Ein dekorativ-epochaler Abend

20 Stunden Perrier-Jouët: dekorative Ausstattung und Epernayische Gedanken. Eine Visite der besonderen Art in den Mauern eines Champagner-Hauses.

Was hält, was fesselt die situativen Momentaufnahmen des Lebens? Was bleibt, was ist das, was die Ader des Lebens stets gefüllt hält? Nicht die Schnelllebigkeit, auch nicht das flüchtige Wahrnehmen von Besonderheiten. Es ist - seien wir mal ehrlich - Intensität, der pure Genuss. Sicher, nicht immer einfach in einer Welt der Überreizung und plakativen Darstellung. Umso schöner und wahrhaftiger sind Momente des Fallenlassens, der Beruhigung und Entschleunigung. Doch von vorne...

Orly, 10:30 Uhr, wieder mal (kein) Regen. Perfekter Halt fürs Haar… 1989 brachte es das Unternehmen Schwarzkopf auf den Punkt: Globalismus und das ständige Auf-Achse-Sein wurde salonfähig. Und so ein wenig schwappt das 90er-Jahre-Spiegelbild in die Jetzt-Zeit. Gerade zurück aus Italien (Thema: Lambrusco), über München nach Bremen und dann schon wieder nach Porto, Lissabon und dann… nach Orly, um in Epernay entspannte Genussmomente zu verbringen. Nein, hat alles nichts mit Haarspray zu tun. Aber die Stationen sind ähnlich (häufig). Und wer bereits Epernay und den unverwechselbaren Odem der Region atmen durfte, weiß, von Orly bis in die Champagner-Hochburg ist es schon noch ein ganz schönes "Stückchen". Kurze Ruhe...

Dort angekommen, biegt der geneigte Besucher - in diesem Fall DER KULINARIKER - ein in die Einfahrt des Hauses Perrier-Jouët - natürlich direkt an der Avenue de Champagne gelegen. Der Adresse, die Champagner-Herzen auf der ganzen Welt Saltos schlagen lässt. Diese Straße ist einfach ein Unikum, einzigartig. Ein Champagner-Haus liegt neben dem nächsten. Die Namen, die die halbe Welt kennt, stehen hier in großen Lettern an den Fassaden und Toren zu imposanten Häusern mit Gärten und Kellereinheiten, die jedem Vorstellungsvermögen trotzen.

Gartenseite des Hauses Perrier-Jouët.
Gartenseite des Hauses Perrier-Jouët.

 

Der Innenhof des Hauses Perrier-Jouët zeigt nicht, was das Innere bereithält. Großzügigkeit und eine schöne Fassade offeriert sich, allemal. Doch das ist es nicht, was den Besucher nur wenige Schritte später fesselt. Es ist das Eintauchen in eine Art déco/Art Nouveau-Welt – jenseits des Jugendstils, verhaftet in den Schaffensphasen der Secessionskünstler und französischen Bildhauer. Auf einem Sims steht eine Skulptur von François-Auguste-René Rodin. An dieser vorbei geht es in den Salon, in dem Creative Director Axelle de Buffevent bereits in illustrer Runde sitzt und in der die Champagner Gläser kreisen. Im ärmellosen schwarzen Kleid, einem Lachen, das gewinnbringender kaum sein könnte, begrüßt uns die Französin.

Sie habe schon für Elli Saab gearbeitet, erzählt sie im Gespräch. Und es sei ungewöhnlich, wie ein Champagner Haus sich den Luxus erlaube, eine eigene Kreativ-Direktorin zu engagieren. Wohl wahr. Denn solche Aufgaben, die im kreativen Schaffensprozess angesiedelt sind, werden zumeist an Fremdfirmen vergeben oder als Auftragsarbeit für Designer ausgeschrieben. Mit Axelle de Buffevent hat Perrier-Jouët jedoch eine Identifikationsfigur gefunden. Sowohl inhaltlich, als auch optisch.

Kunst nicht nur im Haus, auch darunter: Installation in den Kellergewölben.
Kunst nicht nur im Haus, auch darunter: Installation in den Kellergewölben.

 

Denn, betrachtet man sich das Flagship des Unternehmens "Belle Epoque", passt die Kunstverantwortliche des Hauses wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. In dieser stilvollen Atmosphäre, den formvollendeten Stühlen und dem Perrier-Jouët Glas in der Hand, wirkt sie mit einer künstlerisch gelegten Haarwelle fast wie ein Stück des Interieurs. Zum gemeinsamen Foto in der hauseigenen Bar vervollkommnet sich das Bild nochmalig. Denn hier, wo höchste Champagnerkunst auf die vergessenen Dekaden trifft, wo Geschichte allgegenwärtig erscheint und die Leichtigkeit der Erde in Glas gefüllt präsentiert wird, ist es mit einem Glas Belle Epoque wie zu Zeiten der "schönen Epoche", der Belle Époque um 1900.

An der Bar sitzend, die in einer Höhe von etwas mehr als zwei Metern von hunderten künstlerisch das Licht reflektierend angebrachten rundlichen Glassegmenten dekoriert ist, zeigt sich das flüssige Portfolio Perrier-Jouëts mehr als eindrucksvoll. Blanc de Blancs, Rose, Grand Brut und natürlich Belle Epoque en masse. Da fällt es schwer Nein zu sagen. So sieht das auch Hervé Deschamps, Kellermeister Perrier-Jouëts. "Gerade der Blanc de Blancs hat eine schöne florale Note, Zitrus schimmert leicht durch. Da zeigt sich die Qualität der Chardonnay-Traube", erzählt Deschamps im Gespräch. Dabei kommen nicht alle Trauben aus eigener Produktion. "Aber die Auswahl geschieht gezielt, immer die Qualität beachtend", so der Kellermeister weiter.

Hervé Deschamps, Kellermeister Perrier-Jouëts.
Hervé Deschamps, Kellermeister Perrier-Jouëts.

 

Und so vergehen die Stunden in der Hausbar Perrier-Jouëts, die Belle Epoques verlieren, eine nach der anderen, ihr gläsernes Gefängnis und folgen ihrer Bestimmung: aus dem Glas in die Mägen der Genießer. Denn nur so ist er genießbar, verrät uns Deschamps zum Abschluss: "Er muss feinperlig sein und ein ausgewogenes Säureverhältnis haben. Dann ist es ein Genuss"!

Recht hat er!

Weitere Informationen unter: https://www.perrierjouet-maisonbelleepoque.com/

Fotos: Andrew Kudless, Michael Schabacker, Perrier Jouët

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Zuletzt bearbeitet am 19/10/2017

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