Perlen aus dem Garten Frankreichs

Ein mehr als angemessener Rahmen: Dinner im neuen "Fontenay" in Hamburg, als flüssige Begleitung "Fines Bulles" aus dem Loire Valley...

Hört man "Fines Bulles", also "Feine Blasen", denkt der Genießer im Falle Frankreichs natürlich zunächst an Champagner, an die flüssigen Edelprodukte aus Reims und Umgebung. Aber es geht auch etwas anders, Produkte aus dem Loire Valley sind zumindest mehr als nur eine Betrachtung wert. Na klar, kommt ein Schaumwein aus Regionen jenseits der Champagne, ist der Name ein anderer. In diesem Fall reden wir dann meist von Crémant (de Loire). Weiß oder rosé sind die Produkte aus dem 12.000 Hektar großen Anbaugebiet. Aber natürlich ist die Region Loire Valley nicht das einzige Areal, dass Crémants produziert. In Frankreich gesellen sich noch der Crémant de Limoux, Crémant de Bordeaux, Crémant de Die, Crémant de Bourgogne, Crémant d’Alsace und Crémant du Jura in den Reigen der Schaumweine.

Bestimmungen für den Crémant

Allen gleich sind die gesetzlichen Bestimmungen, unter denen die Produktionsprozesse ablaufen müssen. So ist, ebenso wie in der Champagne, Handlese oberstes Gebot. Hinzu kommt, dass aus 150 Kilogramm Trauben nur 100 Liter Most gewonnen werden dürfen. Der Fruchtzuckergehalt soll bei mindesten 137 g/l liegen, der Alkoholgehalt muss die "Neun-Prozent-Hürde" nehmen. Hinzu kommen noch Regularien bezüglich der Grundweine und der Vergärung (mindestens neun Monate "sur lie").

Und bevor der Crémant die (deutschen) Regale erobern darf, spricht natürlich auch der nationale Gesetzgeber noch ein Wörtchen mit. In Deutschland muss der Name des Anbaugebiets notiert sein und ebenfalls verschiedene Regularien der Weinverordnung erfüllen (Restzuckergehalt, Rebsorte usw.). Erst dann darf der Crémant seiner Bestimmung folgen. 

Der Begriff des Crémant ist dabei noch gar nicht so alt, kam erst Ende der 1980er Jahre auf den Markt, als auf Drängen Frankreichs durch die Europäische Union bzw. der damaligen Europäischen Gemeinschaft, der Begriff "méthode champenoise" jenseits der Champagne keine Anwendung mehr erfahren sollte. Mittlerweile haben die Crémants einen festen Platz in den Gaumen der Welt gefunden – und durchaus erfolgreich ein Stück vom Kuchen der "Schaumweltpositionierung" abgeknabbert.

Vielleicht nicht ganz so bekannt dürften die einen oder anderen "Crémants" der Region sein, denn was sich nicht Crémant nennen möchte, schafft sich einfach mal ein Alleinstellungsmerkmal. Wie zum Beispiel die Saumurs oder Vouvrays, die sich durch die Region definieren und verschiedenen anderen Bestimmungen unterliegen.

Im Fontenay serviert

Verkostung in Hamburgs Fontenay.
Verkostung in Hamburgs Fontenay.

 

Klaus-Michael Kühnes neues Vorzeigeprodukt der Hotellerie, das "Fontenay" in Hamburg, dürfte ein mehr als angemessener Rahmen für Verkostungen o.ä. sein. Das 100-Millionen-Projekt an der Außenalster ist für die Hamburger Hotellerie schon jetzt, kurz nach der Eröffnung, durchaus ein Benchmark. Doch Star des Abends ist heute aber weniger das Hotel als vielmehr die kredenzten Schaumweine bzw. Crémants; derer acht an der Zahl, mit verschiedensten Rebsorten und aus verschiedenen Teilen des Loire Valley:

Empfang 
Crémant de Loire «Blanc de Blancs» 2014: Ein klassischer Starter. Dazu passend: Sylter Royal. 

