Oslo: Für die Zukunft gebaut

MUNCH transformiert Oslos Skyline, verneigt sich aber dennoch respektvoll vor der Stadt, die sie umgibt. Das ist die Vision der Architekten...

Edvard Munch geht es darum, konventionelle Regeln nicht zu akzeptieren, gegen Widerstände zu kämpfen, niemals aufzugeben. Das Gebäude ist da, es hat eine starke Präsenz, und es ist Teil der Stadt. Es sagt: "Okay, hier bin ich. Ich trage das Vermächtnis des wichtigsten Künstlers in der Geschichte Norwegens in mir, und ich blicke gebannt auf Oslo und den Fjord, denn es ist die Stadt und ihre kollektiven Träume, die mich gebaut haben.

Diese Worte stammen von Juan Herreros, dem Gründungspartner des spanischen Architekturbüros Estudio Herreros. Zusammen mit seinem Partner Jens Richter hat er MUNCH in Bjørvika entworfen. Der Grundstein für das neue Museum wurde im Herbst 2016 gelegt, nach einer langen und heftigen Debatte über Design und Standort - nicht unähnlich der, die dem Bau des ursprünglichen Museums in Tøyen vorausging.

Ein vertikales Museum

Herreros' siegreicher Architekturvorschlag basiert auf der Idee eines turmförmigen Museums, in dem die Hauptfunktionen vertikal organisiert sind. Sechzig Meter hoch, verkleidet mit recycelten, perforierten Aluminiumpaneelen unterschiedlicher Lichtdurchlässigkeit und mit seinem markant geneigten oberen Teil ist der Turm von allen Seiten ein weithin sichtbares Wahrzeichen. Die große Anzahl von Galerieräumen, die über eine noch größere Anzahl von Stockwerken verteilt sind, ermöglicht eine große Variation der Deckenhöhen und Raumgrößen, so dass sowohl für Dauer- als auch für Wechselausstellungen optimale Räume zugewiesen werden können.

Juan Herreros Und Jens Richter, estudio Herreros. Foto © Pablo G. Tribello
Juan Herreros und Jens Richter, estudio Herreros. Foto © Pablo G. Tribello

 

Der Turm, der auf einem dreigeschossigen Podium sitzt, hat zwei Zonen: eine statische und eine dynamische. Die statische Zone ist eine geschlossene Betonkonstruktion, die strenge Sicherheits-, Feuchtigkeits- und Tageslichtanforderungen erfüllt, um die Kunst im Inneren zu schützen. In der dynamischen Zone, die eine offene, transparente Fassade mit Blick über die Stadt hat, können sich die Besucher zwischen den verschiedenen Ausstellungsbereichen bewegen.

Die Absicht der Architekten ist es, dass die Besucher nicht nur die Kunstwerke, sondern auch Oslo und seine Geschichte entdecken sollen. Auf diese Weise wird das Gebäude dazu beitragen, eine starke Verbindung zwischen der Erneuerung des umliegenden Stadtgebiets und der Kunst von Edvard Munch herzustellen.

Ein modernes Passivhaus

Die Struktur mit ihren zwei Zonen verfügt über Luftschleusen zur Kontrolle von Temperatur und Feuchtigkeit an den Übergangspunkten zwischen der dynamischen und der statischen Zone. Diese Systeme ermöglichen den Einsatz einer energiesparenden, natürlichen Belüftung in der dynamischen Zone. Zudem vermeidet die geschlossene Ostfassade eine übermäßige Aufheizung im Sommer. Insgesamt sind sehr viele der architektonischen Entscheidungen klimabedingt.

MUNCH ist ein Prestigeprojekt für die Stadt Oslo und wurde nach den Kriterien von FutureBuilt geplant. Solche Gebäude müssen ihre Treibhausgasemissionen im Vergleich zu konventionellen modernen Gebäuden in Bezug auf Transport, Energieverbrauch und Materialwahl mindestens halbieren.

MUNCH ist ein Prestigeprojekt für die Stadt Oslo... Foto © Ivar Kvaal
MUNCH ist ein Prestigeprojekt für die Stadt Oslo... Foto © Ivar Kvaal

 

Die kompakte Form, sehr hochwertige Fenster und teilweise natürliche Belüftung sind nur einige der Maßnahmen, mit denen das Gebäude die gewünschten Energieeinsparungen erzielen konnte.

MUNCH wurde unter Verwendung von kohlenstoffarmem Beton und recyceltem Stahl gebaut, und seine tragende Struktur wurde für eine technische Lebensdauer von 200 Jahren ausgelegt. Darüber hinaus entspricht das Gebäude den Passivhausstandards. Mit anderen Worten, der Energieverbrauch wird mit Hilfe passiver Maßnahmen wie zusätzlicher Wärmerückgewinnung, extrem gut isolierten Fenstern und ausgezeichneter Isolierung reduziert. Die wellenförmigen Aluminiumplatten schirmen das Sonnenlicht wirksam ab und reflektieren und brechen das Sonnenlicht, um übermäßige Temperaturschwankungen zu vermeiden.

Zusätzlich zu den strukturellen Faktoren wird eine Reihe von Massnahmen den Klima-Fussabdruck von MUNCH reduzieren. Das Gebäude ist an ein Fernwärmesystem und auch an eine Seewasser-Kühlanlage angeschlossen. Es verfügt auch über ein Energiekontrollsystem, das den Energieverbrauch optimiert. Das Gebäude verfügt über keine Besucher- oder Mitarbeiterparkplätze. Seine Lage in unmittelbarer Nähe des größten öffentlichen Verkehrsknotenpunktes der Stadt und die 100 angrenzenden Fahrradstellplätze machen eine Anreise mit dem Auto überflüssig.

Fotos: Adrià Goula, Pablo G. Tribello, Ivar Kvaal

Submit to DiggSubmit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn

Artikel weiterempfehlen und/oder drucken (auch PDF):

Autor

Kulinariker

Letzte News

Letzte Artikel

Genuss-Newsletter abonnieren?

Klicken Sie auf "Subscribe", um unseren Genuss-Newsletter zu abonnieren. Individuelle Angebote, News, Trends und spannende Geschichten auf einen Blick!

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.