Auferstanden aus Ruine(n): countryside Luxus auf Mallorca

Die Saison startete jüngst für das Castell Son Claret. Grund genug, Mallorcas Traumhotel nebst der einzigen Zwei-Sterneküche der Insel einen Besuch abzustatten. Fazit vorneweg: ein Genuss pur!

Klaus-Michael Kühne dürfte demnächst freudig und zufrieden auf der Insel den Geburtstag seiner Frau Christine zelebrieren. Und da es sich um einen "Runden" handelt, dürfte die Party ein ganz besonderer Tag werden. Ein besonderer Tag – in einem besonderen Hotel.

Genussvoller Luxus

Besonders macht das Son Claret sicherlich zunächst die Lage. Jenseits des Trubels, etwa eine halbe Autostunde von Palma entfernt, ist das zur Leading Hotels of the World Gruppe gehörende Haus ein Ruhepol und ein Rückzugsort in ein genussvolles Inselpanorama. Dort, wo Mallorca sich schon mit dem Tramuntana Gebirge präsentiert, ein wenig Ursprünglichkeit der Insel noch zu finden ist, dort zeigt das Luxushotel das Abgeschiedenheit ein absolutes Plus sein kann.

Schon die lange Auffahrt zum Hotel, der stilvoll angelegte Garten und die Weitläufigkeit des Geländes (162 Hektar) zeigen: hier taucht der Gast ein in die Welt eines Top-Hotels der Insel. Jetzt, zu Beginn des Jahres, zeigt sich die Pflanzenwelt noch von ihrer zurückhaltenden Seite. Doch die Tage werden länger und der Garten dürfte sich bald in vollster Blüte präsentieren. Und damit dieser auch genügend genossen werden kann, stellt das Hotel 38 zum Teil außergewöhnliche Zimmer und Suiten bereit. Das vielleicht "speziellste" Zimmer befindet sich – wenige Meter vom Haupthaus entfernt – in einem kleinen Turm. Über zwei Ebenen genießt man hier einen Aufenthalt ohne "Ecken und Kanten" - das dürfte in der ungewöhnlichen und "runden" Herberge garantiert sein.

Doch spezielle Zimmer oder Suiten hervorzuheben, ließe die Liste sicherlich sehr lang werden. Denn das Castell bietet durch die Bank weg Unterbringungen auf höchstem Niveau. Und ein weiterer Neubau einiger Suiten ist derzeit im Gange. Demnächst präsentiert das Son Claret also neue ebenerdige Zimmer mit der ebenfalls fantastischen Aussicht auf Mallorcas countryside, die hier in Es Capdella allen gleich ist.

Im Sommer in voller Blüte: Garten des Son Claret.
Im Sommer in voller Blüte: Garten des Son Claret.

 

Und das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Denn als Klaus-Michael Kühne das Gelände und die damalige Ruine erstand, war sicherlich noch nicht absehbar, zu welch einer Blüte das einstige Schloss Jahre später wieder erwachsen würde. Absoluten Fokus legte Kühne auf eine originalgetreue und luxuriöse Gestaltung mit dem gewissen Auge auf Details und Eleganz. Seien es die Kunstwerke an den Wänden, die Verarbeitung hochwertigster Materialien in den Zimmern oder die Ausleuchtung in der schönen Bar: ein stimmiges Bild. Man merkt schon ein wenig, dass das nötige Kleingeld für Ausstattung und Gestaltung vorhanden ist. 2015 wurde Kühne mit Platz 9 auf der Liste der reichsten Deutschen bedacht. Geschätztes Vermögen: 11,9 Milliarden US Dollar!

Kulinarik im einzigen Zwei-Sternerestaurant Mallorcas

Im Haupthaus des Castells findet im Rahmen der abendlichen Barbesuche oder auch mit einem Aufenthalt im Innenhof das gesellschaftliche Leben Son Clarets statt. Direkt an den Innenhof angegliedert befindet sich auch Mallorcas kulinarische Speerspitze: das Zwei-Sternerstaurant "Zaranda". Unter der Leitung von Chefkoch Fernando P. Arellano dürfen die Gäste hier durchaus Außergewöhnliches erwarten. Neun Sternerestaurants hat Mallorca zu bieten, das "Zaranda" ist dabei der höchstdekorierte Genusstempel auf der Insel.

Der 37-jährige Küchenchef hat nach Stationen in Dublin ("Patrick Guilbaud"), dem "Le Gavroche" in London, Neapel ("Don Alfonso"), dem "Maison Pic" (Valenzia) und dem "Can Fabes" in Barcelona schon einige Stationen hinter sich gebracht. 2005 eröffnete er in Madrid sein erstes Restaurant (auch "Zaranda"), erkochte sich dort bereits nach wenigen Monaten den ersten Stern. Erst 2010 zog es Arellano nach Mallorca, ehe er im Mai 2013 im Castell Son Claret anheuerte und sofort den ersten und 2015 den zweiten Stern erkochte.

Das Zaranda: unter der Leitung von Chefkoch Fernando P. Arellano.
Das Zaranda: unter der Leitung von Chefkoch Fernando P. Arellano.

