rot wie die Böden der sanften Hügel in der Provinz Siena. Und natürlich darf das Zusammenspiel von Himmel und Erde nicht fehlen. Dies Faszinosum dürfte auch die zwei Begründer der Tenuta inspiriert haben. Zwei Passionen, zwei Kulturen, zwei Freunde: Vittorio Frescobaldi und Robert Mondavi beschlossen Anfang der 1990er Jahre die Zusammenarbeit ihrer beiden Weindynastien. Hinzu kamen später die Söhne, die damals noch jungen Önologen Lamberto und Tim, die sich mit Enthusiasmus an Auf- und Ausbau der Tenuta machten. Nun fehlte nur noch ein Name für diese außergewöhnliche Vision. Die Idee zu "Luce" kam dann Robert Mondavis Gattin Margrit. Durchbrechende Sonnenstrahlen nach einem heftigen Gewitter und das damit einhergehende Wiedererwachen des Lebens in Montalcino hatten sie dazu animiert. Dass dann schon wenig später die Luce-Blends die internationale Weinwelt entzückten und als hell leuchtende Sonnenstrahlen den internationalen Weinmarkt aufmischten, ist schon Legende.

Lamberto Frescobaldi.
Lamberto Frescobaldi.

 

Und es ist nicht zuletzt das Terroir, das Stefano Ruini bewog, nun sein neues Domizil direkt auf dem Weingut zu beziehen. Da habe er des Nachts allerhand Begegnungen, lacht er, vor allem Wildschweine könnten den Schlaf der Gerechten stören. Doch es ist eben auch das Terroir, der Genius loci, der ihn hierherzog. Heute bewirtschaftet die Tenuta Luce 88 ha an drei Orten um Montalcino. 1996 begann alles mit dem Stammgut und einzigartigem Galestro-Boden, auf dem vor allem Sangiovese gedeiht. 2001 kam die nächste Fläche hinzu, vorwiegend Lehm, aber auch Galestro, ideal für Merlot. Schließlich wurde 2016 erneut aufgestockt und zugekauft. Da passte es, dass der Besitzer einer gerade fertiggestellten, in den Hügel gebauten Cantina sich zum Verkauf bereit erklärte. Nach zwei Jahren Umbau ist nun alles fertig. Natürlich ist für Stefano Ruini die Galestro-Erde das Nonplusultra. Denn er schört auf das Terroir. Denn Galestro, dieser berühmte blaugraue Kalkstein-Schieferboden, oft gemischt mit lehmiger Erde ist die wohl älteste verfügbare Erde weltweit. Auf 75 bis 150 Millionen Jahre schätzt Ruini das Alter des Galestro, der sich oft nur in einer fragilen Erdschicht von 40 bis 50 cm über dem nackten Fels auftürmt. Zur Demonstration hat Ruini, der sich bis in winzigste geologische und önologische Details zum Terroir äußern kann, gleich ein Gläschen der Supererde mitgebracht. Das drehen wir mit Vergnügen, und beobachten das rasche Pulverisieren der vor Ort mit starken klaren Strukturen aufwartenden Bodens.

"Man muss die Lebenskräfte des Weinbergs steigern!"

Aber natürlich kann man 3000 Tonnen Galestro, die allein 1 ha Weinberg besitzt, nicht so einfach "umdrehen". Und natürlich weiß Ruine um seine eigentliche Aufgabe als Winzer, insbesondere in Zeiten des Klimawandels. Sein Credo: "Man muss die Lebenskräfte des Weinbergs steigern!" Wer allerdings dazu Chemikalien und anderes Teufelszeug einsetze, begehe Frevel. Das sei eine Vergewaltigung der Natur. Keine Chemie, keine Insektizide, allenfalls ein wenig Schwefle und Kupfer. Das muss reichen. Und natürlich ist Biokompost der natürliche Schlüssel zum Erfolg. Gerade erst haben er und seine Mitarbeiter eine intensive mehrwöchige harte Arbeitsphase hinter sich gebracht. Der aus elf bis zwölf zwischen den Rebstöcken gewachsenen Pflanzen und Kräutern bestehende Biokompost musste wieder auf die Weinberge verbracht, der Boden gedüngt werden. Eine Mordsarbeit, die in idealer Höhe, zwischen 300 m und maximal 430 Meter über dem Meeresspiegel stattfindet, dazu auf Hängen, meist in Südwestlage, mit viel Wald drum herum!

Luce Weinberge in Montalcino zur Weinlese.
Luce Weinberge in Montalcino zur Weinlese.

Welche Erfolge dies zeigt, beweist schon der erste verkostete Wein, zum fulminant leckeren Spargelrisotto gereicht. Und noch bevor wir zum apostrophierten Fünfsterne-Jahrgang Luce 2015 gelangen, haben wir gleich einen ersten Favoriten! Denn der tiefrote Lucente 2015, eigentlich "nur" der "Zweitwein" der Tenuta Luce, ist eine Wucht! Der Blend aus 75 % Sangiovese und zu 25 % Merlot, online für ca. 25 Euro zu haben, entpuppt sich als großartig ausgewogen, wunderbar süffig, voll und rund. Ihn könne man, so Ruini, auch mal so genießen, und natürlich ist der Lucente ein Feuerwerk an Noten, vor allem Richtung Heidelbeere oder Brombeere. Für alle anderen Luce-Weine empfiehlt er aber ein opulentes Essen.

