Restaurant Villa Rothschild Grill & Health: Relaunch im neuen Gewand

Mit der Eröffnung am 25. September begann eine neue Zeitrechnung im Vorzeigerestaurant des kleinsten Kempinski Hotels der Welt. Ein Besuch im Hochtaunus.

Fünf Monate hat die Neugestaltung des Restaurants in der Villa Rothschild Kempinski gedauert. Entstanden ist ein gänzlich neues Konzept, das die arg in die Jahre gekommene und fast altbackene Anmutung des Vorgängerrestaurants schnell in Vergessenheit geraten lässt.

Vorbei sind aber auch die Zeiten der zwei Michelin-Sterne, mit denen die herausragende Küche von Christian Eckhardt hier ausgezeichnet wurde. Stattdessen will man künftig unter dem Motto "Casual Fine Dining" das Gästespektrum erweitern. Geblieben ist nur das Logo – und glücklicherweise der 2013 zur Villa Rothschild gestoßene Sommelier und gastronomische Leiter Benjamin Birk mit seiner über 400 Positionen umfassenden Weinkarte. Niemals aufdringlich, aber stets aufmerksam ist der sympathische Weinkenner immer für einen kurzen Fach-Plausch zu haben. Überhaupt agiert der Service nach wie vor auf Sterneniveau.

Luxuriöse Nonchalance

Doch zunächst gilt es, die einnehmende Architektur zu verdauen, denn hier wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Allein der holzbefeuerte, handgefertigte Solitärkamin mit raumhoher Messinghaube vermag schon vor dem ersten Nippen am Aperitif die Sprache zu verschlagen – ein wahres Meisterwerk. Geölte Dielenböden aus einheimischer Eiche schaffen Wertigkeit und Wohlgefühl – während dezente Naturtöne, verbunden mit Rot- und Goldakzenten, zum Gefühl tiefer Gemütlichkeit beitragen. Ein Blickfang sind auch die beleuchteten Weinschränke und der Bartresen aus massivem, in Olivenöl eingelassenem Nussbaumholz.

Als Behaglichkeit ohne Protz oder luxuriöse Nonchalance könnte man die Atmosphäre im neuen Restaurant der Villa Rothschild mit einen 60 Sitzplätzen auf den Punkt bringen. Allein das Ambiente macht einen Besuch wert. Schwellenangst ist fehl am Platze‚ auch wenn das Fünfsterne-Boutiquehotel seit 1949 als Wiege des deutschen Grundgesetzes und der Bundesrepublik gilt. Schließlich hatten sich zuvor Jahre Politiker-Granden wie Theodor Heuss und Ludwig Erhard mit Diplomaten aus der ganzen Welt getroffen und mit der Unterzeichnung der Gründungsverträge die Bundesrepublik aus der Taufe gehoben.

Restaurant mit Wohlfühl-Atmosphäre!
Restaurant mit Wohlfühl-Atmosphäre!

 

Stellt sich die Frage, ob die Kulinarik diesem außergewöhnlichen Niveau folgen sollte. Also doch der Griff zu den Sternen, per gloria ad astra sozusagen? Derlei Auszeichnungen sind nicht das primäre Ziel des Küchenteams um Sebastian Prüßmann, sagen der Herr der Herde und das Hotelmanagement einstimmig. Der 37-Jährige, der vor seinem Villa Rothschild-Debüt im Frühjahr in der Zirbelstube im Stuttgarter Schlossgarten-Hotel einen Stern erkocht hatte, verlässt vielmehr den Pfad der Haute Cuisine und präsentiert sich breiten-kompatibel.

"Geschmack muss die Kernbotschaft sein", lautet gleichwohl sein Motto. Dass er die dafür nötigen Voraussetzungen mitbringt, zeigt nicht nur seine Bewertung in Stuttgart. Die Drei-Sterne-Köche Dieter Müller und Nils Henkel im Schlosshotel Lerbach perfektionierten seine Kochkompetenz, die der Guide Michelin 2011 mit einem Stern auszeichnete. Damals wirkte Prüßmann in der Villa Hammerschiede im Pfinztal – und lernte Sommelier Benjamin Birk kennen. Nun haben sie sich in der Villa Rothschild wiedergefunden.