 

Essen und "Träume"

Arellano hat sich aktuell drei Menüs einfallen lassen, welche sich durch die Anzahl der Gänge unterscheiden und entlang der Namensgebung (Menü: Erinnerungen, 7 Gänge, 130 Euro / 195 mit Weinbegleitung; Menü: Erfahrungen, 10 Gänge, 145 Euro / 220 mit Weinbegleitung; Menü: Träume, 15 Gänge, 170 Euro / 255 mit Weinbegleitung) kulinarisch orientieren. Hier ist die Wahl des Träume-Menüs sicherlich eine absolute Empfehlung, dies sei jetzt schon verraten. Allerdings sollte Sitzfleisch für die kulinarische Reise vorhanden sein. Die Menüdauer liegt zwischen vier und fünf Stunden.

Doch belohnt wird der Gast dann mit einer mehr als interessanten Erfahrung und durchaus der einen oder anderen Überraschung. Allen Menüs gleich ist es, dass eine Erklärung durch das Personal wohl durchaus notwendig ist. Wie so oft in der Top-Gastronomie: Ab dem zweiten Stern werden die Gerichte auf den Tellern oftmals weniger "verstehbar". Umso schöner, dass sowohl tellerseitig als auch bezüglich der kredenzten Weine fachmännisch beraten wird.

Von Gold, Seegurke und Lebkuchen

Zu Beginn des Träume-Menüs schickt Arellano die Gäste kulinarisch auf den amerikanischen Kontinent, unter anderem mit einer Reminiszenz an den Día de los Muertos, den "Tag der Toten" in Mexiko. In Totenkopfform und goldfarben lackiert, führt der gebürtige Madrileno mit der "Goldreise" den Gast in die kulinarische Welt mit dem Motto: "Amerika wiederentdecken".

Goldreise in die kulinarische Welt Unter dem Motto: Amerika wiederentdecken.
Goldreise in die kulinarische Welt Unter dem Motto: Amerika wiederentdecken.

 

Kunstvoll angerichtet, stehen auch die folgenden Gänge in enger Verbundenheit zur Überschrift der Gänge auf der Karte. So auch zum Beispiel "Bluehole". Illuminiert und in einer wellenförmigen Schale serviert, reicht der Sternekoch die Abalone Muschel in verschiedenen Variationen weiter. Fast wünscht man sich zu den verschiedenen Gängen noch eine passgenaue und thematisch orientierte Beleuchtung von der Decke. Dies wäre so etwas wie das I-Tüpfelchen zu den wunderbar angerichteten Tellern.

Holothuridea – Seegurke. Vermeintlich. Zunächst jedoch die gemeine Gurke, die, gefüllt mit Thunfisch Tartar und mit Seeigel angerichtet, angedeutet als ein Vorbote der später gereichten echten Seegurke zu sehen ist. Denn sechs Gänge später liegt das hellbraune Objekt "Seegurke" leibhaftig auf dem Teller, abermals mit zwei kleinen Streifchen Seeigel. Nun: ungewöhnlich... Etwas neutral kommt die Seegurke daher, in Kombination mit dem Seeigel und leicht scharf und salzig gewürzt ein schon eher experimenteller Gang.

Gang mit Abalone Muschel...
Gang mit Abalone Muschel...

 

Hervorragend das vermeintlich leichte Gericht zwischendurch. Ein Schälchen asiatische Suppe – gereicht mit ein wenig Gemüse; authentisch und richtig lecker. Ebenso wie ein späterer Gang, bei dem Lebkuchen und Hase ("Paris-Dakar" 3. Etappe) mit Bulgur gereicht wird. Nach bereits zwei vorherigen Gängen mit Hase (mit Foie Gras und mit Linsen), ein mit würzigem und orientalischem Panorama stimmiger, wenn auch nicht alltäglicher Gang.

Rind, schwarzer Trüffel, Seegurke, Lendenbraten, Kleeblatt oder auch Kaviar vom Kalamar: Arellano fährt so manch ungewöhnliches und interessantes Kulinarik-Geschütz auf. Nie der Hang zum Übertreiben, Balanceakt zwischen optischem Reiz und reduzierter Darreichung, ohne dabei die Spannung zu verlieren. Ein Besuch im Restaurant des Castells bleibt in Erinnerung. Nicht allein – bei der Auswahl des großen Menüs – durch den Zeitaufwand, als vielmehr durch den einen oder anderen willkommenen Wow-Effekt. So werden zum Beispiel gekrosste Schweineohren auf einem Ton-Schweinekopf serviert. Oder aber auch ein Aal in gerollter Form, der einem Tongefäß mit Stäbchen entnommen werden kann.

Innenhof des Castell Son Claret.
Innenhof des Castell Son Claret.

 

Sicherlich sehr reizvoll dürfte der Genuss des Menüs im Innenhof des Castells sein - so denn das Wetter mitspielt und die lauen Sommerabende einladen sich im Freien den kulinarischen Köstlichkeiten aus der "Zaranda"-Welt hinzugeben. Ein gastronomisches Kleinod bietet sich den Gästen, wunderbar ausgeleuchtet und mit der entsprechenden Weinbegleitung – wie eingangs bereits erwähnt – Genuss pur. Das Gourmetrestaurant unter der Leitung Fernando P. Arellanos ist sicher nicht das zentralste, aber sicherlich eines der außergewöhnlichsten Restaurants auf der Insel. Und immer eine Reise wert!

Weitere Informationen unter: www.castellsonclaret.com 

 

Impressionen:

 

Fotos: Castell Son Claret, Michael Schabacker

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Zuletzt bearbeitet am 20/03/2018

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