Wenn der Winzer Künstler ist

Stefano Ruini liebt junge Weine, da sie ihren Charakter noch vollumfänglich offenbaren. Hier schmecke man Sangiovese und Merlot mühelos heraus. Und das der Lucente wie der Luce nur als IGT auf dem Markt sei, weil die Weingesetze der Toskana bei Blends von Sangiovese und Merlot keine Prädikatisierung als DOC oder DOCG zulassen, stört ihn nicht im Geringsten. Den ersten Lucente Jahrgang 1995 gab es schon 1997 auf dem Markt. Dieser hier wird – sommers wie winters – seinen Weg machen. Und Gottseidank wurden 270 000 Flaschen abgefüllt. Dann geht es zum großen Bruder, dem eigentlichen Supertoskaner: dem Luce della Vite IGT Toscana 2015. "Fifty-fifty", 50 % Sangiovese, 50 % Merlot, ist das Erfolgsgeheimnis dieses großen Weines, der nicht beim ersten Schluck, dann aber umso beeindruckender seine Grandiosität zeigt. Bei satten 15 % beeindruckt mit vielen runden Tanninen, einer einzigartigen Blume und Aromen, die ihre Wucht nach und nach entfalten. Sein Geheimnis: Er ruht in Beton- nicht in Stahltanks, dann im Barrique.

Stefano Ruini.
Stefano Ruini.

 

Erst einmal genießen wir aber die vollen Aromen (rote Waldbeeren, Kirsche, Vanille), eine großartige Erfahrung, die noch dazu unerhörtes Potential besitzt. Bis 2030 kann der Luce 2015 mühelos genossen werden, er hat also noch ein Riesenpotential. Und der Super-Jahrgang 2015, schon länger von den Önologen der Unis Florenz und Siena vorhergesagt und mit Daten untermauert? Nun, da kann Ruini auch fuchsig werden. Denn heutzutage gebe es ja eigentlich nur noch guten Wein. Es komme eben auf den Winzer an, der den Wein kreiert. Man könne Wein in drei Tagen fertigen – oder aber eben ein Händchen für eben jene Details haben, die einen Superwein eben auch von anderen Spitzenweinen mühelos unterscheiden. Und natürlich findet die Auswahl beim Kunden statt. Man muss den Supertoskaner eben mögen – und kann dann die Arbeit des längst zum Künstler avancierten Winzers entsprechend würdigen.

Wie irisierende Sonnenstrahlen nach einem Gewitter

Beim Luce 2015 ist dies in vollem Umfang gelungen, was natürlich auch seinen Preis hat. Um die 90 Euro (online) dürfen es für eine Flasche schon sein, immerhin 80.000 Flachen sind auf dem Markt. Zum Hauptgang, wahlweise Perlhuhnfilet oder ein Rinds-Entrecote, hat Ruine dann zwei Extraklasse-Weine im Gepäck. Da ist einmal der Luce della Vite IGT Toscana 2006 – satte12 Jahre alt, und online zu Liebhaberpreisen von ca. 110 bis 160 Euro ausgezeichnet. Hier spürt man das Potential des Luce noch mehr – eine grandiose facettenreiche Aromen-Sinfonie, die neben dem einzigartigen Licht der Toskana auch den Geruch von Macchia und Garrigue einfängt. Ein Gedicht! Schließlich ein weiterer Höhepunkt: Der Luce Brunello di Montalcino 2013, natürlich ein reiner Sangiovese, darf in der Tenuta Luce fünf lange Jahre reifen. Seit 2016 gibt es aber eine Änderung, die Stefano Ruini offensiv vorantreibt. Seither geht es in großformatige 3000 l-Fässer, und der Erfolg wird ihm unbedingt Recht geben.

Luce Wine Library: beherbergt alle Jahrgänge von Luce.
Luce Wine Library: beherbergt alle Jahrgänge von Luce.

 

Den Luce Brunello gibt es seit 2007, als der Jahrgang 2003 auf den Markt kam. Vom 2013er Brunello, auch er mit 15 % eine Wucht, sind ganze 25.000 Flaschen im Handel. Man sollte sich also sputen, um diese Extraklasse für sich zu reservieren. Mit (online) 95 bis 100 Euro pro Flasche sind Sie dabei! Und angesichts des überragenden Knowhow von Stefano Ruini darf man auch für die nächsten Jahrgänge mehr als gespannt sein. Wer vor Ort in Montalcino ist, kann dem Weingut auch einen Besuch abstatten und zum Beispiel auch das Weinlaboratorium mit Museum besuchen. Dort sind alle Luce-Jahrgänge der letzten 22 Jahre versammelt – in einzigartigem Licht – wie irisierende Sonnenstrahlen nach einem Gewitter. Und die Supertoskaner-Geschichte setzt sich weiter fort…

Information:
Tenuta Luce della Vite, Loc. Castelgiocondo, 53024 Montalcino, Provinz Siena, Region Toskana, Italien, Tel. +39 340 193 34 31, www.lucedellavite.com 

Fotos: Tenuta Luce della Vite

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Zuletzt bearbeitet am 23/05/2018

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