Wenn Marburg Kulinarik feiert

Meisterleistung: Trettl, Schuhbeck und Co. sorgten beim diesjährigen Festival in der Nähe von Marburg für Top-Kulinarik... und dies für 1800 Besucher!

Es ist schon fast ein wenig surreal... ein 450 Seelenort empfängt 1800 Gäste zu einem Kulinarikfestival. Denn Dagobertshausen dürfte wahrlich nicht jedem Genießer als erster Gastro-Spot in den Sinn kommen. Dabei hat das Waldschlösschen auf dem Hofgut Dagobertshausen durchaus eine kleine Historie. Als ehemaliger Sous-Chef von Bernd Siener, der vor einigen Jahren das Belle Etage im Vila Vita Marburg zu Sterneehren führte, ist Roland Reuss seit mehr als einer halben Dekade verantwortlich für die kulinarischen Geschicke des Hofguts. Und schon ein Blick auf die Karte zeigt, hier kann durchaus geschlemmt werden.

Bei unserem letzten Besuch vor etwa fünf Jahren konnte das stilvolle Restaurant vor den Toren Marburgs schon punkten: und zwar durch ein wunderbares Wiener Schnitzel (ja, wirklich wahr!). Der Klassiker befindet sich nach wie vor auf der Karte, dürfte durchaus immer noch mehr als eine Empfehlung wert sein. Die Karte des Hauses ist übersichtlich, lässt aber kaum etwas vermissen. Saisonal gibt es Pfifferlinge, Wild-Lachs oder auch getrüffelten Salat von Roter Bete, der mit Honig und Ziegenkäse serviert wird. Gratiniert ist der Käse wunderbar mild, passt stimmig zur Roten Bete mit Arganöl.

Bruschetta ist ebenso auf der Karte zu finden, wie auch Sashimi (Yellowfin-Thuna), US Short Ribs oder auch Simmentaler Roastbeef. Für einen Sommerbesuch, möglichst im Garten, empfiehlt sich das kleine Restaurant unweit Marburgs sehr.

Sterneköche zum anfassen

Doch stand jüngst nicht das Restaurant im Fokus, vielmehr war das großzügige Areal des Hofguts Austragungsort der 5. Dagobertshäuser Landpartie. Die Zugpferde der Veranstaltung waren durchaus illustre Namen, allesamt medial omnipräsent. So zog es Alfons Schuhbeck nach Hessen, ebenso wie Horst Lichter, Nelson Müller oder auch Kolja Kleeberg. Als halbes Eigengewächs kam aus dem Vila Vita Parc aus Portugal Zweisternekoch Hans Neuner nach Dagobertshausen. Als höchstdekorierter Chefkoch erschien die Dreisterneikone Roland Trettl, der sich der breiten Öffentlichkeit zuletzt in der Fernsehsendung "The Taste" präsentierte.

Stets freundlich: Horst Lichter.
Stets freundlich: Horst Lichter.

 

Zunächst war es aber mehr als erstaunlich, wie gut organisiert das Festival sich präsentierte. Denn trotz des enorm hohen Andrangs zur Mittagszeit, verteilten sich die 1800 Besucher zügig auf dem Gelände und suchten die verschiedenen Koch- oder Getränkestationen auf. Und da sich Horst Lichter unweit des Eingangs befand, steuerte eine Vielzahl der Gäste zunächst seinen Stand an. Der scheinbar ewig-freundliche Lichter, stets mit einem Lächeln im Gesicht, verlor auch trotz der Menschenmenge nicht die gute Laune. Immer mit einem Spruch auf den Lippen, beförderte er einen um den anderen Teller in Richtung der wartenden Gäste. Und wenn diese sich mit der gefüllten Hähnchenbrust hinreichend versorgt hatten, ging es für die meisten weiter auf das Gelände zu den verschiedenen Ständen.

Als kulinarisches Zugpferd der Extra-Klasse konnte ohne Übertreibung Roland Trettl angesehen werden. Der Juror der letzten "The Taste" Staffel, stach mit einem Rote Bete Knödel mit Bergkäse und Meerrettich-Kohlrabi sowohl optisch als auch geschmacklich hervor. Der Knödel allein ließ zwar ein wenig an intensivem Geschmack vermissen, allerdings war es in Kombination mit dem Meerrettich durchaus ein kulinarisches Erlebnis.