Europäischer Hummer mit Krustentier-Bisque

Den Cocktail genießt man vorzugsweise am Kamin. "Green Dreams" zum Beispiel, ein Sake mit Thomas Henry-Tonic, Salbei, Rosmarin und Holunderblüte. Das abendliche Mahl beginnt mit Bio-Sauerteigbrot aus Nürnberg, Dinkelweißbrot, Frankfurter "Grie Soß" aus sieben Kräutern und in Apfelwein eingelegtem Schinken. Der zum Brot gereichten Nussbutter fehlt indes das Aroma der namensgebenden Frucht.

Es folgt ein fast transparentes, asiatisch aromatisiertes Thunfisch-Carpaccio, das Lust auf mehr macht. Zum Beispiel auf den feinen europäischen Hummer, den Sebastian Prüßmann mit einer Sauce Choron gratiniert und mit jungem Spinat und einer Krustentier-Bisque erweitert. Sommelier Birk sekundiert mit einem vortrefflichen, auf der Maische vergorenen und biodynamisch ausgebauten Sauvignon Blanc von Andreas Tscheppe aus der Südsteiermark.

Küchenchef Sebastian Prüßmann.
Küchenchef Sebastian Prüßmann.

 

Die hausgemachten Spaghettini mit Trüffeln wirken etwas trocken und dürften gern mit einer Sauce oder Butter verfeinert werden – zumal das Trüffelaroma recht stark von der kräftigen Pasta dominiert wird.

Dem unspektakulären gegrillten Rinderfilet stellt der Küchenchef mit der alten rheinischen Spezialität "Döppekuchen" eine Reminiszenz an seine Heimat zur Seite: ein Kartoffelpuffer mit Zwiebel, Speck und Muskat. Dazu ein Val Sotillo aus den Bodegas Ismael Arroyo, einer der Lieblingsweine von Benjamin Birk. Die Trauben von durchschnittlich 40 Jahre alten Reben ergeben einen vielschichtigen Wein voller Charakter und Eleganz.

Quantensprung beim Kaffee

Die vegetarische, "Health" genannte Alternative kommt in Form einer gekonnt in Szene gesetzten im Salzteig gebackenen Rote Bete mit Couscous, Ziegenfrischkäse und Kalamata-Oliven auf den Teller.

Ein intensiver Abschluss ist die Creme brulée aus weißer Schokolade, zu der man sich den neuen Kaffee nicht entgehen lassen sollte. Die brasilianische Spezialität aus der handverlesenen gelben Kaffeekirsche stammt aus der Manufaktur "Röstwerk" von Sven Herzog und stellt einen wahren Quantensprung zu dem koffeinhaltigen Heißgetränk des früheren Restaurants dar.

Nicht einmal zwei Stunden dauert das Dinner im Villa Rothschild Grill & Health – ein weiterer Unterschied zur drei- bis vierstündigen Schlemmerorgie im Michelin-besternten Vorgängerrestaurant.

Per gloria ad astra, lautete die Frage vor dem Abendmahl. Noch ist der kulinarische Genuss nicht auf Augenhöhe mit dem atemberaubenden Ambiente des Restaurants. Doch das dürfte nur eine Frage der Zeit sein, denn, das Villa-Rothschild-Team, so die Verantwortlichen, befinde sich noch in der Findungsphase.

Nach wie vor ein großes Vergnügen bleibt zweifellos, den Abend in einem der 22 Zimmern bzw. Suiten der Villa Rotschild Kempinski ausklingen zu lassen. Inmitten der französischen Stilmöbel und Seidentapeten sowie Gardinen aus französischen "Toile-de-Jouy"-Stoffen fühlt man sich in die Atmosphäre der Kaiserzeit zurückversetzt.

Weitere Informationen unter: https://www.kempinski.com/de/frankfurt/villa-rothschild/ 

 

Lage Villa Rothschild:

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Fotos: Villa Rothschild

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Zuletzt bearbeitet am 15/11/2017

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