Erster Gang  
Mit dem Crémant de Loire Brut von Monmousseau aus Montrichard kam ein Zwölfprozenter in die Gläser, der die Rebsorten Chenin Blanc, Chardonnay, Cabernet Franc und Pinot Noir in sich vereint. Aus dem Département Loir-et-Cher kommt hier ein Tropfen, der 24 Monate gelagert wurde und überraschen frisch daherkommt. Klar, hier regierte die Méthode Traditionelle bei der Herstellung, 7,2 g/l Säure, 12 g/l Restzucker. Ein bezahlbarer Crémant (ca. 12,50 Euro) mit fruchtiger Note, Apfelblüte, frisch, leichte Zitrus. Speise: Spargelsalat mit Sternanis und gebeiztem Lachs.

Chef-Sommelière Stefanie Hehn während der Verkostung.
Chef-Sommelière Stefanie Hehn während der Verkostung.

 

Zweiter Gang
Saumur – «Trésor blanc» 2015: Mit den Rebsorten Chenin Blanc und Chardonnay kommt dieser Saumur mit wenig Säure und mit 12,5 % Alkoholgehalt daher. Für etwa 17 Euro bekommt man einen fruchtigen und leicht mit Vanille akzentuierten Crémant von einem der ältesten Hersteller in der Region, Bouvet-Ladubay. Eine schöne Cuvée mit dem gewissen Touch floraler Exotik, Mineralik, Steinobst- und Zitrusaromen. Übrigens: Fast genau auf den Tag genau – heute vor 30 Jahren (April 1988) – kam der erste Tresor auf den Markt! Passend dazu: Gebratene Gänseleber auf Rhababer-Shiitakekompott.

Dritter Gang
Von Ackermann kommt ein Crémant de Loire – «Ambrosa» Blanc mit 12 % Alkohol in die Gläser. Chenin und Chardonnay ergeben ein Produkt mit fruchtiger Balance, einer tollen Frische, einem dunkleren Geschmack, dem gewissen Hauch Mineralik und einem bezahlbaren Preis: etwa 15 Euro fordert der Crémant. Gewürdigt mit Gnocchettis mit sautierten Kräuterseitlingen.

Vierter Gang
Produzent Pierre Chainier kommt mit dem Vouvray – «Clos de Nouys» Blanc brut schon fast schwachbrüstig daher. 11,5 % Alkohol. Hellgelb kommt der Vouvray daher, Zitrus und Aprikose im Gepäck. Wenig Säure, fast etwas salzig. Knapp 14 Euro kostet der Tropfen: ein guter Kurs. Speise: Seeteufel im Tomatenmantel auf Spinalrisotto.

 Seeteufel im Tomatenmantel auf Spinalrisotto.
Seeteufel im Tomatenmantel auf Spinalrisotto.

 

Fünfter Gang
Der Vouvray Brut Méthode Traditionnelle «Zéro» von Domaine des Aubuisières aus der Chenin-Blanc-Hochburg Vouray, ist ein Zwölfprozenter mit einer schönen aromatisch-fruchtigen Note und einer dezenten Mineralik. Für schmale 15 Euro in den Regalen zu finden. Dazu serviert: Geschmorrte Rinderbacke mit Zwergorangensauce, Gemüsebouquet und Weichweizen.

Und zum Abschluss noch zwei Rosés…
Zuerst der Crémant de Loire brut Rosé (Aromen von Roten Beeren, komplex. Unschlagbar günstig; ca. 6 Euro) und dann der Crémant de Loire – Cuvée Flamme Brut Rosé (ca. 13 Euro): zartrosa, rote Frucht, gut für Desserts / Obstsalate.

Fazit:

Schaumweine als komplette Essensbegleiter? Kann man, muss aber nicht. Es ist Geschmackssache, mit der ständigen Perlage im Mund die Speisen zum Teil zu verfälschen. Auch wenn die vorgestellten Schaumweine durch die Bank weg einen geringen Säureanteil haben, dankt es einem der Magen nach diesem kleinen Marathon eher weniger. 

Letztendlich war dies nur ein kleiner Einblick in die Vielfalt des Loire Valley, dem Garten Frankreichs. In dem riesigen Gebiet tummeln sich etwa 300 Gemeinden; es gibt also viel zu entdecken.

Foto: Michael Schabacker

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Zuletzt bearbeitet am 16/04/2018

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