Gipfeltreffen am Fuße der Dolomiten

Nicht nur die Kulisse war perfekt. Vor der einzigartigen Dolomitenlandschaft stellten mitten auf der Seiser Alm, der größten Hochalm Europas, 15 Südtiroler Produzenten im Rahmen des 1. Südtiroler WineSummits ihre Weine vor...

Wo sich das Bimmeln der Kuhglocken mit dem Konzert der Alphörner mischte, präsentierten die Winzer wertvolle Tropfen aus dem Tal. Anschließend begeisterte Franz Mulser in seiner 2563 Meter hoch gelegenen Gostner Schwaige mit Haubenkunst. "Dem Himmel so nah. Wo Menschen gern Rast machen auf ihrem Weg, dem inneren und dem äußeren. Bei Essen und Trinken, mit ruhiger Hand und sensibler Nase zubereitet...", treffender könnte die feine Almhütte nicht beschrieben werden. "Etwas weiter unten, an unserem Hof Aussergost haben wir einen großen Garten mit vielen Blumen und Kräutern und Sträuchern. Was nur menschenmöglich ist, wird zu Säften, Tees, Marmeladen, Chutneys verarbeitet.", schmunzelt der Wirt und Koch Franz Mulser, dessen erster Lehrmeister sein Opa war: "Mit meinem Opa war ich viel im Wald und auf den Bergen unterwegs. Er hat mir beigebracht, was man alles essen kann. Gelernt hat er das nach dem Krieg, als er sich in den Bergen verstecken musste.“

Als Vorspeise servierte der Koch, äußeres Markenzeichen ein Filzhut, 25 Blumen und Kräuter vom Aussergost Hof mit Latschenöl, Kartoffelvinaigrette, Kräutersalz und Kräuteröl. Für dieses essbare Blumengedicht sammelte er am Morgen zwischen 5 und 7 Uhr, nur im Licht der Stirnlampe, die zarten Zutaten. Perfekt ergänzt wurde der bunte Auftakt durch einen eleganten und lebhaften Müller Thurgau Röck 2016 mit einem leicht aromatisch-würzigen Duft. Der fulminante Beginn wird stimmigst weiter geführt. Zum Boxhornschlutzkrapfen mit hauseigenem Almkäse auf Tomatenjus und Zirbelkiefer Pesto ist es ein 2011 DONÁ BLANC, eine Cuvèe aus den Rebsorten Weissburgunder und Chardonnay, der mit seinem Charme, reifer Frucht und Mineralität überzeugt. Kleine Jubelrufe ernten der Blauburgunder Matan Pfitscher 2011 sowie ein Lagrein Riserva Schmid Oberrautner 2010 zum Bauernbratl vom Brillenschaf Lamm. Den Abschluss des eindrucksvollen Abends bildete zum karamellisierten Kaiserschmarrn mit Rotweinzwetschgen und Sauerrahmeis ein 2013 Gewürztraminer vom Weingut Ritterhof. Sein Bouquet duftet nach filigranen Rosen, würzigen Nelken und edlen Gewürzen. Kraftvoll im Geschmack und von süßer Fruchtlänge trotz trockenen Ausbaus - einfach klasse!

Wirt und Koch Franz Mulser.
Wirt und Koch Franz Mulser.

 

