Fünf Sterne für den "kleinen König"!

Darf`s ein Fläschchen mehr sein? Dann liegen Sie richtig mit den herausragenden, doch auch (und noch) kostengünstigen Weinen des Weingutes von Viviana Malafarina und Pierpaolo Sirch im Weingut Basilisco in der süditalienischen Basilikata...

Signora Malafarina, Herz und Geist der Anfang der 1990er Jahre gegründeten Gutes, führt Azienda und Kellerei mit großem Enthusiasmus und Leidenschaft. Ihr zur Seite steht mit Pierpaolo Sirch ein echter "Weinflüsterer" – verantwortlicher Experte nicht nur für die Weinberge, sondern als Geschäftsführer gleich für den gesamten Weinreichtum der Großfattoria Feudi di San Gregorio aus Kampanien, die seit 2001 im legendären Vulture-Gebiet aktiv ist, 2011 einen Klassiker im kleinen Weindorf Barile wiederbelebte und die Azienda Agricola Basilisco übernahm: Seither wird Wein wieder in den "Shesh" bzw. "Sheshë" genannten Dorfhöhlen gelagert.

Rebentüftler Sirch ist auch zu verdanken, dass zu den Klassikern "Teodosio", "Basilisco" und "Sophia" 2017 auch drei limitierte Liebhaber-Auslesen auf den Markt kamen: die prompt mehrfach ausgezeichneten Weine "Storico Basilisco Aglianico del Vulture Superiore DOCG" (1500 Flaschen), "Cruá Basilisco Aglianico del Vulture DOCG 2013" (1600 Flaschen) und "Fontanelle Basilisco Aglianico del Vulture Superiore DOCG 2013" (1600 Flaschen).

"Barolo des Südens": Aglianico del Vulture

Längst hat es sich herumgesprochen, dass in der Basilikata, eingezwängt zwischen Kalabriens Aspromonte und der Murgia, Apuliens kalkreichem Hochplateau, herausragende Weine entstehenden. Flaggschiff in der früher durch Brigantentum und Auswanderung geprägten Region mit gleich zwei Meeren (Tyrrhenisches und Ionisches Meer), wundervollen Almdörfern und spektakulären Sarazenen-Bergnestern in den lukanischen Dolomiten, mit Italiens Antwort auf Rio de Janeiro, der berühmten Christusstatue von Maratea und Europas Kulturhauptstadt 2019, Matera, ist der Aglianico del Vulture. Seit 1971 als DOC geschützt, genießt der kleine Bomber (mind. 13,5 % Alkohol!) Aglianico del Vulture Superiore seit 2011 sogar die Bezeichnung DOCG (Denominazione di origine controllata e garantita). Dass die Weinrebe im 6. Jh. v. Chr. aus Griechenland kam, wissen Historiker. Schon die Römer nannten sie "Vitis Ellenica" und suchten mit ihr, ihren eigentlichen Favoriten, den Falerner, zu verbessern. Dichter Horaz (65 v. Chr. – 8 v. Chr.) rühmte den kräftigen, vollen Geschmack des Falerners, noch mehr aber die Qualität des Weins und die Schönheit der Landschaft in seiner Region. Kein Kunststück: Er kam aus dem Landstädtchen Venosa, das mit Melfi das geschützte Aglianico-Gebiet rund um den Monte Vulture (1326 m) einschließt.

Der Vulkan im Norden der Basilikata rumpelte letztmals vor 40.000 Jahren. Seither liefert das Gebiet nicht nur allerbeste Lebensmittel für die bodenständige, variantenreiche Traditionsküche des Landstrichs, sondern – bis in 800 m Höhe – auch exzellente Weine, an denen sich schon Hannibals Soldaten nach dem siegreichen Scheinangriff auf Rom 212 v. Chr. labten und hier auch mit ihm ihre Wunden kurierten. Erst im 15. Jh. wurde aus diesem Vino Ellenico bzw. Elleanico unter den Aragonesen der Aglianico. Bis heute geblieben ist die rubinrote Farbe des Aglianico del Vulture, der zu den allerbesten Rotweinen Italiens zählt. Gut daher, dass das winzige Dörfchen Barile mitten im Traditionsgebiet liegt und hier die Winzer der Azienda Agricola Basilisco für Furore sorgen. Noch besser, dass sich mit Pierpaolo Sirch ein wahrer Meister der Ampelographie um die Weinberge kümmert. Denn die Bezeichnung Ampelografie für den jungen Wissenschaftszweig der Rebsorten- bzw. Rebenkunde stammt vom griechischen "ampelos" für "Weinstock".

