Ein Traum von Italien - das Vecchia Lanterna in München

Mehr als vierhundert Trattorien, Pizzabäcker und Nobelitaliener soll es aktuell in München geben. Kein Wunder, gilt die Isarmetropole doch nicht umsonst als nördlichste Stadt des Stiefels, deren Einwohner das beim Italiener um die Ecke zelebrierte dolce far niente als Ausgleich für ihr hektischen Großstadtleben zu schätzen gelernt haben, wenn am Wochenende mal keine Zeit bleibt über den Brenner in südliche Gefilde zu fahren.

Leider bieten die vielen Italiener ihren Gästen aber trotzdem nur eine Parodie authentisch italienischer Küche, wie sie zwischen Mailand und Messina an jeder Straßenecke zelebriert wird und verzetteln sich in einem die Geschmacksknospen enervierenden Einerlei von Pizza Margherita, Penne all’arrabbiata und Tiramisù – die, um nicht missverstanden zu werden, zwar zu den großen Klassikern der Küche unserer südlichen Nachbarn gehören, in vielen Fällen aber eben als medioker zubereitete Lückenbüßer für mangelnde Kreativität herhalten müssen. Und scheinbar geben sich große Teile des Publikums damit auch zufrieden.

Ganz anders das Vecchia Lanterna, das sich in einer ruhigen Nebenstraße des schmucken Münchner Stadtteils Lehel versteckt. Was der aus Kalabrien stammende Inhaber und Küchenchef Antonino Denami hier auftischt, gehört zum besten und kreativsten was München in Sachen gehobener italienischer Esskultur zu bieten hat. Schon das moderne, zeitlose, ja in positivem Sinne urbane Ambiente – inklusive einer schönen Terrasse – hebt sich wohltuend vom Standard ab. Ebenso die mehrere hundert Positionen umfassende Weinkarte, die Denamis Frau Mirka Otta, die ursprünglich aus Kroatien stammt, verantwortet. Alleine die Auswahl an Champagner, Spumante und Co. stellt das Angebot so manches Sternerestaurants mühelos in den Schatten. Neben großen Namen wie Gaja, und Masseto finden sich auf der Liste aber auch zahllose Weine aus der zweiten und dritten Reihe, die Kennern ein anerkennendes Raunen entlocken, sobald sie einen davon auf der Karte erspähen. Und natürlich gibt sich Mirka nicht alleine mit Weinen aus Bella Italia zufrieden – Fans finden auch eine schöne Auswahl französischer und deutscher Weine, allen voran deutsche Rieslinge, die in Mirkas Augen viele Gerichte ihres Mannes optimal begleiten. Wir entscheiden uns aber für Italien und starten mit einem feinfruchtigen 2011er Ferrari Prelé Rosé in den Abend.

Schon der großzügige Gruß aus der Küche ist dann ein selbstbewusstes Statement: apart arrangierter, butterzarter, roh marinierter Lachs mit seinem Kaviar und fluffigem Pernodschaum. In anderen Restaurants wäre das schon die Vorspeise gewesen! Als eigentlicher Auftakt des Menüs folgt eine hauchzarte Zucchiniblüte, gefüllt mit würzigem Büffelricotta – obenauf ebenfalls die Blüte, diesmal aber kross herausgebacken. Das Ganze präsentiert auf einem Spiegel von leuchtend grüner Bärlauchemulsion, umgeben von weißem Tomatenschaum. Den Ricotta bezieht Küchenchef Antonino Denami übrigens, wie viele andere seiner Produkte, mehrmals wöchentlich direkt aus Italien und ist schon ohne schmückendes Beiwerk geschmacklich eine Sensation! Der Teller insgesamt besticht vor allem mit seinem fein austarieren Aromenspiel, das von keinem der Elemente dominiert wird und auch hier hat die Präsentation wie schon beim Amuse im Grunde Sterneniveau. Der leichte weiße Tropfen, den Weinfachfrau Mirka zu den ersten beiden Gerichten auswählt, ist der zart nach Stachelbeere und weißer Johannisbeere duftende Sauvignon Blanc 2017 der historischen Cantina Livio Felluga aus dem Friaul. Ein fantastischer Sauvignon, der auch international ohne Probleme mithalten kann.