Und diesem stand Kolja Kleeberg in fast nichts nach. Der ab und an singende Koch/Künstler/Musiker überzeugte mit einer Kabeljaubrandade mit Kokos-Aioli und Salbei-Ananas. Für sich allein erschien der Kabeljau schon fast etwas zu trocken, allerdings gab der Spiegel in Kombination die nötige Frische hinzu. Und so soll es ja unterm Strich auch sein: das Gesamtkonzept zählt.

Münchens Aushängeschild der Sternegatronomie, Alfons Schuhbeck, lieferte mit einem Fleischpflanzerl ab. Nun, um der Regionalität zu entfliehen, kann auch der Begriff der Frikadelle verwendet werden. Allerdings nicht klassisch serviert, sondern mit Fleisch vom heimischen Reh. Preiselbeer Senf und ein Pfifferlings-Risotto ergänzten das stimmige Gericht.

Portugals Neuner

Neben Nelson Müller (Geschmortes Kalbsbäckchen mit Mandelcremen) und Feinkost-König Ralf Bos (Gesmokte Spare Ribs auf Champagner Linsensalat), überzeugte vor allem Hans Neuner aus dem Ocean Restaurant an der Algarve. Wer bereits das Vergnügen hatte dort zu speisen, weiß um die außergewöhnliche Kochkunst Neuners. Diese blitzte mit dem Gericht Feijoado de Camaro (Portugiesischer Bohneneintopf mit Felsengarnele) nur im recht kleinen Rahmen auf, zeigte aber, wie Ungewöhnliches mit Gewöhnlichem vermählt werden kann.

Drei-Sterne-Ikone Roland Trettl.
Drei-Sterne-Ikone Roland Trettl.

 

Sein Werdegang liest sich wie das Große Einmaleins der gehobenen Hotellerie und Gastronomie: Alpenkönig Tirol, Carlton St. Moritz, Adlon Berlin, Tristan Mallorca oder auch das Süllberg in Hamburg waren prägende Stationen Neuners. 2009 holte er für das Ocean Restaurant den ersten Stern, 2011 folgte der Zweite. Mehrfache Ehrungen als Portugals Koch des Jahres (2009, 2012) folgten für den Südtiroler, der sich im neugestalteten und renovierten Restaurant in Portugal sicher auf neue Ziele vorbereitet. Aber als kleiner Tipp am Rande: Nicht nur das Ocean Restaurant ist eine Reise wert, das Vila Vita Parc Hotel, in dem es sich befindet, ist wohl durchaus als eines der besten Hotels Portugals anzusehen. Eine absolute Empfehlung.

Unter der Leitung von General Manager Kurt Gillig ist dort in den letzten Jahren ein wahrhaft traumhaftes Domizil für Erholungsuchende entstanden. Ein wunderbarer Strand schließt sich dem Gelände des Hotels an, schöne Poolanlagen erweitern das "feuchte" Vergnügen. Ausstattung, Service, Lage: Perfekt. Auch eine absolute Empfehlung!

Aber zurück nach Deutschland in das beschauliche Marburg, wo auch das Vila Vita Rosenpark jüngst eine Frischzellenkur erleben durfte. Vorbei sind die Zeiten des etwas verstaubten Auftretens. Das Vorzeigehaus Marburgs hat einen großen Sprung in die Hotel-Neuzeit vollzogen. Und dies mit dem durchaus stimmigen Ehrgeizfaktor "Dezent". Die Bar, die ehemals das Sternerestaurant Bernd Sieners beheimatete, ist ein stilvoller Designort geworden. Gleiches gilt für die renovierten Zimmer, die frisch und mit dem nötigen Wohlfühlfaktor bietend daherkommen.

Hoteldirektor Simon Hunger hat mit seinem Team wirklich ganze Arbeit geleistet. 194 Zimmer stehen nunmehr komplett neu konzipiert zur Verfügung, zwei Restaurants, die oben bereits erwähnte Bar und zwölf Tagungsräume – ohne Zweifel wichtige Cash-Cows – stehen nunmehr bereit Gäste zu empfangen. Und mit der gewollten Abkehr aus dem 5-Sterne-Bereich, erschließt sich dem Haus nunmehr, gerade im Tagungsgeschäft, eine andere Klientel. Übrigens: Zwar ist das Hotel nicht mehr 5-Sterne klassifiziert, der Standard darf aber unumwunden als solcher angesehen werden!

Weitere Informationen unter http://www.vilavitahotels.com

 

Lage Waldschlösschen:

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Lage Vila Vita Rosenpark:

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Impressionen:

 

Fotos: Michael Schabacker

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Zuletzt bearbeitet am 14/08/2017

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