Vögel charakterisieren die Weine

Ein weiteres Highlight dürfte ein Menü im 900 Meter hoch gelegenen Romantikhotel Turm in Völs am Schlern sein. Hier werden zu den delikaten Speisen eigene Weine vom Grottnerhof gereicht. Der Hof und die dazugehörigen Weinfelder befinden sich zwischen 450 und 600 Metern Meereshöhe. Ein ganz besonderes Mikroklima im Eisacktal und natürlich die guten Böden stellen die besten Voraussetzungen für die Weinreben dar. Tagsüber bekommen die Weinberge das warme, mediterrane Klima aus dem südlichen Bozener Talkessel zu spüren. Nachts sorgt der kühle Wind aus dem Norden für die nötige Abkühlung und für eine perfekte Durchlüftung. Die Weine tragen alle Namen von sehr charakterstarken Vögeln. Der wichtigste darunter ist der Kolkrabe. Wegen der Faszination und dem Interesse von Hotelinhaber und Koch Stephan Pramstrahler an genau diesem Tier, ist der Kolkrabe auch zum Symbol vom Grottnerhof geworden. Zum cremigen Weißburgunder-Kartoffelcappuccino ist es ein 2014 Weißburgunder PICA, der gerade durch seine prickelnd mineralische Säure gefällt. Äußerst delikat gelingt der Gang Riesenravioli mit Spinat und Ei, kombiniert mit einem 2016 Bubo Sauvignon blanc, dessen Aromen von Stachelbeeren, Grasnoten, Grapefruit und grünem Apfel geprägt sind. Exquisites gelingt mit dem sehr zarten Kalbsfilet im Heu mit cremigem Schnittlauch-Püree und Waldpilzen aus dem Schlerngebiet. Der 2014 Blauburgunder Corax macht mit seiner eleganten Struktur und reifen, seidigen Tanninen sowie einem angenehmen Nachhall richtig Spaß.

Vinum Hotels setzten neue Maßstäbe

Eine wahre Freude für die Augen und die Geschmackssinne bedeutet ein Aufenthalt im Vinum Hotel Muchele. Die sehr engagierte Familie Ganthaler sorgt mit ihrem ausgeprägten Sinn für architektonische Gestaltung sowie für ausgezeichnete, leidenschaftlich ausgeübte Küchenkultur für Aufsehen.

"Die Vinum Hotels Südtirol stellen ausgezeichnete Botschafter für den südtiroler Wein dar", bestätigt Hansjörg Ganthaler, Präsident und Initiator der Vereinigung Vinum Hotels Südtirol. Zu den Qualitätskriterien gehört unter anderem, dass auf der Weinkarte die Region Südtirol am stärksten mit seinen Weinen vertreten ist. Besondere Nischenweine, wie Blatterle, Pfefferer oder Fraueler stehen auf der Karte. Alle autochthonen Weinsorten Südtirols wie Gewürztraminer, Vernatsch oder Lagrein werden grundsätzlich angeboten. In jedem Betrieb müssen wenigstens fünf verschiedene Gläsertypen vorhanden sein und eine gepflegte Tischkultur ist selbstverständlich.

Hansjörg Ganthaler.
Hansjörg Ganthaler.

 

Der jeweilige Gastgeber ist Sommelier oder Winzer, so dass die 29 Vinum Hotels Südtirol mehrmals in der Woche Wein- und Genusserlebnisse anbieten können. Mit bestem Beispiel geht die Familie Ganthaler voran. Bei Wine & Dine haben sie zum Dinner gleich zwei namhafte Südtiroler Winzer eingeladen, die zu jeder Speise korrespondierende Weine auswählten. Chefköchin Evelin Frank bewies mit ihren Kreationen großes Talent. So servierte sie vorweg Frischkäse, brauner Zucker, Marmelade und Rotweinessenz. Anschließend Kastanientagliatelle, Garnele, Trüffel und als Hauptgang in Lagrein geschmortes Kalbswangerl, Kartoffelpüree und Wurzelgemüse. Zum Dessert wurden Crème Brulée, Karamell, Meersalz und Pflaumen gereicht.

Dominic Würth, Kellermeister Weingut Stachlburg in Partschins präsentierte zum Menü einen 2016 Vinschgau Chardonnay, 2016 Weissburgunder, 2013 Vinschgau Blauburgunder Riserva und einen 2013 Praesepium.