Gastraum des Vecchia Lanterna .
Gastraum des Vecchia Lanterna.

 

Als zweiten Durchgang probieren wir ein feines Thunfischtatar mit knackigem grünem Spargel und feurigem Chili-Mango, zu dem uns Mirka einen vor Extrakt fast berstenden Roero Arneis "Tre Fie" DOCG 2017 des Piemonteser Weinguts Marrone kredenzt. Wein und Thunfisch harmonieren auf höchstem Niveau, das Gericht an sich ist eine herrliche frische Komposition, die wie die Küche des Vecchia Lanterna insgesamt, exemplarisch für den leichten, aber niemals verspielten Küchenstil von Denami steht, in dem sich klassische Elemente mit modernen Akzenten scheinbar mühelos verbinden. Kurzum: eine unaufgeregte und gleichzeitig hochkreative, saisonale Produktküche, die dabei niemals auch nur ansatzweise die typischen Edelitaliener Klischees bedient. Chapeau.

In Sachen Pasta überrascht uns der Küchenchef dann mit frischen Tagliatelle, die von bissfesten, hocharomatischen Morcheln, saftiger Entenbrust, gerösteten Pinienkernen und Parmesanspänen begleitet werden, bevor Denami uns zum Hauptgang schließlich mit einem Kalbsfilet beglückt. Dazu reicht er rohe Jakobsmuscheln, deren zartes, leicht süßliches und entfernt an Vanille erinnerndes Aroma sich perfekt mit dem auf den Punkt gegarten Filet verbindet.

Zusammengebunden werden die beiden Protagonisten von einer exzellenten Estragon-Hollandaise und fein pürierten Erbsen. Einige Safranfäden verleihen der Komposition dann den letzten aromatischen Schliff. Wo viele Restaurants nach einem gelungenen Auftakt mit dem Hauptgang eher enttäuschen, schwingt sich Denami hier nochmals zu neuen Höhen auf. Und seine Frau Mirka steht ihm bei der Weinauswahl in nichts nach: Zu Pasta und Kalb fließt der zwölf Monate im Barrique ausgebaute Iselis Rosso 2015 der sardischen Cantina Argiolas samtweich die Kehle hinab. Nach roten Kirschen und Pflaumen duftend und mit anhaltendem Finale macht der Rote aus der autochthonen Rebsorte Monica di Sardegna auch lange nach dem letzten Bissen noch Freude an Gaumen. Zum Abschluss des Abends serviert Mirka schließlich ein Tatar von Erdbeeren mit einer leichten, weißen Schokoladenmousse und gehackten Pistazien. Einzig hier hätten wir uns vielleicht ein wenig mehr Mut zur Kreativität gewünscht.

Ein 3-Gang Menü plus großzügigem Amuse bouche belastet das Budget mit 52,50 Euro, das 5-Gang Menü mit 92,50 Euro - für Münchner Verhältnisse und angesichts der gebotenen Qualität die sich durchgängig auf 1-Sterne Niveau bewegt ein Schnäppchen! Die A la Carte Preise sind ebenfalls fair kalkuliert, so dass Gäste sich auch individuell ein Menü zusammenstellen können, das in einer ähnlichen Preisklasse liegt. Eine glasweise Weinbegleitung ist sowohl zum Menü als auch bei a la Carte Bestellungen möglich und sei hier nochmals ausdrücklich empfohlen! Wer erst einmal ins Vecchia Lanterna hineinschnuppern möchte, kann den in drei Gängen servierten Lunch zum Vorzugspreis probieren.

Viva l’Italia!

Weitere Infos:
Vecchia Lanterna
Telefon: 089 81892096
St. Anna Straße 31
80538 München
www.vecchialanterna.de 

Fotos: Thomas Hauer

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Autor

Thomas Hauer

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