Und wo, wenn nicht hier, am Vulture mit 2500 Jahren Weintradition, ließe sich besser der Reichtum von Anbauregionen bewahren und das ampelographische Erbe schützen? Mit der Uni Mailand sucht Sirch auch die Reproduktion von 70, 80, gar 200 Jahre alten Weinreben, sucht nach jahrhundertealten Aglianico-Rebstöcken und ihrer Wiederimplementierung in den Weinbau. Mit der Anlage von solchen historischen Patriarchen-Weinstöcken am Vesuv wie am Vulture erhält Sirch aber nicht nur das Kulturerbe. Die Reben widerstehen auch der gefürchteten Reblaus, und liefern, in Spezialeditionen wie den oben genannten drei Basilisco-Varianten des Aglianico del Vulture Superiore, erstklassige Raritäten.

Teodosio und Sophia

Kein Geringerer als Stauferkaiser Friedrich II., das "Staunen der Welt", setze sich intensiv für den Weinanbau im Vulture-Gebiet ein. Und so kam es, das Karl von Anjou, als er 1280 das Stauferkastell Lagopesole in der Basilikata besuchte, gleich "400 salme", satte 185 Liter "vino rubeo Melfie" aus den kaiserlich-königlichen Weinbergen orderte. Gleichzeitig verurteilte der Weinkenner seinen Stellvertreter im apulischen Trani, weil der sich nicht für Weinberge interessierte. Ihre Weinorder muss ja nicht gleich den fürstlichen Umfang jener Bestellung besitzen. Doch ein Sixpack des Basilisco Aglianico del Vulture Teodosio 2013 könnte es schon sein. Denn der rubinrot violette Wein, von dem jährlich ca. 30 000 produzierten Flaschen werden, ist eine Granate und Schnäppchen zugleich: Online ist er für 12 bis 18 Euro im Angebot.

Der kleine Bruder: Teodosio.
Der kleine Bruder: Teodosio.

 

Der Teodosio, nur vermeintlich "kleiner Bruder" des Markenzeichens des Weingutes, des Basilisco, ist nach dem byzantinischen Kaiser Theodosius I. (der Große) benannt, der 379 bis 394 Ostrom regierte und 394 kurz letzter Alleinherrscher West- wie Ostroms war. Natürlich ist dieser Rotwein aus dem Bioanbau zu 100 % ein Aglianico del Vulture DOC, in Südostlage auf 500 Höhenmetern und auf sechs Hektar gewachsen. Zehn bis zwölf Monate reifte er im französischen Barrique-Fass und ist wunderbar ausbalancierter, eleganter, feiner, fruchtiger wie auch kräftiger Tropfen mit Waldbeeren- und Pflaumenaromen, den man am besten bei 18°C serviert. Und natürlich passt dazu Herzhaftes: etwa Wildschwein, Hasenragout oder der Weihnachtsbraten! Mancher wird die eine oder andere Flasche sicher aufheben wollen. Die Prognosen sind prächtig, auch für die nächsten Jahre.

Auch für die Weißweinfreunde hat das Haus etwas zu bieten: Der Bio-Weißwein Sophia ("Weisheit") wird ausschließlich aus der lokalen Fiano-Rebsorte gewonnen und in Barile auf nur einem Hektar in 480 m Höhe (Südostlage) angebaut. Die Ernte findet Anfang Oktober statt. Frische Blumen, Rosen und gelber Pfirsich sind Aromen dieses runden Spitzenweins, für den um die 10 Euro verlangt werden. 6600 Flaschen wurden produziert, bei 12°C schmeckt Sophia am besten!

"Kleiner König" Basilisco: ein wunderbarer "Barolo des Südens"…

1192 Winzer kultivieren die mineralreichen Vulkanhänge des Vulture auf 1437 ha Anbaufläche. Schon die schillernd rubinrote Farbe des Aglianico del Vulture erinnert an den Barolo. Winzerorte wie Ginestra, Rapolla, Rionero in Vulture, Ripacandida und vor allem Barile (2800 Einw.) muss man sich also vormerken. Barile, im Mittelalter entstanden, ist berühmt ist für seine in den Tuff gehauenen Höhlen, das Gebiet der Sheshë. Die legten wohl jene Arberesh, christliche Albaner an, die 1477, 1534 und 1597 vor den Osmanen über die Adria hierher ins Exil flüchteten. Mit Bedacht wählte die Tenuta Feudi di San Gregorio 2011 für das Gut Basilisco acht dieser Tuffsteinhöhlen für Kelterei und Reifung des Weins aus. Doch nicht nur die besondere klimatische Situation lockte: 1861 hatte das Tuffsteingrottensystem Sheshë Anführern des lukanischen Briganten-Aufstandes wie Michele Volonnino und dem legendären Caporal Teodoro, Vertrauten des Star-Briganten Carmine Crocco, als Unterschlupf gedient. Und Pier Paolo Pasolini machte das Sheshë-System 1964 im Film Il Vangelo secondo Matteo (Das Evangelium nach Matthäus) sogar weltberühmt.

