Genusswandern in Friaul-Julisch-Venetien (Teil 2)

In unserem zweiten Teil der Genussreise machen wir unter anderem einen Abstecher ins Landesinnere zur weltbekannten, 1897 gegründeten Grapperia Nonino in Percoto, die man ganzjährig besichtigen kann – eine Degustation der edlen Destillate inklusive versteht sich...

Produziert wird bei Nonino zwar nur zwischen Ende August und Ende Oktober – und damit parallel zur Lese, denn bei Nonino werden ausschließlich frische Trester gebrannt – spannend ist ein Besuch der Produktionsanlage mit mehr als zwei Dutzend kleinen Brennblasen, die ausschließlich handwerklich im diskontinuierlichen Destillationsverfahren gefahren werden, vor allem aber des nahe gelegenen, für Besucher liebevoll restaurierten historischen Borgo, der das mit Design- und Kunstobjekten vollgestopfte Besucherzentrum von Nonino beherbergt, aber allemal. 

Wir haben das Privileg, dass uns Francesca Bardelli Nonino – die die mittlerweile 6. Generation des Familienbetriebs repräsentiert – persönlich durch die Degustation einer kleinen Auswahl der insgesamt mehr als 70 bei Nonino produzierten Edeldestillate führt. Neben unterschiedlichsten Grappe – darunter auch zahlreiche sortenreine Varianten, die Nonino 1973 "erfunden" hat, z.B. vom seltenen Picolit, vom aromatischen Moscato oder auf Basis von Chardonnay, gehören zum Sortiment auch einige Obstbrände und natürlich der Amaro, der mit Prosecco aufgegossen einen perfekten Aperitif abgibt. Besonders beeindruckend – die AnticaCuvée, deren Blend von Merlot, Cabernet und Schioppettino-Tresterbränden zwischen 5 und 20 Jahren in französischen Barriquefässern gereift ist und betörende Aromen von weihnachtlichen Gewürzen, Blätterteiggebäck, Orangenzesten und kandierten Früchten verströmt und dabei trotz seiner 43 Volumenprozent butterweich über die Zunge tanzt. 

Zur kleinen Genussprobe in der Grapperia Nonino in Percoto.
Zur kleinen Genussprobe in der Grapperia Nonino in Percoto.

 

Nicht weniger bemerkenswert als die Destillate aus dem Hause Nonino präsentieren sich aber auch die Weine, die in der Region angebaut werden. Neben charakterstarken Terroirtropfen auf Basis zahlreicher autochthoner Rebsorten – allen voran die weißen Friulano, Ribolla Gialla und Picolit, oder der rote Refosco al Peduncolo und der Tazzelenghe – der berüchtigte "Zungenbeißer" – entfalten auch internationale Rebsorten wie Sauvignon, Chardonnay oder Merlot auf den mineralienreichen Böden des Landstrichs ihr volles Potential. Ja viele Weinexperten halten gerade die weißen Gewächse aus dem Friaul für die besten Italiens. Und die werden gemeinsam mit ihren rotten Vettern in insgesamt 8 DOC Gebieten angebaut, wovon die DOC Collio und die DOC Colli Orientali wohl die bekanntesten sind. Das Preisniveau ist angesichts der gebotenen Qualität moderat, die Weine außerhalb der Region, abgesehen von etwas kostspieligeren "Stars" wie Jermann, Mario Schiopetto, Livio Felluga oder Borge del Tiglio, allerdings nur schwer zu bekommen, sind die meisten Weingüter doch klein, die Produktionsmengen daher gering und die Weine - allen voran der Friulano -  auch bei den Einheimischen ausgesprochen beliebt. 

Natürlich gibt es vor Ort aber zahlreiche Weingüter, die für Verkostungen offenstehen. Man kann aber auch das Consortio Colli Orientali, das in der herrschaftlichen Villa Nachini in Corno di Rosazzo residiert, besuchen. Dort besteht nicht dann nicht nur die Möglichkeit gleich eine Vielzahl von Weinen aus den Colli Orientali im Rahmen einer moderierten Degustation und begleitet von lokalen Spezialitäten zu verkosten, sondern diese können im angeschlossenen Shop auch gleich als Mitbringsel erworben werden. Darunter z.B. San Daniele Schinken, denn auch der stammt aus der Provinz Udine und damit dem Herzen des Friaul oder den ebenfalls DOC geschützte Montasio. Ein  Hartkäse, der in drei  "Reifevarianten" angeboten wird. Schmeckt er jung noch ausgesprochen butterig-mild, wird sein Aroma mit zunehmender Reife deutlich kräftiger - beim lange gelagerten Montasio stravecchio schließlich fast streng. Doch auch in Sachen Süßspeisen hat die friulanische Küche, die deutliche Einflüsse aus Österreich, aber auch der slawischen Küche zeigt, zahlreiche Spezialitäten zu bieten – allen voran die Gubana. Ein saftiger, eingerollter Hefekuchen, gefüllt mit Trockenobst und Nüssen, die zuvor zunächst ausgiebig in Wein oder Schnaps gebadet werden. Jedes Dorf, jede Familie, jede Pasticceria hütet ihr ureigenes Gubana Rezept dabei natürlich wie seinen Augapfel. 

