Von der Magie des Terroir - Feudi di San Gregorio

Es ist eine der beeindruckendsten Erfolgsgeschichten der italienischen Weinszene – die erst 1986 in Sorbo Serpico gegründete Kellerei Feudi di San Gregorio gehört heute zu den führenden Weinbaubetrieben in Kampanien und wurde zu einem Symbol für die önologische Renaissance Süditaliens.

Die hier gekelterten Terroir-Weine, allen voran der tiefdunkle Aglianico, gehören regelmäßig zu den am besten bewerteten Gewächsen der italienischen Halbinsel. Kein Wunder, dass Feudi di San Gregorio 2013 mit dem begehrten "Oscar del Vino" zum besten Weingut des Landes gekürt wurde.

Neben Aglianico sind die zwischen 350m und 700m über Meereshöhe in der Provinz Avellino bei Tufo, Taurasi und Santa Paolina gelegenen Weinberge vor allem mit Fiano, Greco und Falanghina Reben bepflanzt. Die rund 250 Hektar im Herzstück des kampanischen Apennins gliedern sich in annähernd 800 (!) Einzelparzellen, manche nicht viel größer als ein Handtuch. Die Reben profitieren dabei vom besonderen Mikroklima der historisch als Irpinien bezeichneten Region, wo schon seit der Antike Weinberge mit Obstbäumen, Wäldern, Olivenhainen und Gewürzkräutern koexistierten und die sich dank relativ kühler Sommer und vergleichsweise harscher Winter gepaart mit hohen Niederschlagsmengen deutlich vom Rest Kampaniens unterscheidet. Deshalb erinnern die stark vom urwüchsigen Terroir geprägten Weine auch weniger an klassische Süditaliener, sondern eher an hochwertige Tropfen aus der Langhe, von der Rhône oder selbst Bordeaux, bzw. aus dem Chablis, von der Loire, dem Rheingau oder der Wachau.

Während die Weißweine von Feudi ausschließlich in Edelstahltanks ausgebaut werden, um die Charakteristik der Einzellagen nicht durch Holztöne zu überlagern, gönnt man dem Aglianico und den anderen roten Rebsorten teilweise 18 Monate und mehr Fasslager in französischer Eiche. Das macht die Weine vor dem Hintergrund des ohnehin von Haus aus recht ungestümen Charakters der Rebsorte in ihrer Jugend nicht eben zugänglich. Vielmehr lohnt es sich den Flaschen einige Jahre Zeit zu geben, denn die Lebensdauer der roten Spitzengewächse erreicht locker 15 Jahre und mehr. Von manchen Einzellagenweinen – egal ob rot oder weiß – gibt es allerdings kaum mehr als 1.600-2.000 Flaschen. Sie gelangen deshalb auch nur selten in den freien Verkauf, sondern gehen an Spezialisten, Liebhaber oder die Sternegastronomie.

Heimat fantastischer Weine: Feudi di San Gregorio.
Heimat fantastischer Weine: Feudi di San Gregorio.

 

Wir hatten Gelegenheit einige aktuelle Tropfen aus den Jahrgängen 2013 und 2015 exklusiv im Rahmen einer Degustation am Vortag der Tre Bicchieri-Verkostung im Bayerischen Hof in München zu probieren. Am meisten beeindruckt hat uns dabei der DUBL Esse Dosaggio Zero – ein herausragender Spumante auf Basis von Greco di Tufo, der 36 Monate auf der Hefe lagert und der es locker mit den Spitzenqualitäten aus der Franciacorta aufnehmen kann. Wunderbar ausgewogen und frisch, mit saftigem, hefigem Bukett und kristallklarer Aromatik perlt der Wein über die Zunge und macht beim Verkosten einfach Spaß. Der perfekte Aperitif, aber auch ein wundervoller Essensbegleiter!