Natürlich wissen Viviana Malafarina und Pierpaolo Sirch, dass am Vulture die besten Trauben in Höhen bis 500 m wachsen. So wählten sie für ihr Markenzeichen, den Basilisco (100 % Aglianico del Vulture DOC; 13,5 % Alkohol), vier Hektar nach Südsüdost ausgerichtete Rebfläche in 500 m Höhe. Das Terroir ist bestechend: vulkanisch, tuffreich, hochmineralisch, dazu mit Lehmböden. Bei 5000 bis 6000 Weinstöcken pro Hektar können so nach 15 bis 30 Tagen Fermentierung im Stahltank und 12 bis 15 Monaten Reifung im französischen Barrique-Fass 15 000 Flaschen »Basilisco« abgefüllt werden, die dann nochmals ein Jahr lagern. Der Basilisco ist ein klar strukturierter, runder, vollmundiger Wein mit viel Power und Farbe, elegant und mit vielfältigen Balsam- und Fruchtaromen wie Waldbeeren, Pflaume, Kirsche und Johannisbeere aufwartend: eine Zierde für jede Tafel. Noch dazu schont er den Geldbeutel: So ist der spezielle Basilisco Aglianico del Vulture Fontanelle 2013 schon ab 21 bis 31 Euro im Handel. Der Cruá 2013 findet sich für 32 €, der Basilisco Storico 2012 aber schon für satte 84 €. Da wirkt der großartige Standard-Basilisco von 2009 mit 33 Euro sogar günstig.

Der Basilisco Storico.
Der Basilisco Storico.

 

Der Name Basilisco ist von der Basilikata abgeleitet, die aber erst seit dem späten 10. Jh. so heißt. Zuvor war die Region seit der Antike als Lucania (Lukanien) bekannt, abgeleitet wohl von griechisch "Lykos" (Wolf), mithin dem Land der Wölfe. Auch "Lucus", das einst "heiliger Wald, Hain" meinte, oder "Leucos" (Licht) werden genannt. Aber ob nun im Land der Wölfe oder dem des Lichts: Die Basilikata verdankt ihren Namen dem hier lange regierenden Byzanz. Einer der Titel der byzantinischen Kaiserpaares war Basileus e Basilissa dei Romei (König und Königin der Römer). Vor Ort wurde der Kaiser, der Basileus, vom Basiliskos, dem Statthalter und Gouverneur vertreten. Und schon war die Basilikata, das Land des Statthalters von Byzanz, geboren. Und so ist der Basilisco bis heute zwar kein Kaiser, wohl aber ein königlicher Wein aus Italiens Süden, gepflegt und gehegt vom Weinbergflüsterer Pierpaolo Sirch.

Information:
Weingut Basilisco: BASILISCO azienda agricola s.r.l., Via delle Cantine 22, 85022 Barile, Provinz Potenza, Region Basilikata, Italien, Tel. +39 0972 77 10 33, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. , http://basiliscovini.it/en/ 

Weinbaugebiet Aglianico del Vulture: www.aglianicodelvulture.net/en 

Information zur Basilikata:
APT Basilicata, Via del Gallitello 89, 85100 Potenza, Basilikata, Italien, Tel. +39 0971 50 76 11, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. , www.aptbasilicata.it 
Deutschsprachige Website: www.basilicataturistica.com , www.basilicataturistica.it/10-gute-grunde-die-region-basilicata-zu-bereisen-der-heimliche-garten-italiens-2/?lang=de 

Fotos: Basilisco

Submit to DiggSubmit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn
Zuletzt bearbeitet am 26/01/2018

Artikel weiterempfehlen und/oder drucken (auch PDF):

Letzte News

Letzte Artikel

Genuss-Newsletter abonnieren?

KULINARIKER - Das Magazin für mehr Genuss.
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.