Formaggio Montasio.
Formaggio Montasio.

 

Nach all diesen leiblichen Genüssen wird es Zeit, wieder aktiv zu werden, denn die Colli Orientali sind nicht nur ein hervorragendes Weinabbaugebiet, sondern die sanft geschwungenen Hügel ein nicht minder herrliches Wanderrevier. Eine der schönsten Touren beginnt in Venco – nur einen Steinwurf von der Grenze zu Slowenien entfernt und führt über rund 8,5 Kilometer auf und ab durch die Weinberge.

Werfen wir zum Abschluss unserer kleinen Friaulreise noch einen kurzen Blick nach Udine, das sich dank seiner zentralen Lage im Herzen der Region perfekt als Basis für Tagesausflüge in die Berge, wie ans Meer anbietet. Vor allem in der gemütlichen Altstadt mit ihren belebten Plätzen und verwinkelten Gässchen, in der sich venezianische Gotik, Renaissancearchitektur Klassizismus und Wiener Jugendstilelemente zu einer ganz eigenen Melange verbunden haben, verbergen sich zahlreiche Geheimtipps. Z.B. das winzige Laboratorio del Dolce in der Via Sottomonte – der vielleicht beste Zuckerbäcker der Stadt. Oder die Osteria Piere Mortadele – auf Deutsch vielleicht am ehesten als Schenke zur sterbenden Mortadella zu übersetzen, in deren Hinterzimmer – im Vorraum befindet sich eine einfache Kneipe und Bierbar – eine Mutanten-Mortadella mit rund zwei Meter Länge und 50cm Durchmesser feilgeboten wird, zu der lokale Weine ausgeschenkt werden. 

Aber auch Kunstfans kommen in Udine auf ihre Kosten, finden sich in der Stadt doch zahlreiche Früh- und mehrere Spätwerke Tiepolos – allen voran sein imposantes Deckengemälde in der Sakramentskapelle des prachtvollen Doms.

Informationen:
Der Hagener Spezialveranstalter Wikinger Reisen hat gleich mehrere attraktive Wander- und Genussarrangements in der Region Friaul-Julisch-Venetien im Angebot. Eine 10tägige kombinierte Wander-Studienreise gibt es inkl. Flug mit Lufthansa und Halbpension bereits ab 1.425 Euro p.P im DZ. Individuelle Arrangements mit 8 Tagen ohne Anreise bereits ab 548 Euro p.P im DZ mit Frühstück und drei Abendessen. 
Weitere Informationen unter: www.wikinger-reisen.de

Links: 
Fremdenverkehrsamt von Friaul-Julisch-Venetien mit Reistipps und Infos: www.turismofvg.it
 Illy Kaffeeuniversität - Triest: www.illy.com/en-us/company/company/universita-del-caffe
Café Tommaseo - Triest: www.caffetommaseo.it
Buffet da Pepi - Triest: www.buffetdapepi.it
Eataly - Triest: www.eataly.net/it_it/negozi/trieste/
Grapperia Nonino - Percoto: www.grappanonino.it/de
Villa Nachini - Corno di Rosazzo  : www.colli-orientali-friuli.com/de/villa
Laboratorio del Dolce - Udine: www.laboratoriodeldolce.com
Zur Sterbenden Mortadella - Udine: www.pierimortadele.com

 

Impressionen:

Fotos: Alessandro Castiglioni, Thomas Hauer

Submit to DiggSubmit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn
Zuletzt bearbeitet am 02/05/2018

Artikel weiterempfehlen und/oder drucken (auch PDF):

Autor

Thomas Hauer

Letzte News

Letzte Artikel

Genuss-Newsletter abonnieren?

Mit der Anmeldung zu unserem Newsletter erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen (s.l.) einverstanden. Eine Bestätigungsmail mit einem Aktivierungslink wird nach der Anmeldung an die angegebene Mailadresse versendet. __________________________
KULINARIKER - Das Magazin für mehr Genuss.
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.