Zum ersten Flight, bestehend aus drei Vertretern des Greco di Tufo – dem Cutizzi, sowie den beiden zur FeudiStudi Serie zählenden Bussi und Laura – allesamt aus dem Jahrgang 2015, serviert das Küchenteam des Bayerischen Hofs einen butterzarten, gerösteten Pulpo mit Avocado und Feigensud. Eine gute Wahl, denn die Avocado kleidet den Mundraum mit einem dezenten Fettfilm aus und verstärkt so die typische Primäraromatik des Greco von Aprikose, Pfirsich, grünen Kräutern, aber auch Gewürzen – vor allem Anis – enorm. Die malolaktische Gärung hat in allen Dreien außerdem cremige, buttrige Noten im Bukett hinterlassen, so dass man im ersten Moment fast glauben könnte, die Weine hätten doch irgendwann auf ihrem Lebensweg Holz gesehen, beim Probieren wird dann aber schnell deutlich, dass hier weder Röst- noch Vanillenoten präsent sind.

Auch Magie des Terroir: Cutizzi.
Auch Magie des Terroir: Cutizzi.

 

Während vom einfacher gestrickten Cutizzi etwa 60.000-80.000 Flaschen jährlich produziert werden, sind die beiden anderen nur in homöopathischen Dosen verfügbar, was schade ist, denn gerade bei ihnen zeigt sich der Terroircharakter besonders deutlich. D.h. die beiden Weine präsentieren sich – obwohl beide Greco di Tufo in Reinkultur – recht unterschiedlich. Während der Bussi neben den sortentypischen Duftnoten auch fast animalische Noten mitbringt, erinnert die Nase des Laura zusätzlich ein wenig an grüne Feigen.

Im zweiten Durchgang geht es um den Fiano, denn wir ebenfalls in drei Varianten aus dem Jahrgang 2015 verkosten. Der Pietracalda, sowie die beiden FeudiStudi Weine Arianiello und Fraedane, zu denen die Küche einen gedämpften Kabeljau mit Pastinakenpüree, Buchenpilzen und rotem Mangold auftischt. Auch hierbei zeigen sich die FeudiStudi Weine in Bukett und Aroma weitaus vielschichtiger und komplexer als der Pietracalda, ja sie wirken fast ein wenig intellektuell, so fein sind hier einerseits das Terroir, andererseits die typischen Fiano Aromen von hellem Honig und Nüssen herausgearbeitet. Definitiv Weine, mit denen man sich auseinandersetzen muss.

Feudi di San Gregorio s Taurasi.
Feudi di San Gregorio s Taurasi.

 

Zu guter Letzt dann noch drei Vertreter der Paraderebsorte Aglianico aus dem Jahrgang 2013, die im Laufe diesen Jahres in den Handel kommen werden: der "normale" Taurasi, sowie die beiden Einzellagen Candriano und Rosamilia. Obwohl alle drei sich auf Grund ihrer Jugend noch vergleichsweise verschlossen präsentieren gilt auch hier: das ganze Potenzial von Rebsorte und Lage zeigt sich vor allem bei Candriano und Rosamilia, die sich in eine dunkelvioletten Robe hüllen, aus der ein betörender Duft nach Pflaumen, Sauerkirschen, Zimt, Vanille und wiederum etwas Anis aufsteigt und die zum parallel servierten Boeuf Bourgignon mit mariniertem Feldsalat und Wurzelgemüse schon heute eine recht ansehnlich Figur abgeben, ihren Höhepunkt aber sicher nicht vor 2020-2025 erreichen werden. Hier ist also Geduld gefragt.

Damit hat Feudi di San Gregorio eindrucksvoll unter Beweis gestellt, welches Potenzial die bewirtschafteten Rebflächen bieten und dass sich die kluge, über Jahrzehnte betriebene Akquisepolitik immer neuer Parzellen langfristig auszahlt.

 

Lage Feudi di San Gregorio:

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Weitere Infos: www.feudi.it 

Fotos: Feudi Di San Gregorio

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Zuletzt bearbeitet am 31/01/2018

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Autor

Thomas Hauer

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