Bernhard Pichler, Inhaber des Weinguts Messnerhof in Bozen, wählte einen 2016 Terlaner Sauvignon, einen 2015 Gewürztraminer, einen 2014 Lagrein Riserva und einen 2015 Gewürztraminer Passito. Die Kombinationen zu dem ausgezeichneten Menü zeigten die Vielfalt und hohe Qualität der Weine, das nur Lob verdient hat. Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich das Weingut Eichenstein. Traumhaft 550 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, bietet sich von der Anhöhe ein fantastischer Blick in das Tal. Die Rebe findet dort ideale Voraussetzungen, denn die Weinberge sind nach Südwesten ausgerichtet. "Besonders ist der Boden: Porphyrquarzit und Granit, die hier von einem vorzeitlichen Vulkan an die Oberfläche gebracht wurden und in die viele Mineralen eingelagert sind. Ausgehend von Klima, Lage und Boden lag es nahe auf Eichenstein in erster Linie auf Weißwein zu setzen. Zwischen 2007 und 2010 wurden Weißburgunder, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Riesling und Merlot ausgepflanzt", berichtet Hausherr Josef Franz Waldner.

Sein Kellermeister Marius Müller zaubert aus den Reben edle Weine. In dem modernen Keller, der in den Hang gebaut ist, werden unter anderem exquisiter Chardonnay, Riesling, Weißwein Cuvée Gloria Dei, Eichenstein Riserva Weiss (Seppelaia) und die charmante Rotwein Cuvée Baccara produziert. "Zum Weingut und Luxuschalet Eichenstein gehören auch drei Weingärten in Marling auf der gegenüber liegenden Talseite. Im "Rosarium" stehen Weißburgunder, Sauvignon und Riesling, im "Wartegg" Merlot und Cabernet Franc und im "Knott" Sauvignon, Weißburgunder und Vernatsch", ergänzt Josef Franz Waldner.

Josef Franz Waldner.
Josef Franz Waldner.

 

Erstes Wein Summit in Südtirol

Zu den neuesten Weinevents zählt der Südtiroler WineSummit. Dieser außergewöhnliche Weinparcours um Geschichte, Anbaugebiete, Weinsorten und das Weinland Südtirol lockt mit einer ungewöhnlichen Entdeckungsreise. Zwei Jahre dauerte es von der ersten Idee bis zur Umsetzung in Herbst 2017. Neben zahlreichen Fachvorträgen, Diskussionsrunden und Degustationen gehören unter anderem die Wine Stories im Messezentrum Bozen zum Programm. Bei den „Wine Stories“ stellte jeder der 68 teilnehmenden Betriebe nur den Wein vor, zu dem der Produzent eine besondere Beziehung hat und erzählt die passende Geschichte dazu. So lautete beispielsweise die Geschichte über den Südtiroler Chardonnay Riserva Seppelaia 2015 vom Weingut Eichenstein "Sein Name kommt vom Patron Sepp Waldner, und er ist für uns die Quintessenz der Weine, denn dieser Wein wird nur in einem perfekten Jahrgang produziert. Die schönsten und reifsten Trauben werden dafür verarbeitet und kommen in die Flasche".

Durch die Anordnung der Weine bei der Messe wurde mit Hilfe einer großen Südtirol-Karte auf dem Boden die Verbindung zwischen Wein und Herkunft geschaffen sowie gleichzeitig die Unterschiedlichkeit der verschiedenen Anbaugebiete charakterisiert. Schließlich kamen auch moderne Technologien zum Einsatz: mit 360° Bildern und Virtual Reality erhielt der Besucher einen ganz besonderen Einblick in das Weinland Südtirol. Eine weitere Folge der Wine Stories ist bereits für Herbst 2019 geplant.

Informationen:

Südtirol, www.suedtirol.info 
Südtirol Wein, www.suedtirolwein.com 
Südtirol Vinum Hotels, www.vinumhotels.com 
Vinum Hotel Muchele, www.muchele.com 
Weingut Messnerhof, Bozen, www.messnerhof.net 
Weingut Stachlburg, Partschins, www.stachlburg.com  
Romantikhotel Turm, www.hotelturm.it 
Gostner Schwaige, www.aussergost.com/de/gostner-schwaige  
Weingut Eichenstein, www.eichenstein.it 

 

Impressionen:

 

Fotos: Carola Faber

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Zuletzt bearbeitet am 31/10/2017

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Autor

Carola Faber

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